Dienstag, 3. Juli 2018

Familienausflug ins Museum zum Schloss Gottorf in Schleswig


Es ist schon eine Herausforderung mit 2 Mädchen im Alter von 9 und 12 einen Tag im Museum zu verbringen, wenn sie genau so gut am Strand liegen könnten.

Die Große konnten wir mit den Moorleichen locken, die Kleine fügte sich motzend ihrem Schicksal.

Natürlich könnte ich jetzt einfach nur erzählen was man so in Gottorf findet und besichtigen kann.
Das kann man aber auch auf deren HP nachlesen.

Hier gibt es Familienleben im Museum, für Außenstehende manchmal sicher lustig, für uns Eltern streckenweise sehr anstrengend, da wir uns wieder zu wenig vorbereitet hatten.

Wir hätten uns natürlich besser vorbereiten können und den Besuch wie eine Schatzsuche gestalten, selbst schuld. Wenn ihr mit Kindern kommt, bereitet Euch besser vor und rechnet mit wirklich viel Laufstrecke durch das große, größtenteils barrierefreie Schloss inkl. Garten.

Als erstes ein Hoch auf die Mitarbeiter, ich habe selten so freundliche Museumsmitarbeiter erlebt, super freundlich, ei schenkte Jolina ein Bonbon: "Und wenn es dir ganz doll langweilig wird, dann nimmst du das Bonbon und lutscht es." Ein paar Schritte weiter wollte Jolina beweisen, dass Menschen mit Down Syndrom nicht immer soooo lieb sind, schaute Louisa von der Seite an und meinte gehässig: "Ha! Ich Bonbon, Du nicht!"
Das hatte die Mitarbeiterin mitbekommen, schlich uns nach und steckte Louisa heimlich von hinten ein Bonbon in die Hand.
Eine andere gab mir den Tipp mir doch eine Schlafmaske zu kaufen, weil wir irgendwie drauf kamen, wie wenig ich hier schlafe, weil es so hell ist, kurz wer freundliche Menschen erleben will geht am besten mal hier her ins Museum, von dem ich jetzt auch nach viel BlaBla berichte.




Bei der Ankunft erschreckte uns der volle Parkplatz, doch zum einen verlaufen sich so ein paar Leute ganz schnell auf dem Gelände und zum anderen gibt es noch weit mehr Parkplätze als nur die vorm Schloss.

Es gibt übrigens hier 2 Museen in einem.
1. Das Museum für Archäologie und 2. Das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte.

Wir Banausen finden Archäologie eigentlich viel spannender als Kunst und deshalb fangen wir damit an.


Archäologisches Landesmuseum

1. Steinzeit



Wir starten in der Steinzeit, gehen also chronologisch vor.
Es gibt sehr viele Funde aus dieser Zeit hier und die Präsentation ist interessant und auch kindgerecht, wobei ich als Erwachsener sagen muss, ich finde solche Nachbildungen und Beispiele auch immer sehr anschaulich und lässt einen noch besser eintauchen.

Die großzügigen Räumlichkeiten lassen dies auch sehr gut zu und es gibt auch für die Kinder sehr viel zu entdecken. (Falls sie nicht schon von Anfang auf Krawall gebürstet sind, oder einer pubertär plötzlich einsetzenden groben Unlust geplagt sind)


Die Kunst als Eltern ist hier, ab und zu mal ne Ansage zu machen, oder auch mal ein Versuch das Kind für die Ausstellung zu interessieren, im Großen und ganzen sollte der Fokus aber auf dem liegen was man sich vorgenommen hat, das Museum und die großartige Ausstellung.

Warum ich das schreibe? Wir haben das so gemacht.


Es ist beeindruckend vor so alten Werkzeugen zu stehen, die unsere Vorväter benutzt haben.
Ein Leben von und mit der Natur, da kommen wir her, doch was haben wir daraus gemacht?
Aus den Knochen eines erlegten Tieres kann man noch Werkzeug machen, oder Schmuck, wir werfen unsere Plastiktüte ins Meer, oder kommen uns wer weiß wie toll vor, wenn wir bei Unverpackt einkaufen, oder ein Upcycling mit einem alten Gurkenglas machen.


Im Gegensatz zu einem Neubau, wird man immer wieder daran erinnert, dass man durch ein Schloss läuft.


 2. Tod und Jenseits



In großen und kleinen Modellen, so wie Fotos von Ausgrabungen und Miniaturen kann man sich ansehen welchen Aufwand die Menschen früher betrieben um ihre Verstorbenen zu bestatten.
Besonders Louisa war erstaunt, warum man sich das Ganze nicht einfacher gemacht hat.
Auf jeden Fall war das Verhältnis damals zum Tot noch ein gesünderes als heute.




3. Eisenzeit - die Moorleichen



Wir waren 1982 mit der Schule in St. Peter Ording und besuchten das Museum, bereits da war ich fasziniert von den Moorleichen. Es ist die Mischung aus Neugierde und Pietät, die ich auch heute noch fühle.
Hier liegt ein Mensch, oder seine Hülle, gelebt hat er vor 1800 Jahren, gelacht, geweint, geatmet, genau so wie wir.
Hier oben das berühmte Kind von Windeby, das so gut erhalten ist. Mit der heutigen Technik können wir sagen, es ist wohl an einer Zahnerkrankung gestorben, war unterernährt, musste häufig Hunger leiden und wurde ca. 15 oder 16 Jahre alt.


Die anderen Funde sind nicht in so gutem Zustand und auch die Untersuchung fällt schwer, weil sie früher bei Untersuchungen eher zerstört wurden und wichtiges Material heute fehlt.

Bis zu 60 Moorleichen wurden in Schleswig Holstein bisher gefunden, ich denke, dass ganz viele gar nicht bemerkt wurden und beim Torfabbau zerstört.


Der Fund oben, wäre mir jetzt erst auf den 2. Blick als Mensch aufgefallen.

Darf man Kindern so etwas zeigen? Natürlich, warum nicht?
Natürlich mit der gebotenen Ehrfurcht, denn es waren Menschen.
In Kairo haben wir vor vielen Jahren die Mumien der Pharaonen besichtigt. Die Stimmung in diesem Saal war wirklich besonders und es war als würden diese alten Herrscher immer noch durch ihre Macht beeindrucken, dieses Gefühl mich am liebsten zu Verneigen hatte ich jetzt hier nicht, aber ein bisschen tun sie mir leid, hier so ausgestellt zu sein, den Blicke preis gegeben.


4. Mittelalter




Natürlich ist meine Aufzählung nicht vollständig. Die Ausstellung erstreckt sich über mehrere Etagen und Flügel des Gebäudes.
Durch manche Bereich sind wir nur durch"geflogen", hinter einem rennenden Kind her, andere Bereiche konnten wir uns näher anschauen, wie hier, weil sie motzig in der Ecke stand.
Ich fand als Kind solche Dinge spannend, doch meine Töchter kommen nicht nach mir Spaßbremse und sind nicht solche Langweilerkinder.

Sehr spannend fand ich das Forschungsprojekt, in dem festgestellt werden soll wie alt Menschen damals wurden und welche Krankheiten sie hatten.

Wer unser WIB gelesen hat weiß auch schon, dass unsere Jüngste zu diesem Zeitpunkt fast den Hungertod gestorben ist. In Anbetracht der Reichhaltigkeit ihres Frühstücks und der Darstellung des kargen Lebens der alten Zeit mutet das wirklich schon sehr merkwürdig an.


Gastronomie



Am Sonntag habe ich mich ja schon ausgelassen. Wir haben Kinder mit etwas speziellem Geschmack und wir gehen selten unvorbereitet irgendwohin.
Die Gastronomie von Gottorf hörte sich toll an und ich freute mich auf mein Lunchbuffet, auch die Öffnungszeiten hatten wir gecheckt und alles abgestimmt. Museum - Essenspause - Garten - evtl. kleine Pause mit Eis - Museum.

Eine geschlossene Gesellschaft im Restaurant - suuuuper! Wir mit einem hungrigen Kind vor verschlossener Tür.
Wir steuerten also das Café auf dem Gelände an.
Torten.
Ich wünschte ich könnte etwas anderes schreiben.
Bei Instagram schrieb ich, dass ich meine Torte sofort gegen ein Butterbrot getauscht hätte.


Man kann ja mal mit Torte eine Mittagspause überbrücken, doch das haben wir genau 2 Tage vorher schon im Freilichtmuseum so gemacht und dort gab es wenigstens noch Käsekuchen und Butterkuchen.
Louisas Marzipantorte hatte auch noch einen Stich, kein Wunder bei der Hitze.
Ich mag bei über 25 Grad wirklich keine Torte, doch was soll man machen wenn das Kind Hunger hat und es auf dem Gelände nicht mal ein trockenes Brötchen zu kaufen gibt.


Barockgarten



Auf der Rückseite des Schlosses, vorbei an einem Teich und durch eine Allee erreicht man den Barockgarten, der in Terrassen angelegt ist.


Gestärkt durch ein bisschen Torte, rennt Jolina im Hüpferlauf vor uns her.
Mich erstaunt die Unmenge von Riesenbärenklau neben dem Wasserlauf.
Bei uns soll man bei der Verbandsgemeinde anrufen, wenn man welchen entdeckt, die kommen mit Schutzanzügen und bekämpfen ihn, also nur eine Pflanze meist, damit sich dieses gefährliche Zeug nicht weiter am Flusslauf ausbreitet und hier? Hier steht er in Massen, es schockiert mich dann doch etwas. Sollte ich mich doch geirrt haben, egal was es ist, es sah wirklich unschön aus.


Auch 2010 waren wir hier im Garten, allerdings war da das Große Kind etwas schlecht gelaunt.
Nur ein paar Fotos an dieser Wassertreppe konnte ich von ihr machen.

Louisa 2010

Louisa 2018

Diese Treppe scheint erneuert, oder nur gesäubert worden zu sein


Jolina fand vor allem den Brunnen oben in dem kleinen Tempel cool und als wir dort weg wollten, war sie gar nicht begeistert.





Nochmal zum vergleichen.


Natürlich wollte auch Jolina an der Treppe ein Bild, das muss ich ausnutzen, zur Zeit hat sie gar keine Lust auf Bilder



Mitten in einem Wasserbecken steht eine bombastische Statue. Wie groß dieser Drachentöter allerdings wirklich ist, das erfuhren Louisa und ich erst später beim erneuten Rundgang im Museum.



Wie bereits 2010 ist der Barockgarten im unteren Bereich noch angelegt, doch um so weiter man nach oben kommt um so trauriger wird der Anblick.
Wer hier also wegen üppiger Gartenkunst herkommt bleibt besser im unteren Bereich und muss sich die Stufen nach oben nicht abmühen.




Die Kuchenenergie von Jolina reicht genau bis zum höchsten Punkt des Gartens.
Sie rennt einfach die Treppen vor uns hoch, dass wir alten Eltern Mühe haben schnaufend hinterher zu kommen. Die Sonne tut ihr Übriges dazu uns an unsere Grenzen zu bringen.


Aber wir schaffen es, uff. Wären die Bänke ganz oben nicht in der prallen Sonne gewesen, ich hätte mich hingesetzt und wäre nie wieder aufgestanden. Jolina meinte jedoch, sie hätte schon gesessen und wäre fertig damit.
Stimmt, sie saß mal 20 Sekunden auf einer Bank während wir noch mit pfeifendem Atem die Treppen erklommen.


Die Aussicht von oben ist grandios bis hin zum Schloss und unter uns das Globushaus.




Wieder fast unten angekommen finde ich es ist Zeit für ein Familienselfie.
Zuerst mit Selfiestick, den ich mir extra noch 2 Tage vor der Abfahrt gekauft habe....




...dann mit Selbstauslöser, mal aus ungewohnter Perspektive.



 Wo wir gerade bei Selfies sind, schaut es Euch einfach selbst an.





Dann nochmal der Drachentöter, den fand ich so toll


Und ein Elefant





Zurück beim Schloss hat sich der Parkplatz geleert, die geschlossene Gesellschaft ist wohl abgezogen, egal, Louisa und mir ist noch übel von der Torte.


Das Nydamboot



Das Nydamboot ist ein Schiff aus der Germanenzeit, ca. 1700 Jahre alt.
Oben seht ihr einen Nachbau im Model


Beeindruckend wi groß dieses Schiff war und mit welch einfachen Mitteln die Menschen dieser Zeit fähig waren solch ein großes Boot zu bauen, das dann auch noch dicht war und nicht unterging.

Besonders hier in der Nydamhalle wird die Nähe zu Dänemark bewusst, alles ist zweisprachig ausgeschildert und eigentlich wurde das Schiff auch auf dänischem Boden entdeckt.

Ich bin dankbar, dass wir das Boot hier besichtigen können.
Zusätzlich ist es schön kühl in der Halle und Jolina hat sich an einen Maltisch gesetzt und möchte bleiben.
So setzen Louisa und ich die restliche Museumstour alleine fort, sie eher aus Freundlichkeit mir gegenüber und mir unterwegs immer wieder zu erzählen, wie langweilig sie das alles findet.

Das Schloss



Für den nächsten Abschnitt begeben wir uns in eine anderen Flügel des Schlosses und ich komme in Bereiche, die wir vor 8 Jahren gar nicht gesehen haben, vielleicht wegen des Kinderwagens.

Auf jeden Fall lohnt sich ein Blick in den Innenhof.


Ich habe wirklich gar keine Ahnung von Baukunst, ob hier unterschiedliche Epochen zu sehen sind, oder ob das einfach halt so ist wie es ist.

Schön ist es auf jeden Fall


Landesmuseum für Kunst und Kultur



Ich bin ehrlich, in diesen Räumen interessiert mich eher der Raum an sich, als das was darin ist.
Ja, diese Altäre, sind das überhaupt welche? Sind beeindruckend, doch nach Nr. 3 wird es mir an so einem Tag voller Ausstellungsstücke schnell langweilig, da kann ich es meiner Tochter nachfühlen.


Beeindruckend ist hier der heilige Georg (?) (ist er er doch, oder?) beim Drachentöten.
Ich bin ja in der Geschichte der Heiligen nicht so bewandert als Ex-Mitglied der Evangelischen Kirche der Pfalz.


Ich fand übrigens als Kind Erker schon toll und wollte immer mal ein Haus mit Erker.
Okay, das hier ist wohl eher ein Turmzimmer, hätte ich natürlich auch genommen, noch besser als Erker und die wunderschönen Fenster nehm ich gleich dazu.


Hier ist dann ein Teil des Originalbrunnens im Barockgarten, den ich so toll finde, ganz schön groß, ganz schön alt, ganz schön kaputt




Diese Giebelspitzen finde ich auch witzig.


Weiter geht es durchs Schloss



Diese kleinen Prinzessinnen habe ich auch schöner auf einem Bild im Garten, allerdings zu erkennen.
Man kann hier einen Kindergeburtstag im Schloss buchen, das was ich von der Führung mitbekommen habe wäre meinen wilden Hühnern etwas zu viel Kultur und Geschichte für eine Geburtstagsparty.


In den nächsten Räumen im Obergeschoss waren wir bisher noch nicht und ich war einfach nur hin und weg von dieser Pracht. Ich war schon in Schlössern, doch was ich hier sah, sah ich zum ersten Mal.
Seht mal in dem blauen ist auch noch Relief zu erkennen. Und diese Farbe, ist das nicht ein Traum?


Louisa nutze lieber die Bänke, die fast in jedem Raum stehen, allerdings nicht um sich in Ruhe um zu sehen, sondern weil sie erschöpft war, oder doch gelangweilt, die ist doch sportlich, das kann sie doch unmöglich müde machen, wenn ich da mithalten kann.


Die kleine Kirche brachte mich wirklich noch mehr zum staunen, wie wunderschön, wie prachtvoll, wow.



Jetzt kommt der Saal wo meine Tochter nochmal aufblühte.
Der Tanzsaal.


Die Hirsche sind nicht einfach aufgemalt, sie sind 3D und trugen wohl, wie der Hirsch über dem Kamin alle Geweih.


Louisa nutzte den Raum um ein wenig zu tanzen. Das geht hier wirklich großartig.
Verwurschtelt hat sie das in eine Musical.ly




Den Hirsch, dem das Geweih ursprünglich mal gehörte hat die und jetzt weiß ich es nicht mehr genau, Herzogin/Gräfin/Fürstin...? selbst erlegt, da sage mal einer früher gab es noch keine Emanzipation.


Wir beenden unseren Rundgang, obwohl wir noch nicht alles gesehen haben, hier kann man wirklich locker einen kompletten Tag verbringen.


2010 waren wir noch zu 4. hier drin, dieses Jahr blieb Jolina mit Papa lieber im Haus mit dem Boot.



Ich dachte es sei der selbe Altar für ein Selfie, inzwischen fast gleich groß, doch wie erwähnt, für mich sehen die irgendwann alle sehr ähnlich aus.



Ich hoffe ich habe Euch nicht all zu sehr gelangweilt mit unserem Familienausflug ins Museum in Schleswig.
Natürlich gibt es bald auch ein bisschen Ostsee Strand und vielleicht noch mehr hier zu lesen.

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