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Donnerstag, 23. August 2018
Meine Sicht zu Valeries Geschichte
Was nun fehlt ist meine Meinung.
Was denke ich persönlich über Valeries Geschichte?
Es sind viele wütende Kommentare nach dem letzten Teil bei facebook zu lesen, das habe ich erwartet, denn auch mir fiel der letzte Teil am schwersten hochzuladen, schwerer als der Teil mit dem Abbruch.
Eigentlich hatte ich ursprünglich nicht vor selbst noch etwas zu schreiben, doch nach und nach wuchs in mir dieses Bedürfnis dazu, da ich mich einfach versucht habe ziemlich raus zu nehmen. Auch auf der facebook Seite wurden Stimmen laut, dass ich das nicht so stehen lassen könnte ohne selbst Stellung zu beziehen.
Mittwoch, 15. August 2018
Valeries Geschichte: Wie es bei uns weiter ging
Die 4 vorherigen Kapitel von Valeries Geschichte findet ihr hier:
5. Wie es bei uns weiterging
- Familiengründung mit Hindernissen
- Diagnose Down Syndrom
- Das Ringen um eine Entscheidung
- Sein letzter Lebenstag
5. Wie es bei uns weiterging
Der Schwangerschaftsabbruch
war ein paar Tage vor Heilig Abend gewesen. Wir haben von jenem Weihnachten
kein einziges Foto.
Kurz danach flogen wir für
ein paar Tage in den Urlaub. Wir dachten, ein wenig Tapetenwechsel würde uns
dreien gut tun. Das nasse und stürmische Wetter in der Türkei passte wenigstens
genau zu unserer Stimmung. Auf der Rückreise wurde es uns aber fast zum Verhängnis.
Denn unser Flugzeug hatte beim Start einen Unfall: Bedingt durch den Sturm
knallte beim Abflug das Heck auf. Panik an Bord, schreiende Passagiere, das
Flugzeug taumelte. Eine gefühlte Ewigkeit lang torkelten wir dicht über dem
Mittelmeer. Das ist die Strafe dafür, dass wir unser behindertes Baby
getötet haben. Jetzt müssen wir alle sterben. Auch unser zweijähriger Sohn, und
er ist doch noch so klein und völlig unschuldig.

Mittwoch, 8. August 2018
Valeries Geschichte: Sein letzter Lebenstag
Valeries Geschichte geht weiter
Die ersten Teile findet ihr unter:
4.
Sein letzter Lebenstag
Sieben endlose Tage und
Nächte lang haben wir um den am wenigsten falschen Weg gerungen. Trotz aller
Trauer und Schuldgefühle war es schließlich eine eindeutige Entscheidung. Nein,
wir können niemandem vorwerfen, uns zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt oder
überredet zu haben. Die Last dieser Verantwortung müssen wir als Eltern ganz
alleine tragen. Vor dem Gesetz sogar eigentlich nur ich als Mutter. Die
Unterschrift, die mein Mann in der Klinik neben die meine setzte, war ein rein
symbolischer Akt. Ich habe ihn darum gebeten. Die Einsamkeit der Entscheidung
blieb dennoch unendlich groß.
Mittwoch, 1. August 2018
Valeries Geschichte: Das Ringen um eine Entscheidung
Valeries Geschichte geht weiter
Die ersten beiden Teile findet ihr unter:
3. Das Ringen um eine
Entscheidung
Im Laufe der Tage durchliefen
wir diverse Beratungsgespräche – beim Humangenetiker, beim Pränataldiagnostiker
sowie bei einer Klinikseelsorgerin, die schon viele andere Eltern durch schwierige
Schwangerschaften begleitet hatte. Die Beratungen fielen sehr unterschiedlich
aus. Während die beiden Mediziner das Down-Syndrom völlig undifferenziert
verharmlosten („das sind ja Sonnenscheinkinder“, „fast normale Intelligenz“,
„leben als Erwachsene so gut wie selbständig“), war die evangelische Pastorin
die einzige, die beide Seiten zu kennen schien: Die heute im Vergleich zu
früher viel besseren Entwicklungsperspektiven der Kinder mit Trisomie 21. Aber
auch all das Belastende, das die Betroffenen und ihre Familien durchmachen.
Ob Zufall oder nicht – allein
schon im Dorf meiner Kindheit lebten gleich mehrere Menschen mit Down-Syndrom.
Vor allem durch meine therapeutische Tätigkeit begegnete ich noch etlichen
mehr. Es gibt Betroffene, die in der Tat schwer behindert sind, zum Beispiel
auch als Erwachsene kaum ein Wort sprechen. Oder diejenigen mit einer
Fehlbildung an lebenswichtigen Organen wie Herz, Nieren oder Magen-Darm-Trakt.
Oder solche, die eine ausgeprägte Sinnesbeeinträchtigung haben, also stark
hörgeschädigt beziehungsweise sehbehindert sind, manchmal auch beides auf
einmal. Oder diejenigen, die obendrein autistische Verhaltensweisen zeigen, wie
ungefähr jede siebte Person mit Trisomie 21. Und auch diejenigen, die mit epileptischen
Anfällen oder andauernden Lungenentzündungen immer wieder in der Klinik landen,
schon als winzige Babys, die nicht verstehen, warum sie nicht einfach zuhause
bei Mama und Papa sein dürfen. Und warum ihnen von seltsamen Gestalten in Weiß
immer wieder Schmerzen zugefügt werden.
Mittwoch, 25. Juli 2018
Valeries Geschichte: Diagnose: Down Syndrom
Heute wird Valeries Geschichte weitererzählt.
Den ersten Teil findet ihr hier: 1. Familiengründung mit Hindernissen
2.
Diagnose: Down-Syndrom
Wir hatten
noch gar nicht so früh mit einem Ergebnis gerechnet. Erst acht Tage zuvor
hatten wir den Trisomie-Test mit dem irritierenden Namen Harmony in Auftrag gegeben. Auch die Art der Benachrichtigung war
unerwartet. Am frühen Mittwochabend fand ich schlicht eine E-Mail vom
Humangenetiker in meinem Postfach vor. Immer wieder blieb ich an denselben
Wortfetzen hängen: Ihr erwartetes Kind… Trisomie 21 … Down-Syndrom…
Was empfindet man in so einem
Augenblick? Ehrlich gesagt konnte ich die Nachricht erstmal nicht so ganz
glauben. Was, echt jetzt? Ausgerechnet
uns sollte es erwischt haben? Vielleicht ist ja alles nur ein
Irrtum? Vielleicht wurde die E-Mail bloß an die falschen Leute verschickt?
Erst kürzlich hatte ich mit
einem Bekannten telefoniert, der die Übervorsicht rügte, mit der ich die Freude
über meine Schwangerschaft zurückhielt. Ich schob nämlich offiziell immer den
noch ausstehenden Trisomie-Test vor. Bei unserem Gespräch gab ich ihm recht,
denn ich mag meinen Pessimismus selber nicht besonders. Ja, man sollte immer
erstmal vom besten Fall ausgehen. Oder? Hatte ich vielleicht doch etwas geahnt?
Kaum hatte ich die Nachricht
des Humangenetikers ein paar Mal überflogen, kam mein Mann von der Arbeit nach
Hause, etwas früher als sonst. Ich war erleichtert, in dieser Situation nicht
lange alleine sein zu müssen. Hastig zog ich ihn ins Schlafzimmer, schloss die
Tür hinter uns und stammelte: Unser Kind
hat das Down-Syndrom.
Einer meiner ersten Gedanken
war: Unser Sohn hat sich so sehr ein
Geschwisterchen gewünscht. Also muss ich es nun austragen. Koste es, was es
wolle. Auch, wenn es behindert ist.
Meine Tendenz war also
erstmal eindeutig für das Baby in
mir. Unser rotes Baby-Jäckchen fiel mir wieder ein… Mein Instinkt war doch
gleich, vom Tag des positiven Schwangerschaftstests an, das Kind in meinem
Bauch zu beschützen!
Bald darauf kamen aber auch
Wut und Auflehnung in mir hoch, gegen das Schicksal, von dem ich mich – ich
kann es nicht besser ausdrücken – irgendwie vergewaltigt fühlte. Dazu verdammt,
mich bis an mein Lebensende um einen Menschen mit einer mehr oder weniger
starken Behinderung zu kümmern. Ich fand das sehr ungerecht. Obwohl es
selbstverständlich – und das war mir schon immer klar – keinen Anspruch auf ein
gesundes Baby oder überhaupt auf Kinder gibt.
Mittwoch, 18. Juli 2018
Valeries Geschichte: Familiengründung mit Hindernissen
Unsere Gastautorin Valerie, die
eigentlich ganz anders heißt, war lange Zeit überzeugte Abtreibungsgegnerin.
Als Sonderpädagogin tritt sie für die Rechte behinderter Menschen ein. Und doch stand sie bei ihrer eigenen Schwangerschaft aufgrund einer Trisomie 21 vor einer schweren Entscheidung. Denn im wahren Leben liegen Theorie und Praxis oft weit auseinander...
Hier wird uns Valerie ihre Geschichte
erzählen.
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