Kreativ, chaotisches Familienleben trifft auf ein Zusatzchromosom.
Lachen, streiten, kochen, nähen, gärtnern, reisen
und alles was das Leben zu bieten hat.
Ein ungewöhnlicher Ort für einen Spaziergang? Nein, es ist auch ein wunderschöner Park mit alten Gedenkstätten und sich sehr viel Geschichte. Wir hatten eine Stunde, also wir haben nur einen kleinen Teil gesehen.
Ein würdevoller Ort und Nr. 2 von 50 Orten an der Nahe, in Rheinhessen und dem Hunsrück, die ich vorstellen möchte.
Also meine Füße und Beine tun jetzt weh. Nachdem ich am Freitag einige Stunden half den Kindersachenbasar aufzubauen. Waren wir Samstag und Sonntag in Mainz und haben auch dort noch ein paar Kilometer gemacht. Ich erzähle mal...
Ich glaube ich muss meine Titel vom WIB nochmal erklären, bevor man mich der deutschen Grammatik nicht für fähig hält. Die Titel sind angelehnt an die org. Titel der Friends Folgen, die wir alle natürlich damals zusammen geschaut haben und alle DVDs haben. "The one with..." Also viel Spaß mit ganz viel Mainz-Bildern
Nachdem ich seit vielen Jahren wöchentlich in Mainz bin habe ich ihn vorher noch nie gesehen, den Gutenberg-Express.
Wir beschlossen uns die Fahrt zu gönnen, wir waren sogar fast den größten Teil der Fahrt alleine im Wagen und mussten daher die Mundmaske nicht tragen, erst als andere Gäste einstiegen.
Der Gutenberg-Express fährt wichtige touristische Plätze in Mainz an und hat mehrere Haltestellen, an denen man ein und aus steigen kann.
Wir starteten ganz klassisch am Startpunkt der Tour am Gutenberg-Platz. Diese Haltestellenschilder mit Fahrplan gibt es überall in der Stadt und man kann dort warten und einfach zusteigen.
Die erste Fahrt startet um 10:30h und dauert 55 Minuten, das passt genau und hätte nicht ein Auto den Weg durch dämliches falschparken versperrt hätten wir nicht 57 Minuten gebraucht, sondern genau 55, total beeindruckend, da in Mainz nicht immer gut durchzukommen ist.
Bezahlt wird direkt im Bähnchen, 9 Euro kostet es für Erwachsene. Das zahlen wir gerne, denn auch der Gutenberg-Express fuhr im Lockdown nicht.
Leider habe ich es verpasst ein schönes Bild von außen vom Gutenberg-Express zu machen. Durch die Scheibe war ziemlich schwierig.
Die Fahrt war informativ, 3 sprachig und wir notierten uns im Kopf noch einige Orte in Mainz die wir unbedingt besuchen wollen.
Ich war auch tatsächlich noch nie beim Fassnachtsbrunnen, dabei ist der so schön und man kann eine ganze Weile sitzen und schauen bis man alles entdeckt hat.
Um diese Zeit war es noch still in der Stadt und nur in den Straßencafés saßen die Leute und frühstückten.
Wir hatten wirklich total Spaß bei der Fahrt auch wenn die Bänke schon etwas eng sind.
Von diesem Platz aus hat der Mainzer Dom tatsächlich doch ein bisschen Ähnlichkeit mit den beiden anderen Kaiserdome der Region, Speyer und Worms. Gerade in Speyer sind wir ja öfter, auch im Dom und ich empfinde schon die Lage ganz anders. Hier rückt die Bebauung der Stadt schon sehr nah an den Dom und man fragt sich was zum Dom gehört und was nicht.
Bei diesem Besuch wagten wir uns auch in das Innere des Gotteshauses.
Viele Bilder gibt es nicht, denn ich habe immer das Gefühl, dass es sehr unpassend ist in einem Gotteshaus zu fotografieren.
Dieses Restaurant ist mir beim vorbei laufen schon aufgefallen, denn auf der Terrasse saßen immer Gäste, somit scheint dieser Italiener sehr beliebt zu sein, somit beschlossen wir nach einem langen Fußmarsch durch die Stadt und dann am Rhein entlang hier ein leckeres Mittagessen einzunehmen.
Die Trattoria liegt nur wenige Schritte vom Rhein entfernt und es gibt auch Parkplätze vor der Tür, ob diese frei sind ist in Mainz immer ein Glücksspiel. Allerdings ist eine Tiefgarage nicht weit entfernt.
Seit über 10 Jahren bin ich bis auf die Ferien einmal pro Woche in Mainz, Christian hat für 3 verschiedene Firmen in Mainz gearbeitet und doch kannten wir nichts von dieser Stadt.
An 2 Wochenenden haben wir nun einen kleinen Teil von Mainz erobert und entdeckt, dass es hier noch viel mehr gibt als das was wir bisher kannten.
Ich nehme euch mit auf unsere Reise durch Mainz und wie man hier auf Entdeckungstour gehen kann.
Ich starte mit St. Christoph, weil ich vor einiger Zeit auf dem Weg zu einer Modekette plötzlich anders abgebogen bin und diese Kirchenruine zum ersten Mal gesehen habe und mich fragte was das wohl ist. Gemeinsam gingen Christian und ich auf Spurensuche, warum mitten in Mainz einer Kirchenruine steht.
Heute ist es wirklich Zeit, dass ich euch den Gasthof Grün vorstelle.
Immerhin bin ich fast jeden Montag Nachmittag dort und damit unterstütze ich einen Inklusionsbetrieb.
Der Gasthof Grün liegt in der Mainzer Neustadt, aus Zufall stolpert man dort eher weniger hinein, doch wer es kennt, kommt immer wieder gerne.
Der Gast Hof Grün ist ein besonderer Ort in Mainz. Nicht nur wegen seines schönen, grünen Innenhofs mitten in der Stadt. Hier wird auch ein Stück soziale Verantwortung gelebt.
Die Gründungsidee
Der Gast Hof Grün ist eingebettet in ein generationenübergreifendes Wohnprojekt der Stadt Mainz. Ursprünglich als Bewohnercafé eingerichtet, entwickelte es sich zum beliebten Treffpunkt für Menschen aus der näheren und ferneren Umgebung. Zum Konzept gehören nach wie vor die Barrierefreiheit für Menschen mit körperlichen Einschränkungen und die inklusive Zusammensetzung unseres Teams.
Selbstbestimmung, Teilhabe und Wertschätzung
Im Team des Gast Hof Grün arbeiten – zusammen mit Fachkräften – psychisch erkrankte Menschen. Sie finden in Küche und Service eine Beschäftigung, die sich ihren individuellen Fähigkeiten und Stärken anpasst. So können sie am Arbeitsleben teilhaben und sich im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation nach den Berufsbildern Beikoch und Helfer im Gastgewerbe qualifizieren. Pädagogische Fachkräfte unterstützen sie dabei, eine berufliche Perspektive zu erarbeiten und sich auf eine Rückkehr auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Quelle: Gasthof Grün
Das Konzept, die Preise und die Nähe zum PEp haben uns vor einiger Zeit unser Stammlokal ein paar Straßen weiter aufgeben lassen und hier unser Wohlfühloase errichten lassen.
Hinter diesem Schild neben einem unscheinbaren Eingang in einem Hinterhof in Mainz liegt unser größtes Glück was die Förderung unserer Tochter mit Down Syndrom betrifft.
Ich mag keine Superlative, wer mich kennt weiß das, doch das PEp, oder eigentlich richtig die PEp, verdient diese Ehre, die ich wirklich sehr selten zu Teil werden lasse.
Als eine Bekannte, die auch ein Kind mit Down Syndrom hatte, nach der Geburt von Jolina meinte: "Da müsst ihr auch unbedingt ins PEp!" war ich erst auf Abwehr.
Ich MUSS grundsätzlich schon mal gar nichts und bei unbedingt schrillen bei mir alle Alarmglocken.
Was soll ich sagen? Ich mache mir immer erst mein eigenes Bild bevor ich urteile, sie hatte Recht und heute empfehle ich das PEp auch weiter, vielleicht etwas anders, aber im Prinzip ist es wirklich so, dass wenn man sein Kind mit Down Syndrom best möglich auf das Leben vorbereiten möchte, dann ist es die optimale Lösung.
Heute sind meine 12 von 12 nicht wirklich abwechslungsreich, denn der Nachmittag ging für unsere Therapiestunden in Mainz und die Fahrt drauf, aber immerhin war die heute spannend.
Nach einer Stunde Brote schmieren, Haare flechten, hin und her rennen endlich Kaffee und dazu das Video von Louisa schneiden.
Hier zeige ich ja jeden Sonntag Videos die mit Down Syndrom, Behinderung oder mit uns zu tun haben.
Deshalb mag es Euch wundern was dieses hier zu suchen hat.
Seit 2010 geht Jolina ins PEp in Mainz, genau so lange wie es die Annabatterie gibt.
Wenn wir Mütter am Anfang noch bei den Therapiestunden dabei waren, kam irgendwann der Punkt wo wir unsere Kinder für 1,5 Stunden alleine im Therapiezentrum lassen mussten und daraus entstand mein persönliches kleines Stück Himmel in der Annabatterie.
Es fanden sich immer ein paar Mütter die mit gingen zum quatschen und wohlfühlen.
Unsere Kinder sind alle im gleichen Alter, sie haben alle das Down Syndrom und wir lieben unsere "Anna"
Jeden Donnerstag Morgen, wenn wir Platz fanden gönnten wir uns Cappuccino, oder die weltbeste Ingwerlimo und ab und zu einen der atemberaubenden Kuchen.
Wir erzählten uns von unserem Alltag, der für uns alltäglich ist, für andere aber nicht, und fanden gegenseitig das Verständnis, das bei anderen aus Unwissenheit oft fehlt. Wenn dann Eltern von "Regel"-kindern erzählen "ja, ja, das macht meine auch." Können wir nur genervt die Augenbrauen hochziehen, denn, wer nicht in dien Extremsituationen steckt kann es nicht nachvollziehen. (Ein Beispiel, Jolina hat mal über 2 Stunden wütend geschrien, als der Papa heim kam, legte sie einen Schalter um und strahlte. Oder Gestern als der Bus sie nach Hause brachte, da kam ein Auto, sowohl ich als die Busfahrerin wollten sie zur Seite ziehen, sie bockte und wehrte sich, weil sie eben nicht zur Seite wollte, ich schrie sie an "Da kommt ein Auto!!!!" doch das wirkt einfach nicht, wenn sie in ihrem Ding ist. Das macht sonst kaum eine 7 jährige nehme ich mal an.
Ich umarme mit diesem Post meine PEp-Ladys und die Annabatterie. Ein Platz wo wir uns wohl fühlen und uns unsere eigene Auszeit geschaffen haben.
Jetzt sind unsere Kinder Schulkinder und der Donnerstag Vormittag in der "Anna" sind Vergangenheit, wir werden uns aber unser neues Zeitfenster dort schaffen und wenn ihr mal in Mainz seit, dann geht dort mal vorbei, oder folgt mir auf Instagram, wo ich oft Bilder aus meinem zweiten Wohnzimmer poste.
Bei uns im "Wochenspiegel" stand vor einiger Zeit eine Anzeige, dass die Fantastischen Vier nach Mainz in den Zollhafen kommen und als Schmankerl gab es auch Karten für ein Rheinschiff, das dann vor der Bühne fest machte und man das Konzert von dort ansehen konnte.
Jetzt sind wir ja schon etwas älter und unsere letzten Konzerte lagen auch viele Jahre zurück.
Sofort vom Fieber gepackt reservierte ich 2 Karten, ein Konzert tauglich für unsere alten Knochen, das hörte sich wunderbar an, zusätzlich noch mit Snacks und Flatrate Getränken auf dem Schiff, dafür zahlt man doch gerne mehr.
In dem Moment warfen ihr auch alle Vorausplanung über Bord die sonst so wichtig bei uns ist "Ach, was, irgendjemand werden wir schon für die Kinder finden." So spontan und begeisterungsfähig sind wir leider schon lange nicht mehr. Mit Kindern ist es ja anders und mit einem Kind mit "kleinem Extra" ist es eben nochmal anders.
Nun ja, unser Babysitter konnte schon mal nicht, uuupsi, wir mussten schon am Nachmittag nach Mainz fahren und unsere Babysitterin kam an dem Tag erst um 17:00 Uhr mit dem Zug von der Uni zurück. So gehts wenn man einmal spontan ist.
Ich rief dann kleinlaut bei meiner Mutter an und fragte sie ob sie gerne eine Nacht bei uns verbringen möchte, das war zum Glück kein Problem und der Konzertbesuch war gerettet und was waren wir aufgeregt und in Vorfreude, wie Teenager, eben nur älter....
Ich darf dazu anmerken, dass unsere Babysitterin von den Fanta 4 noch nie etwas gehört hatte, falls wir uns bis zu diesem Zeitpunkt noch ein bisschen cool vorkamen, das war dann vorbei. Wir hätten wohl auch zum Fernsehgarten nach Mainz fahren können in den Augen dieser jungen Frau, nur, dass dort die Künstler wohl sogar etwas jünger sind als die Fantas, nur nicht so cool, *mit dem Fuß aufstampf* - ist eben so, dass die Künstler mit uns alt werden und die Kids dann die Köpfer darüber schütteln was wir Senioren für langweilige Musik hören. (Wir haben früher auch selten ein Depeche Mode Konzert verpasst, das sind jetzt auch alte Säcke und leider auch schon etwas durch Drogen und zu viel Erfolg ausgelutscht, die Fantas zum Glück nicht)
Unsere Angst, dass es sicher regnen würde und wir uns wahrscheinlich in unserem Alter bei so einer Aktion wohl den Tod holen würden war unbegründet.
(Das sagt die Frau, die 1987 in Mannheim beim Genesis Open Air bei Dauerregen stand, das komplette Gelände war eine Schlammsuhle geworden und man stand mehr als knöcheltief in der braunen Soße.)
An einem der heißesten Tage des Sommers 2015 machten wir uns auf den Weg zum Anleger und waren gespannt, aufgeregt, voller Schmetterlinge im Bauch.
So ein geniales Boot hätten wir dann nicht erwartet, kennen wir die Schiffe der Köln/Düsseldorfer und zum Teil haben die Kähne nicht mal eine Klimaanlage und die Touristen werden im Inneren dampfgegart.
Man hätte auch unten an nobel eingedeckten Tischen sitzen können, doch ein bisschen OpenAirfeeling wollten wir ja doch haben.
Es dauerte natürlich bis wir ablegten und so lange hatten wir Sicht auf den Mainzer Dom, Sonne satt von oben und Softdrinks oder Bier bis zum abwinken.
Diese Getränke Flatrate war wirklich Gold wert und alleine dadurch hatte sich der Aufpreis zum herkömmlichen Ticket gelohnt.
Das Publikum auf dem Schiff war wirklich sehr gemischt, von jung bis ziemlich alt, also noch älter als wir oder die Fantas.
Die ganze Zeit konnten wir Würstchen vom Grill futtern, (ich mag aber keine weißen Bratwürste, *maul* - darf ja auch was geben was ich nicht so mag) doch es gab noch Lachsblätterteighäppchen, Hackfleischbällchen und Sate Spieße. Puhh uns ging es so richtig dekadent gut.
Fanta auf dem Fantakonzert fand ich passend
Endlich machte sich das Schiff langsam auf den Weg zur Nordmole wo sich schon einige Boote vor der Bühne in Position gebracht hatten, hmmm, die waren dann natürlich nicht so happy als wir ankamen und direkt vor der Bühne festmachten und die komplette Sicht nahmen.
Uns nahmen übrigens die Leute hinter der roten Absperrung die beste Sicht, wer die waren, keine Ahnung, sie hatten Bändchen um und wurden noch zuvorkommender bedient als wir, nur Fantafans waren die nicht und wohl auch recht international, hatte vielleicht das Hilten vor dem wir lagen als besonderes Schmankerl für die Gäste, oder was auch immer.
Die "Flotte" der kleinen Boote machte dann eben hinter uns fest wo sie von der Wasserschutzpolizei hin komplimentiert wurden.
Das Vorprogramm war Joris den dann wohl auch unsere Babysitterin kennt durch den Hit "Herz über Kopf" den Louisa immer begeistert mitsingt.
So richtig kam die Stimmung auf dem Schiff leider nicht rüber.
Bei allem Luxus den wir hatten und freie Sicht auf die Bühne, fehlte mir einfach dieses extreme Mitgehen. Was mich allerdings nicht daran hinderte auf meinem Stuhl zu stehen mit zu grölen (was man dann natürlich raushörte) und zu tanzen und einfach ab zu gehen.
Die Vorstellung bei fast 40 Grad zwischen diesen schwitzenden Menschen zu stehen die alle größer sind als ich (was bei 1,56 kein Wunder ist) machte das dann aber schnell wieder wett.
Als die Sonne dann chillig bei "Ein Tag am Meer" unterging fühlte man sich einfach nur noch großartig.
Ich weiß nicht wie viel Cola, Fanta, usw durch mich durch gelaufen sind, oben rein, aus den Poren wieder raus, doch ich hatte nicht mal ein fitzelchen Sonnenbrand, ein Hoch auf das Sportsonnenspray vom großen A...
Das größte Highlight war übrigens, dass die Fantas tatsächlich nach ganz langer Zeit mal wieder "Die da" gespielt haben, das Lied mit dem eigentlich ihr Erfolg vor 26 Jahren begann.
Da verzeiht man auch, dass es bei der Hitze keine Zugabe gab, oder gibt es so etwas heute nicht mehr bei Konzerten, wir können da ja nicht mehr wirklich mitreden.
Wieder am Rheinufer in der Stadt angekommen warfen wir einen Blick zurück auf unser Schiff über dem gerade der Vollmond aufging und machten uns auf den Heimweg um die Oma zu erlösen.
Viel zu selten sind diese Momente geworden in denen man einfach mal loslassen kann, ob dies nun an den Kindern liegt, oder weil wir einfach richtige Couchpotatoes geworden sind? Wahrscheinlich liegt es an beidem.
Hier könnt ihr übrigens in ein paar verwackelte Bilder vom Konzert anschauen
Erstaunlich, da muss so eine blöde Autobahnbrücke ihren Geist aufgeben, dass Jolina mal Zug fahren darf.
Nun ja, eigentlich liebäugele ich ja schon recht lange damit unsere wöchentliche Fahrt nach Mainz mit dem Zug zu machen, doch immer wieder gab es Dinge die dagegen sprachen.
Als Jolina kleiner war, da war es mir sehr wichtig, dass sie auf der Hinfahrt nochmal gut eine halbe Stunde schlief um erholt im PEp an zu kommen und dort richtig gut aufnahmebereit zu sein, denn eine PEp Unterrichtseinheit ist kein Spaziergang, das ist richtig Arbeit.
Ich befürchtete, dass sie im Zug nicht schlafen würde.
Dann war da der schreckliche Kreuznacher Bahnhof, keine Rolltreppen, kein Aufzug, ich hätte das mit dem Buggy alleine nicht geschafft. Nach gefühlt 10 Jahren Umbauzeit ist der Bahnhof jetzt barrierefrei aber heute setze ich Jolina auch nicht mehr in den Buggy, denn es ist recht wenig Platz um Buggys und Kinderwägen in den Unterrichtsräumen ab zu stellen.
Und der größte Punkt, der mich abhielt war die Bequemlichkeit und zusätzlich, dass ich ein Öffentliche-Verkehrsmittel-Depp bin. Auch als Kind bin ich selten Bus gefahren, denn wir wohnten in einem Kaff, da ging pro Tag 3 mal ein Bus hin und nicht unbedingt zu den Zeit, zu denen ich Schulschluss hatte. So saß ich mehr bei Mama im Auto, als im Bus.
Mein Herzschlag erhöht sich nur bei dem Gedanken auf die "Willkür" des Fahrplanes angewiesen zu sein und man hört so oft von Verspätungen, Streiks usw
Jetzt sprachen aber entschieden mehr Punkte für die Zugfahrt.
1. Zahlen wir noch nicht (aber nur noch 25 Tage, ich weiß, schön blöd)
2. Es ist wichtig, dass Jolina sich an die öffentlichen Verkehrsmittel gewöhnt, denn so weh der Gedanke tut, sie wird nie in der Lage sein ein Fahrzeug zu lenken, bzw sie wird es nicht dürfen.
3. Der Mainz/Wiesbadener Raum erlebt gerade den Supergau was Verkehr betrifft.
Hier in der Naheregion ist eine Reise auf die andere Rheinseite schon eine kleine Reise die man sich überlegt. So kostet mich ein Besuch bei einer Bekannten auf der hessischen Seite entweder rund 10 Euro für die Fähre oder hin und zurück 2 Stunden Umweg.
Im Krieg wurden die Brücken gesprengt und die fehlen. Zwischen Mainz und Koblenz gibt es nicht eine Brücke über den Rhein und eine dieser Mainzer Brücken ist jetzt so marode, dass sie gesperrt ist und der Verkehr inkl. LKWs müssen sich einen Weg suchen. An manchen Tagen war es unmöglich nach Mainz ein zu fahren. (An diesen Horrortagen war Jolina, in dem Fall zum Glück, jedoch krank)
Jolina fand Bahn fahren total spannend, nur das Warten auf dem Bahnsteig war gar nicht ihr Ding.
Mit großen Augen schaute sie sich im Zug um und fing auch gleich an die junge Frau uns gegenüber voll zu quatschen. Jolina kennt da ja nix. "Da gug!" Sie hielt ihr das Conny-Osterbuch so lange unter die Nase bis eine Reaktion kam. Da hilft auch kein zureden vom Mama das mal zu lassen oder Ablenkungsversuche.
Die junge Frau die sowieso schon Ohrstöpsel drinnen hatte und auf ihrem I-Phone spielte schloß verzweifelt die Augen und hatte somit als Schlafende ihre Ruhe vor Jolina.
Ich sehe das nicht als Problem mit Jolinas Behinderung von Seiten der Frau. Ich denke jedes Kind hätte sie in dem Moment etwas überfordert, denn die wenigsten jungen Mädels haben jetzt so ein Händchen für kleine Kinder und einen besonderen Draht. Haben sie doch noch viel zu viel mit sich selbst zu tun, ich glaube in dem Fall war es total egal ob Jolina Down Syndrom hat oder nicht.
Allerdings zeigt es wieder, dass Jolina keinen Unterschied mach zwischen "Kenne ich - Kenne ich nicht" sondern nur unter "Finde ich sympatisch - mag ich ja wohl gar nicht"
Diese teilweise Distanzlosigkeit mag ich nicht wirklich an meinem Kind, vielleicht weil ich ein Mensch bin der eine sehr hohen Intimdistanz hat (ich umarme nur sehr selten und finde oft auch einen Händedruck schon als unangenehm) Jolina, so empathisch sie auch ist, nimmt die feinen Signale der Menschen nicht wahr, ob sie jetzt die Grenze überschritten hat, was ich eigenartig finde, aber es macht sie auch wieder normal, denn gerade so "verkorkst" wie ich bin merke ich sehr oft, dass die wenigsten Menschen merken, dass sie meine Intimzone verletzen und ich mich extrem unwohl fühle.
Auf dem Rückweg zog mich Jolina richtig in den Bahnhof, obwohl ich ihr versicherte, wir hätten noch Zeit, doch sie wollte "Zug". Natürlich mussten wir warten, das muss das Autokind dann auch noch lernen, dass der Zug nicht fährt wenn sie da ist, sondern wenn es im Fahrplan steht (oder manchmal auch nicht)
Ich glaube nächste Woche fahren wir nochmal Zug, auch wenn es es uns recht viel Zeit kostet (nicht die Fahrt, die ist schneller als im Auto, aber das ganze drumrum)