Donnerstag, 7. November 2019

Inklusives Café in Mainz: Gasthof Grün


Heute ist es wirklich Zeit, dass ich euch den Gasthof Grün vorstelle.
Immerhin bin ich fast jeden Montag Nachmittag dort und damit unterstütze ich einen Inklusionsbetrieb.

Der Gasthof Grün liegt in der Mainzer Neustadt, aus Zufall stolpert man dort eher weniger hinein, doch wer es kennt, kommt immer wieder gerne.

Der Gast Hof Grün ist ein besonderer Ort in Mainz. Nicht nur wegen seines schönen, grünen Innenhofs mitten in der Stadt. Hier wird auch ein Stück soziale Verantwortung gelebt.

Die Gründungsidee

Der Gast Hof Grün ist eingebettet in ein generationenübergreifendes Wohnprojekt der Stadt Mainz. Ursprünglich als Bewohnercafé eingerichtet, entwickelte es sich zum beliebten Treffpunkt für Menschen aus der näheren und ferneren Umgebung. Zum Konzept gehören nach wie vor die Barrierefreiheit für Menschen mit körperlichen Einschränkungen und die inklusive Zusammensetzung unseres Teams.

Selbstbestimmung, Teilhabe und Wertschätzung

Im Team des Gast Hof Grün arbeiten – zusammen mit Fachkräften – psychisch erkrankte Menschen. Sie finden in Küche und Service eine Beschäftigung, die sich ihren individuellen Fähigkeiten und Stärken anpasst. So können sie am Arbeitsleben teilhaben und sich im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation nach den Berufsbildern Beikoch und Helfer im Gastgewerbe qualifizieren. Pädagogische Fachkräfte unterstützen sie dabei, eine berufliche Perspektive zu erarbeiten und sich auf eine Rückkehr auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Quelle: Gasthof Grün

Das Konzept, die Preise und die Nähe zum PEp haben uns vor einiger Zeit unser Stammlokal ein paar Straßen weiter aufgeben lassen und hier unser Wohlfühloase errichten lassen.


Auf den ersten Blick vermutet man hier gar kein Café und die Lage in einer ruhigen Straße der Neustadt bringt wenig Laufkundschaft. So können wir Mütter uns immer auf einen freien Tisch freuen und auch der Geräuschpegel ist nicht so hoch, wie in dem hippen In-Café in dem wir uns meist etwas ungemütlich zusammen gepfercht haben.

Hier kommen ältere Gäste und auch Mamas mit kleinen Kindern her und eben wir PEp-Mütter in wechselnder Besetzung, doch ich bin eigentlich immer am Start.


Den Mittagstisch habe ich noch nicht probiert, doch der muss auch sehr lecker sein.


Die Einrichtung ist gemütlich und die Servicekräfte sehr aufmerksam.
Es gibt auch Servicekräfte mit Down Syndrom, von denen einer immer Komplimente verteilt.

Immer wenn ich von den unterschiedlichen Downies&brownieS in den Niederlanden berichte, finden das viele schade, dass es das bei uns nicht gäbe.
Klar, diese Kette gibt es bei uns nicht, würde ich sofort hingehen, wenn die die typischen Sandwiches und Platten hätten, doch es gibt ähnliche Projekte, die leider kaum einer kennt.

Das Gasthaus Grün ist eines dieser Projekte.



An diesem Montag war ich erst mal alleine dort und deshalb konnte ich ein paar Bilder machen, sonst sind wir immer am plappern.

Es gibt ab 14:30 ganz köstliche Waffeln in der Winterzeit und da habe ich mir eine gegönnt als Linner, also spätes Mittagessen oder verfrühtes Abendessen, wie auch immer.
Wenn wir nach Mainz fahren ist ja der halbe Tag weg und da gibt es auch kein Mittagessen bei uns, da dafür keine Zeit ist.


Die Preise sind auch unschlagbar günstig, so kostet ein Cappuccino nur 2,50 und ist auch noch von einer lokalen Rösterei, biologisch angebaut und fair gehandelt.

Ich hoffe ihr schaut mal vorbei, wenn ihr in Mainz unterwegs seid, auch der Innenhof ist gemütlich und unser Sommerdomizil.



Wenn ihr Montags vorbei lauft, dann könnte es sein, dass ich am Fenster sitze und euch zu winke, wahrscheinlicher ist es aber, das ich mit den anderen Mamas ins Gespräch vertieft bin, denn wir haben ähnliche Sorgen, Nöte und Erfahrungen mit unseren gleichaltrigen Kindern, die nächstes Jahr mit der Grundschule fertig sind und wir alle etwas ratlos in die Zukunft blicken und von Inklusion träumen, sie aber wohl alle nicht weiterführen werden, wegen dieser schrecklichen Schulpolitik in ganz Deutschland, bei der nicht nur Kinder mit einer Behinderung hinten runter fallen.

Ein Ort wie der Gasthof Grün gibt dann wieder Hoffnung, denn Werkstatt ist nicht gleich Werkstatt, und hier werden sicher keine Schrauben sortiert, sondern Gäste glücklich gemacht.

Danke dafür

1 Kommentar:

  1. Wunderbarer Bericht!
    1 ähnliches Projekt gibt es in meiner Heimatstadt. Dort wird ein sehr kleines, aber feines Freibad v. Fachkräften + v. Menschen mit geistiger/seelischer/körperlicher Behinderung geführt.
    Meine Patentochter zum Beispiel ist seelisch behindert, hat aber einen hohen IQ.
    Nützt ihr aber nichts, denn d. deutsche Schulsystem hat sie durchs Raster fallen lassen + während der Grundschulzeit "sonderbeschult". Das war dann eine Mini-Schule mit 40 Schülern zwischen 6 + 18 Jahren (Grundschüler, Förderschulkinder, Hauptschüler, Realschüler, Gymnasialkandidaten, Legastheniker, Analphabeten, Dyskalkulie-Kandidaten) mit + ohne Migrationshintergrund + mit + ohne anerkanntem sonderpädagogischen Förderbedarf.
    Dort hat sie d. Grundschulabschluss mit 1,3 erworben, wäre prädestiniert fürs Gymnasium. Doch dies nimmt sie wegen d. seelischen Behinderung nicht.
    Nun ist sie seit ein paar Wochen mit einem Schulbegleiter auf einer Gemeinschaftsschule (leider ohne Oberstufe), d. damit warb, "kleine" Klassen (22 Schüler pro Klasse) zu haben + "Förderkindern" etc. jeglicher Coleur offen zu begegnen.
    Ihre seelische Behinderung ist etwas, d. man - wie alle Behinderungen - nicht einfach "wegtherapieren" kann.
    Wenn dann in d. Klasse mit 22 Kindern 3 einen anerkannten sonderpädagogischen Förderbedarf haben, 3 einen Schulbegleiter , 1 seelisch behindert ist, 5 aus nicht-deutschsprachigem Haushalt stammen, 2 Kinder an ihren Grundschulen massiv Mobbingopfer gewesen sind, 1 Kind Halbwaise + deshalb verhaltensauffällig ist
    + sich d. 22 Kinder auf Förderschul-, Hauptschul-, Realschul- + Gymnasialniveau verteilen, ist es für d. Lehrer eine absolute Herausforderung, JEDEM Kind gerecht zu werden.
    Jedenfalls kann ich deine Not mit Jolina absolut nachvollziehen.
    Die BRD hinkt gnadenlos in Sachen ECHTER Inklusion hinterher. Und sie wird dies auch in 20 Jahren nicht schaffen, da es nicht ernsthaft von allen, die etwas zu sagen + zu entscheiden haben, gewollt wird.
    Meine Patentochter steht jetzt jedenfalls kurz davor, wieder aussortiert zu werden, da Inklusion auch an der Gemeinschaftsschule nur ein Wort ist, das nicht in die Tat umgesetzt wird.
    Und so läuft sie akut Gefahr, als Kind, das in der 3. und 4. Klasse (!) in einer "Sonderschule" (die bis auf den letzten Platz ausgebucht ist, + für welche eine lange Warteliste besteht) auf Gymnasialniveau (!) beschult worden ist, auf eine "Sonderschule" abserviert zu werden, wo es "nur" die Möglichkeit gibt, Förder- oder Hauptschulabschluss zu erwerben.
    Förder- und Hauptschulabschluss werte ich damit keineswegs ab.
    Das Dilemma meiner Patentochter ist halt, dass sie an der Gemeinschaftsschule komplett unterfordert ist, weil dort Schulstoff durchgenommen wird, den sie in der 3. und 4. Klasse vermittelt bekommen hat.
    Wenn sie nun gezwungen wird, auf Förder- oder Hauptschulniveau (diese Abschlüsse bekommt man auch nicht geschenkt, dafür muss man auch viel leisten) beschult zu werden, sind das für sie wieder alles Wiederholungen + ihre seelische Behinderung wird offensichtlich (u. a. Verweigerung wegen Unterforderung).
    Es gibt in der BRD viel zu tun...!
    Warum aber schaffen es Länder wie Schweden, allen (!) Kindern gerecht zu werden...?
    Ich hoffe, ihr findet für Jolina einen Weg, d. allen gerecht wird, am meisten natürlich Jolina.
    Alles Gute für euch + nie d. Kampf aufgeben!

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