Dienstag, 19. November 2019

Alle wollen Influencer sein, wir sind lieber Inkluencer

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Also ich wundere mich ja immer noch über mich, warum mir die Wortschöpfung "Inkluencer" nicht eingefallen ist.
Eigentlich liegt es so nahe und es ist genau das was ich seit über 9,5 Jahren tue hier mit diesem Blog.

Wir nennen es Familienleben, doch im Prinzip ist es nichts anderes als gelebte Inklusion und ich zeig der Welt, oder den paar wenigen davon die es sehen wollen, wie es funktioniert.

Wer uns auf Instagram verfolgt, hat sicher schon diese coolen T-Shirts und ein paar dieser Bilder gesehen.

Ich zeige euch heute noch mehr Familien Chaos Bilder, die ich mit Selbstauslöser gemacht habe und ihr könnt mir glauben, ich bin dafür ziemlich oft die Treppe hoch und runter gerannt.

Auf dieser Treppe will ich schon ewig mal Bilder machen und jetzt musste es einfach sein, weil es wie Faust aufs Auge passt, denn all diese Begriffe auf den Stufen passen super zur Inklusion.

Ich frage mich, wieso hier nicht DER Instagram HotSpot der Stadt ist.



Die Aktion Mensch steckt übrigens hinter diesem Begriff #Inkluencer oder #Inkluencerin und von der Aktion Mensch wurden uns auch diese mega coolen T-Shirts überlassen.

Ich wurde schon ganz oft gefragt wo man diese T-Shirts kaufen könne, oder wie man da ran kommt.

Man kann diese nachhaltigen T-Shirts nur gewinnen, wenn du also eines von 750 Stück ergattern möchtetst, dann mach am besten mit bei der Fotoaktion und setze ein Zeichen für Toleranz, dort kannst du ein T-Shirt gewinnen.

Ich habe natürlich schon mitgemacht und werde ein Teil eines Gesamt-Pixel-Bildes für Inklusion sein, das unter anderem am 3.12., dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, in ganz Deutschland plakatiert wird.

Ich seh' mich schon davor stehen und unser Bild suchen. (Ich wieder...tztztz)


Leider sieht man das hier auf den Bildern im Nebel (und Schweinekälte übrigens) nicht.
In den Buchstaben des Aufdrucks wimmelt es von gezeichneten Figuren und die sind von Marian Mewes entworfen, einem jungen Künstler mit Down Syndrom, von dem ich schon ein T-Shirt für Jolina im Schrank habe.

Besser bekannt ist er gemeinsam mit seiner Schwester unter dem Bloggernamen "Not just down"

Ich ärgere mich ja immer, dass ich mir damals nicht nen coolen Namen ausgedacht habe, aber das mit dem Blog war ein Schnellschuss, ein inneres Bedürfnis, das einfach raus musste.
Ich wollte etwas weiterführen, das mir in den ersten Monaten mit Jolina so geholfen hat.
Ich suchte verzweifelt nach Normalität, die fand ich in anderen Blogs.

Gerade heute habe ich wieder mit einer jungen Mutter bei Instagram geschrieben, die bei der Geburt ihres Babys vor kurzem mit einem Chromosom extra überrascht wurde.
Ich kenne ihre Gedanken und ihre Frage hätte damals von mir kommen können.
"Hat sich euer Leben total geändert, oder nur ein bisschen?"

Ich kann das schwer beantworten, denn Leben ändert sich ständig, ein 2. Kind ändert das Leben immer, egal was es jetzt mit im Gepäck hat.
Unser Leben hat sich TOTAL zum Besseren geändert, weil wir eine wichtige Lektion gelernt haben.
Vielfalt in der Gesellschaft ist unser größter Gewinn.



Würde es mehr Inklusion geben, dann würden solche Ängste und Fragen, wie bei der jungen Mutter, gar nicht aufkommen, denn Inklusion ist, wenn man gar nicht mehr merkt, dass es Inkluision ist.
Bei uns stand lange ein Hocker im Bad, kennen viele mit KLeinkindern, da Jolina nicht so groß ist brauchte sie den noch bis vor kurzem zum Zähne putzen und Hände waschen.
Man könnte das jetzt hochstilisieren als Hilfsmittel zur Inklusion, dass auch ein etwas kleiner gewachsener Mensch am normalen Leben teilnehmen kann, wir nannten das aber einfach nur "Stühlchen" und dachten uns auch nichts dabei. Man findet Mittel und Wege in einer Familie, dass eben jeder gut ohne Hindernisse leben kann.

Es käme auch keiner auf die Idee zu behaupten, dass es Dank der Erfindung der Brille jetzt auch möglich ist als Mensch mit Kurzsichtigkeit Auto fahren zu können, was ein Gewinn für die Inklusion, Yippie!

Merkt ihr was? Inklusion ist es erst dann, wenn man es nicht mehr merkt.

Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind eine Gesellschaft die sich immer mehr vom Miteinander entfernt. Jeder glotzt nur noch auf sein Handy und achtet nicht mehr auf seine Mitmenschen, vielleicht übersieht man jemanden der Hilfe braucht, weil man sich gerade das neueste YouTube Video des angesagten Influencers reinzieht. Dabei könnte man selbst in dem Moment zum Inkluencer werden und vormachen, wie man jemandem hilft.

Das sind Dinge die unsere Gesellschaft mehr und mehr verlernt, weil jeder in seiner Blase sitzt und nicht raus kommt.
Früher lebte die Großfamilie zusammen, jeder bekam mit wie man anderen half, zB der Oma, die nicht mehr gut die Treppe hoch kam, oder dem Onkel, der fast nichts mehr sehen konnte, wurde die Zeitung vorgelesen.

Diese (Vor)Bilder fehlen in den Köpfen der meisten und wir sind soziale Wesen, wir lernen durch Nachahmung.
Deshalb ist Inklusion von Anfang an ja so ein großer Gewinn und zwar für die ganze Gesellschaft, das gemeinsame Erleben mit Menschen die eine Behinderung haben prägt unsere Wahrnehmung.
Was wir kennen, das macht uns keine Angst und verunsichert uns nicht.

Wenn ich mit einem Kind mit Down Syndrom schon zusammen im Sandkasten gespielt habe, dann werde ich mich daran erinnern, wenn ich als Erwachsener einem Menschen mit Trisomie 21 begegne und es wird normal für mich sein.

Deshalb bin ich so aktiv im Netz, deshalb zeige ich mein Kind, deshalb zeige ich Einblicke in unser stinknormales Leben.
Ich hoffe einfach, dass wer mir irgendwo schon mal in den sozialen Medien begegnet ist sich erinnert.

Ich möchte zeigen, dass es bei uns ist wie bei allen Familien, wir haben schmutzige Wäsche, wir streiten uns ab und zu, wir lachen über den größten Quatsch, wir fahren in Urlaub und machen Ausflüge und das alles ist gar nicht außergewöhnlich, denn wir sind eine normale Familie, nur, dass wir eben Inklusion leben ohne es überhaupt zu merken.



Manchmal sind die Bilder die besten, die so gar nicht beabsichtigt waren ;-)
Okay, ich bin wirklich ein hoffnungsloser Fall, ein echter Influencer hätte gesagt das mit den Köpfen war Absicht und wichtiger Teil der Bildgestaltung.
Das ist wohl der Unterschied, als Inkluencer zeige ich meine Schwächen, die auf der anderen Seite doch Stärken sind und wandle es einfach um.
Also ich finde dieses Bild cool, auch wenn es so nie gedacht war.

Es kann nicht jeder im Internet für eine Gesellschaft kämpfen, in der Intoleranz und Diskriminierung keinen Platz haben.

Aber eigentlich kann das jeder im Leben 1.0
Wir tun auch das und manchmal machen wir Menschen zu Inkluencern, ganz einfach im Umgang mit ihnen.
Wir halten den Steigbügel gerne für andere um es ihnen leichter zu machen, denn Unsicherheit etwas falsch zu machen führt oft dazu es gar nicht zu tun.




Das größte Problem bei der Inklusion ist jedoch die innere Haltung von vielen.
Man nimmt das Wort in den Mund und provoziert damit direkt eine Abwehrhaltung.
Viele verbinden Inklusion mit einer Beeinträchtigung des eigenen Lebens.
Lehrer/innen und Erzieher/innen haben Angst vor mehr Arbeit. Wobei ich aus eigener Erfahrung sage, dass man dann seine eigene Arbeitsweise dringend überdenken muss, denn ich kenne keinen Mensch der sich in eine Schablone pressen lässt und man mit allen gleich umgehen kann.

Wenn man seinem Herz erst mal sagt, dass alle Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben und ich mich denen einfach öffnen muss, dann gelingt auch Inklusion. Inklusion hat etwas mit Beziehung zu tun, wer das nicht möchte, sollte nicht mit Menschen arbeiten.
Bin ich jetzt zu direkt? Nein, ich glaube nicht.

Oft sagt man mir, ich sei so stark, es wäre so toll was ich tue.....
Ich bin weder stark noch toll noch besonders, das was ich mache kann jeder.

Keiner ist perfekt und dieser Drang nach Perfektion ist doch verrückt.

Ich habe lange überlegt ob ich diese Laterne wegretuschiere, mit meinen Programmen gar kein Problem, doch das blöde Ding steht da eben und erfüllt auch seinen Zweck. Ungeschickt, dass sie immer jemandem aus dem Kopf oder der Schulter wächst.

Wenn man im echten Leben dort steht, dann nimmt man diese Laterne aber gar nicht wahr, das Gehirn blendet sie als unwichtig aus, man sieht die Treppe und die Familie und nur auf dem Bild sieht man dann diese unschöne Laterne.
Ich habe dort so lange geknipst und durch den Sucher geschaut, versucht die Laterne etwas "verschwinden" zu lassen und mir sind die Graffitis an der Seite dann erst auf den Bildern aufgefallen.
Genau so läuft Inklusion, irgendwann blendet man die Unterschiede aus, weil sie nicht wichtig sind in dem Moment, sie stehen nicht im Fokus, obwohl sie da sind.


Ich freue mich, wenn du auch Inkluencer wirst und auch nur, wenn du bei der Bilderaktion mitmachst, oder meinen Beitrag mit gefällt mir anklickst, oder sogar teilst, oft ist es gar nicht so schwer wie man denkt, kann ich aus Erfahrung sagen.
Inklusion entsteht aus kleinen Schritten.

Am Ende sage ich der Aktion Mensch auch noch ein großes Danke, denn diese Inkluencer Aktion ist einfach großartig und Lobbyarbeit die dringend gebraucht wird, denn gemeinsam erreicht man mehr und so finden wir zusammen und können gehört werden.
Nicht umsonst bin ich so ein großer Fan der Aktion Mensch, dass sie bei mir im Blog auch schon lange ein eigenes Label hat, einfach so und die wissen davon nicht mal was, hihihi.


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