Samstag, 19. Oktober 2019

Buchtipp: Alle Behindert!


Als ich dieses Buch vor ein paar Tagen bei Instagram vorstellte schlug es ein wie eine Bombe.

Die meisten Reaktionen waren positiv und nicht wie bei facebook oder unter anderen Instaposts etwas angefressen.

Natürlich bin ich auch nicht mit jeder Kleinigkeit 100% einverstanden, doch wenn ich das möchte, müsste ich mein eigenes Buch schreiben, okay, ich schreibe meinen eigenen Blog und auch wenn ich das okay finde was ich schreibe, gibt es oft Stimmen, die das was ich schreibe nicht so gut finden und manche machen mich auch so richtig nieder, weil man denkt das Netz ist anonym, daher kann man hier auch nicht mehr ganz anonym kommentieren.

Es wird nichts geben das jedem gefällt und zum Glück ist das so, wie langweilig wäre die Welt.

Was ich sagen will ist, dass das Buch genial ist und witzig und mutig und immerhin wurden Eltern und Betroffene gefragt zu dem Buch

Alle Behindert!*

von Horst Klein und Monika Osberghaus


Wir haben auch ein ganz kleines bisschen an dem Buch mitgearbeitet.

Ich stelle einfach mal Jolinas Steckbrief hier rein und mache bunt was mit Anna übereinstimmt.


Vorname des Kindes (kann auch ausgedacht sein)
Jolina 

Behinderung
Down Syndrom

Spitz- oder Schimpfname für die Behinderung
keine

Mag gerne
Pommes, DVDs schauen, mit Papa kuscheln, die große Schwester, Brot NUR! mit gestrichenen Belagen 

Mag weniger
Hausaufgaben, Gemüse und Obst (bis auf Äpfel und Brokkoli) 

Wo kommt das her?
Das ist in jedem winzig kleinen Baustein des Körpers, da ist ein kleines Fitzelchen zu viel

Geht das wieder weg?
Nein, blaue Augen gehen auch nicht weg, denn es ist keine Krankheit, es ist einfach im Bauplan so vorgesehen, wie eine Haarfarbe oder Sommersprossen 

Wie oft kommt das vor?
Man sagt 50000 Menschen mit Down Syndrom leben in Deutschland und es könnten mehr sein


Wie gehe ich auf das Kind zu?
Ganz normal, vielleicht mit etwas mehr Geduld

Was lasse ich lieber?
Auslachen, zu vorsichtig sein 

Welchen Satz kann das Kind mittlerweile wirklich nicht mehr hören?
Hör auf zu schmatzen 

Wie und was kann ich mit ihm spielen?
Wie mit jedem anderen Kind, vielleicht wie mit einem etwas jüngeren Kind 

Was ist an der Behinderung einfach nur doof?
Dass Jolina für alles mehr Mühe braucht es zu lernen und immer und immer üben muss und manches wie Rechnen einfach gar nicht in den Kopf wollen 

Was sind die Vorteile?
Die Vorurteilslosigkeit und die Klarheit, Nein ist Nein und nicht vielleicht 

Lieblingssatz
Ich hab bald Geburtstag 


Raum für weitere Anmerkungen:
Jolina hat keinen Topfschnitt 😉
Jolina hat ganz lange Rapunzelhaare 



Natürlich wird hier mit Klischees gearbeitet, bei den anderen Kindern im Buch ja auch, sonst würde das Buch nicht so funktionieren wie es funktioniert und ich bin so unendlich froh, dass bei "Anna" nicht steht, dass sie ja sooo ein liebes Kind ist und sooooo süß.

Ich glaube nicht, dass man das Bild von Down Syndrom in der Gesellschaft verbessert, wenn man den Menschen mit Down Syndrom die Sonne aus dem A....llerwetesten scheinen lässt, sondern zeigt wie normal sie sind, so wie wir, mit schlechter Laune, nervigen Angewohnheiten und coolen Sprüchen.

So ein Kind kann ich viel eher akzeptieren und mögen, als ein Zauberwesen, das in den Himmel gelobt wird.

Ich finde es gut, dass das Buch zeigt, dass jeder eine Macke, Besonderheit, "Behinderung" hat und dass wir alle irgendwie bluna sind auf unsere Art und Weise.
Genau dieses Konzept kommt bei meinen Followern bei Insta super an, aber es gibt auch eine kritische Stimme und ich finde ich sollte hier auch mal die Meinung anderer mit meiner zusammen zeigen, damit das Bild (Buch) von allen Seiten betrachtet wird. Ich werde 2 Meinungen zitieren.

Edit 21.10.: Passage gelöscht auf Wunsch der Kommentatorin, 


aber hier ist auch eine positive Reaktion, die ich nicht vorenthalten möchte:

"Ich bin Fan dieses Buches. Besonders weil es keinen rundgelutschten, pseudosensiblen Schmus beinhaltet. Es haben echte Kinder, ihre Familien und Lebens-und Lernbegleiter*innen daran mitgearbeitet und das spürt man. ♥️ Mir wird es, seitdem ich damit arbeite, quasi täglich aus der Hand gerissen."beides Quelle: Insta

Vielleicht kommt einiges in den begrenzten Zeichen von Instagram nicht klar rüber, ich hätte noch so viel mehr schreiben können, deshalb finde ich ja auch bloggen so wichtig und kann durch die kurzen Texte bei Instagram, oder facebook nie ersetzt werden.

Also es gibt nicht nur negative Eigenschaften, die man als "Behinderung" in das Buch gemogelt hat, sondern einfach Merkmale, wie den Mitläufer, das sind doch die meisten, höchstens sie sind der Rüpel, oder die Tussi, der Essensnörgler, oder der Schüchterne.
Auch finde ich das Helikopterkind nicht negativ, sondern eher bemitleidenswert ;-)

Wichtig ist, dass sich jeder irgendwo in dem Buch findet und merkt, dass eigentlich alle zusammen gehören als Gemeinschaft, so wie sie zusammen in dem Buch stehen.

Klar arbeitet das Buch mit Schubladendenken, doch das wichtige für mich ist, dass die Schubladen gemeinsam in einem Schrank sind und somit merkt man, dass man trotz Unterschiede doch zusammen gehört.
Zudem werden auch Vorurteile aufgeweicht, denn der Rüpel ist ein Mädchen, warum sollen das auch immer Jungs sein?

In dem Buch geht es um Zugehörigkeit und nicht, dass wenn jeder "Behindert" ist keiner mehr Hilfe bräuchte, oder Pflegegrade usw.

Es gab auch die Aussage, dass man doch die Menschen mit Behinderung selbst fragen sollte und nicht immer die Eltern. Ja, das würde dann bei Menschen mit Down Syndrom bedeuten, dass man den kleinen Teil fragen kann, der wirklich super entwickelt ist, die anderen würden dann durchs Raster fallen.



Das Buch ist kein Lehrbuch, das Behinderungen beschreibt, sondern ein witziges Buch für Kinder, das genau deren Nerv und den Zeitgeist trifft indem es wie ein Freundebuch aufgebaut ist, keine langen(langweiligen) Texte hat und zudem coole Illustrationen.
Das Buch ist ein Kinderbuch und so sollte man es auch sehen

Es war mutig dieses Buch zu machen, weil es eben nicht, wie sagte meine Kommentatorin? Rund gelutscht ist, nicht an jeder Ecke political correct und auch den Spiegel vorhält, was natürlich nie angenehm ist.

Auch mit Humor kommt nicht jeder klar.
So könnte man sich auch beim "Kleinwuchs" aufregen über das Bild, bei dem der Eismann ruft "Eis für die Kleinen" alle Kinder rennen, überrennen den Kleinen der am Boden liegt und sagt "Mist"

Ich finde man darf auch über Behinderungen lachen, denn das ist tausendmal besser und befreiender als peinlich betreten zu schweigen.
Vor lauter Eiertanz um Begrifflichkeiten und der Angst etwas falsch zu sagen reden wir am Ende gar nicht mehr miteinander.
Behindert sein ist auch kein Wettstreit, wer denn jetzt am schlimmsten dran ist und wem die meiste Hilfe zusteht. Man kann Behinderungen nicht miteinander vergleichen und damit sollten wir als erstes mal aufhören, jeder ist wie er ist und ist weder besser oder schlechter als der andere.

Im Buch gibt es allerdings doch einen kleinen Vergleich, das ist das Mitmachlevel, das mag ich persönlich nicht so, denn das ist individuell von der Person abhängig und wie gut die Inklusion klappt und nicht von der Behinderung. Stelle 10 Menschen mit Down Syndrom nebeneinander und es wird 10 unterschiedliche Ausschläge im Mitmachlevel geben, das hätte man sich besser ganz verkniffen, denn in der Urform war da noch eine viel "schlimmere" Idee der Einordnung.

Meines Erachtens gehört dieses Buch in jeden Kindergarten und jede Grundschule, weil es eben nicht schulmeisternd daher kommt.

Und noch was zum Topfschnitt und der Zunge beim Down Syndrom, na ja, es gibt ihn immer noch, auch auf den Köpfen von Kindern mit Down Syndrom und die Zunge ist bei uns auch ein Problem, ungeliebt, aber es ist da.

Das Buch wird natürlich in meine Bücherliste zum Thema Down Syndrom aufgenommen.

Was sagt eigentlich amazon zu dem Buch?

"Wer das liest, ist behindert! Ja, Sie auch! Dieses Buch macht Schluss mit dem verschwiemelten Einteilen in "Behindert" hier und "Nichtbehindert" dort. Es geht um uns alle: Anna hat das Down-Syndrom, Mareike ist hochbegabt. Julien ist der größte Angeber im weiten Erdenrund, Max ist Spastiker. Und während Sofie mit dem Rolli zur Eisdiele saust, gönnt Heidi sich nur einen Gurkenstick, denn sie ist vom Schlankheitswahn getrieben. 25 bekannte und beliebte Behinderungen inklusive Ihrer eigenen können Sie hier näher kennen lernen. Und wer dabei keine Miene verzieht, ist lachbehindert!
Für dieses Buch haben uns viele Kinder selbst von ihren Besonderheiten erzählt. So konnte gar kein Dogmatismus aufkommen. Das Ergebnis ist liebenswert authentisch und direkt."
Quelle Amazon

Heidi hat es übrigens wohl doch nicht ins Buch geschafft, ich kenne die Seite noch vom Entwurf, "Heidi" als Name und dazu eine sehr eindeutige Zeichnung fand ich dann auch schwierig in dem Zusammenhang, hihihi "Ich habe heute leider keine Seite für dich, liebe Heidi"


Kaufen könnt ihr das Buch im freundlichen Buchhandel um die Ecke oder über Nach hier: klick*
Mein Buch hat übrigens eine Widmung und wird bei mir in Ehren gehalten.


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Das Buch wurde mir als Belegexemplar überlassen,  dadurch wurde dieser Bericht nicht beeinflusst und ich schreibe wie gewohnt 100% meine Meinung