Donnerstag, 19. April 2018

Reisen im Naheland: Wanderung zum Disibodenberg - Auf den Spuren von Hildegard von Bingen


Heute möchte ich Euch mal einen Teil des Pilgerwanderweg Hildegard von Bingen vorstellen.

Der ganze Weg ist 137km lang, beginnt in Idar Oberstein und führt durch das wunderschöne Naheland, das ich in der Blogserie "Mein Naheland" vorstellen möchte.

Da weder ich, noch Jolina sehr trainiert sind werden wir diesen nicht erwandern, allerdings werden wir immer wieder Etappen hier vorstellen.

Hier also den Disibodenberg auf dem die heilige Hildegard lange lebte.




Wir parken unten beim Weingut von Racknitz, wo auch ein kleines Museum entstanden ist.
Der Berg gehört der Gräfin von Racknitz, die ihn einer Stiftung zugeführt hat.
Deshalb kann man auch nicht einfach dort hoch laufen, sondern sollte Eintritt zahlen.


Der Automat ist schon länger defekt, das Museum noch geschlossen, aber man kann am Drehkreuz Geld einwerfen, was wir dann auch tun. Über den Preis haben wir uns vorher schon informiert.


Wir wandern den steilen Weg nach oben, auf einer Weide am Wegesrand schlafen Schafe, die sind ja ganz schön verpennt.


 Nachdem ich einmal geknipst habe, heben die Tiere immerhin den Kopf.
Die gehen ihren Sonntag mal recht gemütlich an.


Der Pfad ist am besten mit festem Schuhwerk zu laufen, Sandalen sind eher ungeeignet, auch ist er nicht für Rollstühle, Kinderwagen, oder Rollator geeignet.
Mit Kindern macht der Weg durch den Wald jedoch richtig Spaß, Jolina rannte immer voraus und wir schnauften hinterher, es geht teilweise recht steil nach oben und wir sind ja nix gewöhnt, wir Couchpotatoes.


Mit Jolina nehmen wir dann eher mal nicht den Weg der Stille, hüstel.


Sie sammelt Stöcke und Steine und findet an jeder Ecke etwas spannendes. Ihr Jubeln schallt durch den Wald, zum Glück sind wir die Ersten hier auf dem Berg und noch keine Pilger oder Wanderer hier, die etwas Ruhe und Meditation schen.


Ich überlege mir, wer über diese Steine wohl schon alles den Berg hoch gelaufen ist. Die heilige Hildegard auf jeden Fall und diese Gedanken sind schon beeindruckend, auch für jemanden wie mich mich, der nicht gläubig ist und früher mal protestantisch, also Heiligenverehrung für etwas höchst merkwürdiges hält, aber Menschen toll findet, die Beeindruckendes in der Geschichte geleistet haben, das ist eher mein Ding. Hildegard von Bingen hat so einiges geleistet. Eine echte Allrounderin und Querdenkerin.


Durch die Bäume sehen wir schon die Mauern der Ruine aufragen, davon werde ich aber in einem extra Blogpost erzählen.


Die Steine zeigen was das Kloster nach der Reformation war, ein Steinbruch.
Das schmerzt mich im Herzen, ob gläubig oder nicht, ein Kloster und eine Kirche einfach abreißen und aus den Steinen Häuser zu bauen, das fühlt sich ein fach total falsch an.


Bevor man zu der Ruine kommt, liegt die neue ökumenische Hildegardis Kapelle, gebaut 1998, in der einmal im Monat Gottesdienste abgehalten werden.




Der Bau ist modern und schlicht, womit er punktet sind die Fenster.
Die sind nicht bunt, oder sehr kunstvoll, sondern, das was man sieht ist wunderschön.


Im Halbkreis sitzt man um den Altar und kann den Blick ins Glan- und Nahetal schweifen lassen.


Hier seht ihr den Blick neben der Kapelle, einfach wunderschön.
Durch diese Dörfer bin ich über 10 Jahre zur Arbeit gefahren.


Hildegard wurde am 10.5.2012 vom Papst heilig gesprochen

"Doch neben ihrer Bedeutung für den Glauben hat Hildegard von Bingen auch Großes für die Medizin geleistet. Sie trug das Wissen ihrer Zeit über die Entstehung und Behandlung von Krankheiten zusammen. Hildegard von Bingen stellte als eine der Ersten Regeln für das auf, was wir heute „ganzheitliche Medizin“ nennen.
Bei der Behandlung von Krankheiten setzte sie auf ausgewogene Ernährung, die Wirkung von Heilpflanzen sowie auf Schröpfen, Fasten und Schwitzbäder. Vieles davon finden wir heute noch – oder inzwischen wieder – in der Medizin.
So bezeichnete Hildegard von Bingen Dinkel als „das beste Getreide“, er mache „frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen“. Obwohl die Nonne nichts von Vitaminen und Proteinen wissen konnte, geben ihr Ernährungsexperten heute recht: Dinkel ist das beste Getreide.
Er enthält die meisten Vitamine und Eiweiße, seine Ballaststoffe sättigen lange und regulieren die Verdauung. Und die Mineralstoffe in den Körnern helfen beim Aufbau von gesunden Nerven- und Gehirnzellen. Gut, dass es heute in jedem Reformhaus und gut sortierten Supermarkt Brot, Nudeln, Kekse und Müsli mit Dinkel gibt. Probieren Sie es doch mal aus.
Hildegard von Bingen hat uns aber noch viel mehr hinterlassen. Ihre Beschreibung von Heilpflanzen ist heute die Grundlage vieler Arznei- und Heilmittel. Über die Melisse etwa sagte die Nonne, dass sie die Kraft von 15 Kräutern in sich trage und das Herz glücklich mache. Bis heute ist Melissengeist (z. B. von Klosterfrau) ein bewährtes Mittel bei Erkältungen, Einschlafstörungen und nervösen Magen-Darm-Beschwerden oder bei Herz-Kreislauf-Schwäche.
Äußerlich wird er gern bei Muskelverspannungen angewendet. Die mittelalterliche Expertin erkannte auch schon früh die vitalisierende Wirkung pflanzlicher Bitterstoffe. Heute wird dieses Wissen genutzt, um etwa mit Artischocken oder Distel-Extrakten die Verdauung anzuregen. Entsprechende Mittel gibt es in der Apotheke.
Noch vieles gilt es aus Hildegard von Bingen Schatz der Klostermedizin wieder zuentdecken: die mit dem Ingwer verwandte Wurzel Galgant etwa oder die aus Südeuropa stammende Pflanze Ysop. Auch sie standen schon auf der Medikamenten-Liste der heilkundigen Nonne." Quelle


Von der Klosterpforte aus, oder dort wo sie früher einmal war kann man auf Odernheim und den Zusammenfluß von Glan und Nahe schauen.



Wir lassen uns viel Zeit bei der Besichtigung der Ruine und wandern nach ca. 1,5 Stunden wieder nach unten. Das geht gewaltig in die Knie.
Die Schafe lümmeln immer noch auf der Wiese rum.


Rechts unter uns liegt das Weingut von Racknitz und dahinter die Hügel des Nahelandes, die letzten Ausläufer des Hunsrücks.


Jolina hat der Ausflug super gut gefallen und so ist dieser Teil des Pilgerpfades auf jeden Fall auch etwas für Kinder, denn Wald und Ruinen sind doch schon fast ein Garant für gute Laune bei den lieben Kleinen, wandern oder spazieren gehen sind da die falschen Wörter.


Das Naheland bietet für jeden etwas, und wenn ihr richtig pilgern wollt, es gibt einige Lokale, die ein Hildegard-Vesper anbieten, nur mit den Zutaten, die es damals schon in der Region gab, die Kartoffel werdet ihr daher vergebens auf Hildegards Speisekarte suchen.



Unsere Ausflüge kann man auch immer wieder per Instastory fast live verfolgen.


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