Freitag, 27. Mai 2022

Zu viel Empörung nervt nur noch, oder warum hier keine Hirnpupse mehr erscheinen

 

Zu viel Empörung im Netz

Wer hier schon länger liest kennt vielleicht meine "Hirnpupse", das sind Gedanken die mir zu einem Thema, oder einer Aussage kommen und einfach raus müssen.

Oder sollte ich sagen "raus mussten."?

Es ist eigentlich nicht meine Art Leuten direkt über den Mund zu fahren, ertappe mich allerdings manchmal selbst dabei, wie ich wie wild auf die Tastatur hämmere und einen Kommentar bei Facebook kommentiere, weil ich denke: "Boahh, dem muss doch einer sagen, dass er ein unmögliche Einstellung hat!"

Die meiste Zeit schaffe ich es jedoch die Typen mit Nichtbeachtung zu bestrafen, oder noch besser, gar nicht in dieses schreckliche Sammelbecken an Stammtischparolen rein zu schauen.

Blöd nur, dass der weg zu meiner Facebookgruppe zum Thema Down-Syndrom über diese erste Seite führt und mir nicht nur Dinge angezeigt werden, die ich spannend finde, sondern auch das was meine "Freunde" kommentiert haben, meist finde ich das auch spannend, das ist ja das Problem, doch darunter tobt dann der Kommentar-Krieg und manchmal kann ich mich dem nicht entziehen, weil meine "Freunde" oft das geschrieben haben was ich denke und ich ihnen zur Seite springen möchte.

Meine Seite vernachlässige ich sträflich und kaum jemand sieht sie noch, denn so funktioniert nun mal der Algorithmus, sei aktiv, oder ich verbanne dich ins Off.

Ich füttere deshalb lieber meinen Instagram-Algorithmus, denn das ist durch meine Bubble und die andere Art der Gewichtung ein friedlicher Ort.
Natürlich bekomme ich dort mal einen Angriff von meinem stetigen Begleiter, ich nenne sie/ihn schon den "Blumenmann", weil die Profilnamen immer blumig sind und ich erkenne die Sprache, der Blumenmann war auch schon hier im Blog und deshalb ist kommentieren hier auch nicht mehr so leicht möglich.
Auch geraten durch die # seltsame Gestalten zu meinen Bildern, doch im Prinzip sehe ich sie als Futter für meinen Algorithmus und wenn sie niemand anderen dumm anpöbeln, lasse ich sie sich ein bisschen aufblasen, wie man kopfschüttelnd einem wütenden Kind zuschaut, dass gerade auf dem Boden liegt und strampelt und schreit. In der geistigen Entwicklung sehe ich solche Menschen oft auch auf diesem Stand, das hilft mir und ich stelle sie mir bildlich vor, oft sehr erbärmliche Gestalten in meiner Fantasie (Das kommt davon, wenn man anonym unterwegs ist, Ätsch).

Facebook war mal ein cooler Ort, doch dann hatten plötzlich auch Leute ein Smartphone, die da gar nicht hin passen.
Facebooknutzer wurden mit dem Netzwerk älter und hipp ist es längst nicht mehr.
Es ist der virtuelle Stammtisch von alten, unzufriedenen Rentnern und Ähnlichen geworden.
Man kennt die ja auch aus dem echten Leben und keiner mag sie und keiner hört ihnen wirklich zu.

Doch endlich haben sie eine Möglichkeit gefunden Menschen zu erreichen, die sie sonst nie getroffen hätten und motzen und nörgeln über alles, Corona war Wasser auf deren Mühlen und sie haben Menschen vergiftet.
Ich wünschte, manche Menschen hätten Internetverbot.

Um so öfter du etwas hörst um so mehr lernt dein Gehirn, bis es glaubt es ist normal und richtig gegen alles zu sein und den eigenen Sülz abzusetzen.

Ich möchte nicht dazu gehören, so bin ich nicht! 
Sind meine Hirnpupse nicht so ähnlich?
Ich will nicht so gesehen werden, als Nörglerin.


Wir sind eine Nation der Empörung.

Es wird wirklich alles bis aufs Kleinste seziert um sich über etwas Empören zu können.
Man hat wirklich Angst etwas zu sagen, weil es nur falsch sein kann, doch auch diesen Satz darf man nicht sagen, der löst extreme Empörung aus.

Man kann nicht in jedem Thema up to date sein.
Kaum einer ist noch bereit sein Gegenüber aufzuklären, oft wird sofort scharf geschossen mit der Begründung, man habe das schon so oft erklärt und man hat keine Lust mehr dazu. 

Ganz schön eingebildet, wenn sie wirklich glauben tatsächlich schon alle erreicht zu haben. 
Ich kläre jetzt seit genau 12 Jahren über das Down-Syndrom auf und hey, ich weiß, dass ich bisher nur einen winzigen Beitrag geleistet habe und noch einen langen Atem brauche. Ich würde nie sagen: "Dass habe ich schon so oft erklärt", ich erkläre es einfach nochmal und hoffe ich langweile die nicht, die es schon mal gehört haben.

Da nehme ich Eltern von Kindern mit Down-Syndrom von dieser Hybris nicht aus. Sobald in einem Artikel "Leidet am" benutzt wird beginnt der Shitstorm. Zudem hat die Wortherkunft gar nichts mit dem vermuteten Leid zu tun, na ja, egal.

Ich mag auch Aufklärung mit Augenrollen nicht.
Am 20.2.22 erfuhr ich mit großem Erstaunen, dass man Entwicklungsland nicht sagen darf/soll.
Ich hatte bei Instagram einen Artikel geschrieben, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung an Schulen ein Entwicklungsland ist.
Am Ende ging es in den Kommentaren weniger um die Digitalisierung, als um die Nutzung von "Entwicklungsland".

Für mich ist ein Entwicklungsland, ganz nach der Wortherkunft ein Land das sich noch in der Entwicklung befindet.
Für andere ist es rassistisch und kolonialistisch.

Ich zitiere mal: "Würde mir so sehr wünschen, Menschen würden den kolonialistischen Begriff "Entwicklungsland" nicht mehr nutzen. Es ist leider schlicht rassistisch... "Ein Merkmal für Entwicklungsländer ist, dass Eltern sich oft keine Schulbildung für ihre Kinder leisten können..." das ist so schlichweg falsch. Deutschland ist in keiner Hinsicht wirklich ein Entwicklungsland. Das ist eine sehr unglückliche Formulierung gegenüber allen, die wirklich in einem so genannten" Entwicklungsland" leben. Bitte hinterfrage solche Begrifflichkeiten in Zukunft, solche Aussagen reproduzieren Rassismus leider :(..."

Ich mag Gespräche auf Augenhöhe, in dem auch meine Zweifel und Gegenargumente gehört und überdacht werden, doch sobald jemand mit erhobenem Zeigefinger vor mir steht und mir aufzeigt, dass ich ja entweder gar keine Ahnung habe, oder bewusst andere verletze ist bei mir die Augenhöhe vorbei, und ganz ehrlich? Aus dem Alter bin ich echt raus in dem ich wie ein dummes Mädchen hingestellt werde.

Sprache ist Sprache und gibt nicht unbedingt die Einstellung des Sprechenden wieder.
Wenn ich aus Liebe zur Sprache nicht gendere heißt es noch lange nicht, dass ich ein Problem mit LGBTQIA+ hätte. 
Ich lebe mit einem Kind zusammen, welches undeutliche 3 Wortsätze spricht, oft rate ich was sie sagen will, Stimmung und Überzeugung deute ich aus ihrem Tonfall und Körperhaltung und nicht aus den Worten. 
Da es beim geschriebenen Wort nicht geht den Menschen zu lesen, versuche ich der Deutung der Absicht nur aus dem Text und nicht den einzelnen Worten zu erkennen.

Das ist auch der Grund, warum ich bei guten Gesprächen, eine über 80jährige nicht ins Wort falle und sage, dass man nicht mehr mongoloid sagt. Nicht immer passt Aufklärung und manchmal sollte man es einfach gut sein lassen, seine Meinung/Wissen/Überzeugung raus zu schreien. Manchmal passt es zu erklären warum man etwas nicht mehr sagt und manchmal verstört man damit mehr als man bewirkt.
Ein bisschen Feingefühl fehlt oft im zwischenmenschlichen Umgang.

So bin ich nicht, so will ich nicht sein.
Ist mein Hirnpups nicht so ähnlich?


Der Unterschied meiner Hirnpupse ist, dass ich sie niemals dort direkt abgesetzt habe wo sie entstanden sind.
Ich habe niemals direkt dem Auslöser eine verbale Watsche erteilt, sondern ich habe hier in meinem Wohnzimmer (dem Blog) vor mich hin genörgelt, ob das die erreicht hat, die ich gemeint habe bezweifle ich, doch das sollte auch nicht so sein, ich wollte eher Denkanstöße geben ohne allgemein gültige Wahrheiten zu verbreiten.

Am Ende schreibe ich ja nur meine Meinung und die muss nicht allgemeingültig sein und mir steht nicht zu andere ständig wie ein getroffener Hund anzubellen.

Ach so, ja, das ist auch oft passiert.
Es haben sich die falschen angesprochen gefühlt.
Doch am Ende ist es ja so, wenn sich jemand getroffen gefühlt hat, dann lag ich eventuell gar nicht so falsch, obwohl die Person gar nicht in meinem Kopf war beim schreiben.
Manche nehmen sich selbst auch zu wichtig und glauben jeder spricht von ihnen, ach ja, es ist nicht einfach mit den Menschen.

Heute hat man echt das Gefühl man sagt etwas und stolpert von einem Fettnäpfchen ins andere.
Natürlich kann man vor jedem Satz genau recherchieren, doch was bleibt dann noch übrig? Eine sachliche, unemotionale, langweilige Abhandlung.
Ich kenne solche Menschen, die beim sprechen wirklich jedes Wort überdenken. Ich bin dann immer hin und her gerissen zwischen: Beindruckt und Gelangweilt.

Vor einiger Zeit tauchte der Begriff Ableismus in meiner Blase auf.

Okay, erst mal musste ich recherchieren was das ist, wie muss es jetzt erst Leuten gehen die nicht aus dem Bereich Behinderung kommen?
Jedenfalls was ich am Anfang noch ganz gut fand wird inzwischen nach meinem Gefühl missbraucht und somit auch die Kraft des Wortes entleert.
Alles und jeder ist plötzlich ableistisch, man kann es nicht mehr richtig machen, auch ich als "nur" Mutter eines behinderten Kindes nicht, Menschen mit Behinderung, oder soll ich behinderte Menschen, oder Behinderte sagen? Jedenfalls Einzelne dieser Gruppe sprechen uns Eltern die Fähigkeit ab aufzuklären. Ich bin so unendlich müde. Es ist ein ständiger Eiertanz und einer fühlt sich immer auf den Schlips getreten.

Diese ganze Empörungskultur hat ganz viel mit Neid, eigenen Problemen und Unzufriedenheit zu tun.

Ich möchte nicht unzufrieden sein.
Ich habe beschlossen glücklich zu sein und zufrieden.


Ich entferne auch Menschen aus meinem Umfeld die mir durch ihre negative Art nicht gut tun.
Ich habe gerade am Anfang der Pandemie folgende Funktionen gelernt zu lieben:
Stumm schalten,
Entfernen,
Blockieren

Mag sein, dass mich auch einige stumm geschaltet haben, da ich das aber nicht merke, juckt es mich nicht.
Ich bin in einem Alter in dem ich gelassen über vielen Dingen stehe.

Und soll ich euch noch was als kleiner Exkurs sagen?
Die ganzen Motzgurken, Nörgler, Empörer und Besserwisser verderben uns unsere Vorfreude auf unser 9 Euro Ticket nicht.
Nur wer etwas ausprobiert kann wissen wie es ist und vielleicht sage ich nächstes Wochenende "Oh mein Gott, ich hätte es mir denken können" oder "Echt cool, endlich können wir mal ohne Reichtümer zu zahlen, das Auto stehen lassen und es wird ein cooler Sommer mit Tagesausflügen, weil wir uns Sommerurlaub echt nicht leisten können."

Ich verkneife mir meine Hirnpupse natürlich nicht in meinem Kopf, doch da bleiben sie, mit dem Wissen und der Überzeugung:

Empörung schadet mehr, als dass sie nützt.

In dem Sinne, seid zufrieden und glücklich und bietet den Nörglern keine Bühne indem ihr sie beachtet.

Und habe ich das jemals geschrieben? Ich glaube nicht.
Du darfst das sehr gerne (auch im bösen Facebook) teilen, wenn es dir gefallen hat, und wenn es dir nicht gefallen hat, dann geh nicht so hart mit mir ins Gericht, ich bin doch auch nur ein Mädchen das vor einem Laptop sitzt. (Frei nach "Anna Scott")


Edit: 


Natürlich kann man öffentliche Beiträge kommentieren, muss es aber auch nicht.
Ich kann ja auch auf der Straße zu einer Dame hingehen und ihr sagen, dass ich ihre Hose kacke finde, sie trägt sie ja öffentlich, kann es aber auch lassen.
Daher sagen Kommentare immer etwas über ihren Schreiber aus, oft das was ihnen gar nicht bewusst ist.

Ich weiß nicht wie ich es noch deutlicher machen soll

Frei nach dem Motto: Ich höre was du sagst, aber verstehe nicht was du meinst.

1 Kommentar:

  1. Sehr gut geschrieben 👍🏻 könnte von mir sein. Danke ☺️

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