Samstag, 14. Mai 2022

Buchtipp: Das Anders gehört zu mir

 

Buch DAS ANDERS GEHÖRT ZU MIR liegt in einer Wiese mit Gänseblümchen

Ich habe mich jedes mal gefreut, wenn ich Zeit fand um in diesem Buch weiter zu lesen. Am liebsten hätte ich es in einem Rutsch durchgelesen.

Es geht um

DAS ANDERS GEHÖRT ZU MIR

von Veronique Kouchev

Das Buch liest sich so leicht und flüssig wie ein Roman, der Spannungsbogen ist perfekt bis zur Diagnose gespannt. Als Leser fragt man sich tatsächlich, wieso da keiner schon früher drauf gekommen ist, dass Veronique Autistin ist.

Erschreckend sind die Berichte des Mobbings, es ist fast unerträglich was an Schulen inzwischen abgeht.

Ich muss gestehen in vielen Dingen finde ich mich bei Veronique wieder, es ist ein offenes Geheimnis, dass ich autistische Züge habe, allerdings habe ich ein Problem mit Zahlen, ich kann sie mir nicht merken (ja, ich bin Banker, na und?) Deshalb schlägt bei mir kein Autismustest an, doch ich selbst brauche auch keine Diagnose, keinen Stempel, da ich der Meinung bin, dass ich normal ticke und alle anderen ein bisschen merkwürdig sind.

Deshalb finde ich mich bei vielen, natürlich nicht allem, in der Autorin und was anderen evtl. schräg vorkommt, empfinde ich als total logisch und normal.

Da die Autorin natürlich über sich und ihren Asperger Autismus schreibt fehlt die Sicht der anderen die sie verletzt, gequält, oder einfach im Stich gelassen haben.

Ich bin immer wieder erstaunt wie wenige Menschen von Asperger Autismus gehört haben, das Interesse über den Tellerrand zu schauen ist leider nicht sehr ausgeprägt in unserer Gesellschaft.
Vielleicht hilft dieses Buch dabei etwas dazuzulernen.

Erschüttert hat mich übrigens eine Geschichte aus der Frauenklinik und ja, die wenigsten Frauenärzte möchten Patientinnen mit Behinderung. Deshalb war ich beim ersten Mal mit meiner Großen bei ihrer Ärztin und stellte ihr einfach auf den Kopf zu die Frage, ob sie Jolina auch betreuen möchte. Ich habe selten sich jemand so wie einen Aal winden sehen und Schubladenmeinungen auf den Tisch packen als Antwort.

Veronique, was uns am meisten verbindet ist der Gerechtigkeitssinn, beim Lesen des Buchs ist mir eine Szene von vor vielen Jahren bei einer Ärztin eingefallen, die aus dem Nichts heraus fragte, ob ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hätte? Ich weiß bis heute nicht warum sie mich das fragte, doch das war auch genau das Gespräch wo mir selbst aufgefallen ist, woher meine Klaustrophobie her kommt.

Ich glaube es leben viele Asperger-Autisten mitten unter uns, die wenigsten mit Diagnose, weil auch das Spektrum so groß ist. Mir hat eine Asperger-Autistin mal auf den kopf zu gesagt, dass auch ich Asperger hätte und klar, das kann sehr gut sein, doch im Gegensatz empfinde ich die anderen als ANDERS, evtl. weil meine Mutter ähnlich tickt wie ich und ich das als normaler empfinde wie das was andere als "normal" ansehen.
Es ist schwierig zu erwarten, dass andere so sind wie man selbst und das ist das größte problem auf das unsere Autorin gestoßen ist, die wenige Bereitschaft für Inklusion und Offenheit jemand zu nehmen wie er ist. 

Doch genug von mir, es geht um das Buch, das ich jedem ans Herz lege, weil es aufklärt, aufwühlt und trotzdem unterhaltsam ist.

Das sagt amazon:

Veronique Kouchev ging es so wie vielen anderen Mädchen mit Asperger: Dass mit ihr etwas nicht stimmte, bekam sie täglich zu spüren. Mobbing in der Schule war an der Tagesordnung, Veronique passte nicht rein, war einfach anders. Auch die Lehrer*innen waren verunsichert und unterstützten sie kaum.

Mit 17 endlich die Diagnose: Asperger-Autismus. "Für Veroniques Mutter bricht eine Welt zusammen, ihre Tochter ist erleichtert – das Rätselraten hat ein Ende. Doch es dauert, bis sie ihren Platz im Leben findet, immer wieder schlagen ihr Vorurteile und Stigmatisierungen entgegen. Eine Vermieterin wirft sie beispielsweise aus der Wohnung. Die Frau hatte einige Artikel über Autismus gelesen und nun Angst, ihre junge Mieterin würde das Haus in Brand setzen.

Aber Veronique entwickelt aus ihrer Situation heraus eine große Willenskraft: Sie ist heute in einer festen Beziehung mit einem »ganz normalen« Mann, studiert, jobbt nebenher und liebt das Leben. Die Studentin sprüht vor Energie und möchte anderen Betroffenen und ihren Angehörigen Mut machen. Und sie möchte zeigen, was hinter dem Asperger-Syndrom steckt und wie wir Betroffenen begegnen können, um ihnen das Leben zu erleichtern."


Das Buch bekommt man im freundlichen Buchhandel um die Ecke, oder kann es über Nacht hier bestellen*.



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