Dienstag, 7. Juni 2022

Dokumentationszentrum des Kriegsgefangenlagers Bretzenheim

 


Wenn man auf der Bundesstraße 48 oder auf dem Nahe-Radweg von Bad Kreuznach nach Bretzenheim fährt, kommt man am Mahnmal "Feld des Jammers" vorbei.

Es erinnert an das Kriegsgefangenenlager das sich hier von 1945 bis 1948 auf dem Gelände befand.

Zusätzlich gibt es innerhalb des Ortes von Bretzenheim eine Dokumentationsstelle.

Das Lager in Bretzenheim war eines der größten der Rheinwiesenlager und bestand am längsten von allen dieser Lager. 
Da es am Ende auch Durchgangslager war durchliefen 750.000 Kriegsgefangene dieses Lager.
Als wir vor nicht ganz 30 Jahren nach Bretzenheim zogen war das Lager das erste das die ältere Generation erwähnte. Ich war erstaunt, dass man den Ort kannte, wenn ich erzählte wo wir hinziehen, die Reaktionen zeigten mir damals, dass dieses Lager in den Köpfen einer ganzen Generation war und Bretzenheim viele leidvolle Erinnerungen hervor rief.


Die Dokumentationsstelle befindet sich zur Zeit noch im alten Amtshaus, das älteste noch bestehende Wohnhaus in Bretzenheim aus dem Jahr 1592.
Adresse: Große Straße 12, 55559 Bretzenheim



Bei einem Spaziergang durch Bretzenheim findet man erklärende Tafeln, wie diese.



Die Dokumentationsstelle befindet sich im 1. OG des alten Amtshauses, direkt neben dem Zimmer des Bürgermeisters. Direkt angebaut ist hier auch das Weinkulturzentrum.

Leider ist der Zugang nicht barrierefrei und erfolgt über die Wendeltreppe im Turm.
Es ist angedacht, dass die Dokumentationsstelle in den nächsten Jahren umzieht und vergrößert wird.






Inzwischen wird die Sammlung die 1985 von der Ortsgemeinde und Wolfgang Spitz eingerichtet wurde vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. betreut.
Einmal im Monat ist die Ausstellung geöffnet, man kann auch Termine vereinbaren.




Die Ausstellung verteilt sich über 2 Räume.
Wir wurden freundlich begrüßt und gefragt ob wir Zeit mitgebracht hätten, damit man uns einiges zeigen und erzählen könnte.

Es werden immer noch Zeitzeugen interviewt, damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, so konnte man uns einiges erzählen, was in der Ausstellung nicht zu sehen ist.
Die meisten Besucher waren vor Jahren noch selbst in dem Lager gewesen, heute sind es meist Angehörige die kommen.

Man bot uns sogar etwas zu trinken an und es war durch und durch ein angenehmes Gespräch in dem wir viel gelernt haben.



Der Mitarbeiter hatte viele Bilder für uns bereit, die im Original in der Ausstellung hängen, vergrößert und laminiert für uns zur Ansicht.
Etwas in Händen zu halten ist doch wieder anders, als es nur in einer Vitrine zu sehen, daher kann ich dieses Gespräch nur empfehlen, auch verstärken die Erzählungen den Eindruck nochmals.

Es ist merkwürdig dieser Blick auf die Weinberge aus der Sicht der Gefangenen zu sehen, den man selbst aus dem Wohnzimmer hat.
Unser Haus steht auf dem ehemaligen Lager.


Auf diesem Bild sieht man sehr schön, warum für das Mahnmal die Form der Dreiecke gewählt wurde.
Es stellt die wenigen Zelte dar, die die Gefangenen hatten. Die Löcher im Denkmal sind die Gruben, die die Gefangenen sich mit Händen, oder Löffeln in den Boden gegraben hatten, um etwas Schutz zu finden.
Wenn ich mal wieder versuche in unserem Garten mit dem Spaten umzugraben, und der Boden ist so hart und man kommt kaum in die Tiefe, denke ich jedes Mal an diese Gefangenen, die es ohne Spaten geschafft haben.


Es gibt ein Luftaufnahme vom Lager, die wir leider nicht gesehen haben, da steht Mann an Mann und das Lager ist voll. Es gab eine Phase da waren 110.000 Gefangene gleichzeitig hier in Bretzenheim im Lager und es gab weder Unterkünfte, Sanitäre Einrichtungen, noch Essen. Dadurch kommen auch die hohen Todeszahlen, die nur geschätzt sind.

Denn es wurde nur registriert wer das Lager lebend verlassen hat.



Besonders beeindruckend ist das Bildmaterial von damals und natürlich die Gegenstände.
In einer Vitrine befindet sich Kunsthandwerk, das von den Gefangenen hergestellt wurde.



Eingerichtet wurde das Lager von Amerikanern und aus Angst vor Untergrundkämpfern wurden alle gefangen genommen die eine Uniform trugen, auch Postboten, Feuerwehrmänner, Straßenbahnfahrer.
So kamen auch Frauen in das Lager, die hatten einen eigenen Bereich (Cage).



Noch steht das Haus der ehemaligen Lagerkommandatur, doch vor kurzem wurde es verkauft und wird wohl leider demnächst abgerissen. Mein Herz blutet dabei.










In der Ausstellung sind besonders Erinnerungen aus der französischen Zeit des Lagers.
Von hier aus gelangten die Gefangenen aus England oder Frankreich zurück in die Freiheit, konnten sich aber auch zur Arbeit in Frankreich verpflichten. Hier in Bretzenheim befand sich dann auch ein Rekrutierungsbüro der Fremdenlegion.



Der Besuch und das Gespräch sind kostenlos, doch Spenden sind gerne willkommen.

Wir können den Besuch sehr empfehlen, auch um zu verstehen, dass Krieg nicht vorbei ist, wenn er vorbei zu sein scheint und warum wir alles für Frieden tun müssen.
Leider werden die Rheinwiesenlager immer wieder für Aufmärsche und Glorifizierung von rechten Strömungen benutzt.
Die Bevölkerung stellt sich diesen Aufmärschen, die 2 mal im Jahr stattfinden entgegen und inzwischen ist die Gruppe der Aufmarschierer (so nenne ich sie mal) kleiner als die der Gegendemonstration.

Für uns hier in Bretzenheim ist es normal mit dem Lager und der Geschichte zu leben und es ist normal die Erinnerung und den Wert von Frieden aufrecht zu erhalten.

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