Hallo!
Ich
bins, Martina, die Mama von
Jolina.
Sonst bin ich ja
Jolinas Schreibelfe doch heute mach ich mich hier mal ganz frech breit und mir Luft.
Bevor Ihr jetzt aber vor lauter Angst schnell wegklickt zeige ich Euch, dass es heute auch ein kleines Erfolgserlebnis gab. Eine Christina die morgen ihren Weg nach Wales antreten wird.
Die
Knitterfalten sollten eigentlich weggebügelt werden, doch das ist Teil meines *
grrrrr*-Tages.
Louisa konnte die Finger nicht vom Bügelbrett lassen, so war ich huschig.

Kennt ihr auch diese Tage die so beschissen sind, dass man am liebsten nur wegrennen möchte?
Ja, auch bei uns gibt es die. Nein auch bei uns ist nicht immer alles lustig, beschwingt und mit einem Zwinkern.
Dabei fing alles noch voll Tatendrang und relativ guter Laune an. Nun ja, obwohl mich ein "Ich bin waa-aaach!" von Louisa aus dem Tiefschlaf riss.
Ja unsere Große steht nicht auf wenn sie wach ist, auch nicht um Mama und Papa im Schlafzimmer zu nerven, da könnte man ja wenigstens noch liegen bleiben. Nein sie schreit sich die Lunge aus dem Leib, und man kann es nur beenden wenn man den müden Hintern aus dem Bett schwingt.
A pro pos Hintern. Ich mache seit dem 1.1. Diät (schon lange vorgenommen) und ich bin noch bei den Tagen an denen der Stoffwechsel umgestellt werden muss und der Körper entgiftet. Oh ja, ich bin giftig. Steht auch im Buch, "es ist vollkommen normal, dass sie schlecht gelaunt sind..." bla bla bla. Ich will Schokolade, der Keller ist kurz nach Weihnachten voll davon, ebenso wie mit Wäschebergen, grrrrr.
Nun gut, ich hatte mir soooo viel vorgenommen für heute, gestern war ein guter Tag, die Weihnachtsdeko musste zum Teil weichen, ich war so stolz und heute sollte es weiter gehen. Sollte!!!
Christian meinte am Handy; "Es ist sauglatt, gehe besser später los in den Kindergarten, dann wirds besser."
Horror, Louisa später abgeben, später zurückkommen, weniger erledigt bekommen. Aaaaaber....
Genau es war schlimmer. Um etwas Zeit zu schinden also schnell mal ein Blick ins heißgeliebte facebook was die Lieben dort treiben, doch was musste ich lesen.
Kindergarten zu, erst ab 11.00 Uhr offen.
Was?
Klar, 11.00 Uhr, wer bringt sein Kind um 11:00 Uhr noch in den Kindergarten? Halbtageskinder? Um sie dann um 12:00 wieder abzuholen? Bestimmt!
Ganztageskinder, schon eher, aber wie sollte ich das hinbekommen? 11:00 ist Jolina platt, will erst essen und dann schlafen, das dauert ne halbe Stunde, vor 11:00 kann ich nicht anfangen und soll ich um 11:45 in der Kita stehen und mein Kind zum Essen abgeben? Hmmmm? Und dann stand heute auch noch Linsensuppe auf dem Plan. Louisa schlägt aus der Art, alle essen wir gerne mal Suppe und es wäre soooo praktisch, aber "Ich esse meine Suppe nicht - Nein meine Suppe ess ich nicht!"
Ich hätte Louisa auch Nachmittags bringen können. Um 14:00 in die Kita fahren und riskieren, dass Jolina dann wach wird und evtl. ne halbe Stunde brüllt oder ich rutsche aus und das Kind liegt alleine zu Hause, nöööö.
Also nix mit super was wegarbeiten statt dessen gabs die volle Dröhnung.
Ich sollte mal eine Strichliste beginnen wie oft Louisa pro Tag Mama sagt. Dieses atemlose, fordernde MAMA!? das ungeteilte Aufmerksamkeit will.
Ich bin im Keller an der Waschmaschine: MAMA!!!!!(so, dass man denkt einer blutet - nein, die CD war fertig!)
Ich bringe die Windel zum Müll: Mama? Mama? Wo bist Du. (Ich habs ihr vorher gesagt)
Ich muss nur mal Pipi: MAMA!!! Louisa stürmt rein und Jolina hinterher und zoppeln an mir rum. *stöhn*
Oft kommt Mama und ich frage schon genervt "Was??!!" dann gibt sie zu, dass Sie gar nicht weiß was sie mich fragen kann.
Das ist übrigens das Kind das wenn ich was aus dem Kindergarten oder so wissen will mir zu 98% eine Abfuhr erteilt, ich weiß nix was da abgeht.
Und zu diesem "Mama" kommt, dass eine Minute das Erdgeschoss zu verlassen oder eigentlich nur Jolina den Rücken zu zudrehen immer böse Überraschungen bedeutet.
Ja, klar, es sind ja soooo liebe Kinder, aaaaber sie sind auch besonders.
Jolina macht all das was manche Kinder auch machen, doch sie macht das Alles und zwar heute.
Meine Küche ist fast Fort Knox doch es gibt noch Sicherheitslücken.
Schubladen werden aufgerissen zugeknallt und Finger eingeklemmt,
Furnier wird von der Spülmaschine geknibbelt,
Sobald der Herd angeschaltet wird sind die Knöpfe nicht mehr versenkbar, Jolina schraubt daran rum,
Der Mülleimer steht um die Ecke im Flur, denn Jolina greift rein und futtert mit Begeisterung Kaffeepulver oder lutscht Schnupfentempos aus, bääähhh, genau!
Im Wohnzimmer hat sie heute:
Finger mal wieder in der Steckdose gehabt
meine Blumentöpfe als Sandkasten und Speisekammer benutzt
meine Bücher gefühlte 100mal aus dem Regal gerissen, heute sogar eine Seite rausgerissen, gestern einen Buchrücken gekillt.
Von der Stereoanlage, dem DVDPlayer und dem TV kann sie ihre Finger auch nicht lassen. Das Kassettenteil hat sie kurz vor Weihnachten gekillt, die Anlage ist ja auch noch kein Jahr alt und vorallem schwer zu bekommen wegen den Kassetten, doch Louisa liebt doch ihre Hörspiele....
Alles was die Vögel aus dem Käfig werfen, Federn, Pallets, Körner wird gefuttert
natürlich war sie an den Kugeln vom Weihnachtsbaum, die ja ab diesem Jahr aus Plastik sind
und musste bestimmt 20 mal vor einem Sturz von der Couch gerettet werden.
Es gibt Tage da ist das evtl. ganz genauso, doch heute bin ich dünnhäutig.
Der Weihnachtsstress, die Diät und einfach diese lange Durststrecke. Urlaub ist im September gebucht. 9 Monate durchhalten, 9 Monate lang Termine die meine Woche zukleistern.
Heute war mein letzter "freier" Tag. Morgen gehts wieder los 10:15 Uhr Ergotherapie.
Montag 10:00 Krankengymnastik, Dienstag 17:45 Louisas Schwimmkurs, Mittwoch 15:00 Ballett und Jolina muss mit, Donnerstag 9:30 Frühförderung in Mainz, 16:00 Louisa von den Musickids abholen, Freitag schließt sich der Kreis mit Ergotherapie.
Es ist okay wie es ist, nicht immer (so wie heute) doch es ist auszuhalten.
Was nicht auszuhalten ist, ist dass im Sommer eine Person vom MDK bei uns war und in 15 Minuten Gespräch (5 Minuten davon hat sie Jolina gesehen) zum Schluss kommt, dass Jolina kaum mehr Arbeit macht als ein "normales" Kind. Danke!
Die Beurteilung enthält erhebliche Fehler, wir haben zwei Widersprüche losgelassen, ein Pflegetagebuch geführt, auf Gerechtigkeit gehofft. 2 mal abgelehnt. Wir haben am Dienstag beschlossen nicht den Weg übers Sozialgericht zu gehen, die Wartezeiten sind zu lang und wir sind müde, müde um etwas zu kämpfen was uns eigentlich zusteht und das finanziell ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein ist.
Es sind diese Tage an denen es schwer fällt Jolinas Behinderung unter den Tisch fallen zu lassen, es sind diese Tage an denen es noch schwerer fällt eine bald Zweijährige herumzutragen weil sie immer noch nicht laufen kann wie andere Kinder in dem Alter. Es sind diese Tage an denen ich denke: "Werde ich meinem Kind je etwas vernünftig erklären können?"
Es sind diese Tage an denen ich an mein "altes" Leben denke, zwar ohne Kinder, aber voll mit Reisen, neuen Büchern und Abenteuern unter Wasser.
Ob ich tauschen möchte?
In der Regel nicht, auch nicht wenn man wegen der Diät nur an Schokolade und Süßes denken kann und dann die Tochter im Prinzessinnenkostüm zur "Zuckerfee" von Tchaikovskys "Nußknacker Suite" durchs Wohnzimmer wirbelt.

Morgen ists hier wieder lustiger, dann darf
Jolina wieder ran.
Doch ich wollte auch mal zeigen, dass es nicht immer so leicht ist wie es scheint und dass ich von einem Übermenschen meilenweit entfernt bin.
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Bussis gibts von mir keine sonst
fress´ ich Euch noch auf vor Hunger (angeblich soll man
keinen Hunger haben,
haha)
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Aber ihr bekommt ganz liebe Grüße von mir
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Danke fürs zuhören.
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Martina