Montag, 3. Januar 2022

Buchtipp: Lina die Entdeckerin

 


Heute möchte ich endlich fortfahren mit meiner Serie zur Pubertät bei Jugendlichen mit Down-Syndrom.

Auf der Suche zu geeigneten Aufklärungsbüchern bin ich über ein Buch für kleinere Kinder gestolpert, dass mir sehr geeignet scheint.

Lina, die Entdeckerin*

Du erinnerst dich sicher noch an das Buch "Unser Körper", das, da es aus den USA kommt komplett auf Geschlechtsteile verzichtet, da endet die Harnröhre im Nichts, wo doch sonst so Wert auf Diversität gelegt war, nur Geschlecht, das gab es da nicht und das Buch war dann für unsere Zwecke für die Tonne.

Dieses Buch ist genau das Gegenteil, ist allerdings wirklich nur geeignet um etwas über die Vulva zu lernen, natürlich dürfen das auch Jungs.

In Jolinas Workshop Pubertät bei PEp wurde es auch Vulva genannt, weil es richtig sei. Ich habe tatsächlich auch im Biounterricht gelernt, das alles sei die Scheide, aber egal, wichtig finde ich einen treffenden Namen und nicht "Blümchen, Muschi, Punani..." Diese Begriffe sind auf einer Seite des Buchs auch Thema.

Ich finde man sollte Dinge beim Namen nennen und eigentlich ist es schade, dass alle lachen, wenn ich erzähle, dass meine beiden ersten Katzen Muschi hießen, in den 70ern waren das Katzennamen und fertig.

Ich hätte mir als Heranwachsende solche Bücher, oder Bilder gewünscht, ja ich hatte die BRAVO, doch zur Aufklärung brauchte ich die nicht, ich hätte gerne gewusst wie das aussieht, denn ich bin ganz ehrlich, bis ich für Jolina ein Vulvamodell bestellte (da erzähle ich noch von) war mir nicht bewusst wie unterschiedlich das aussehen kann und nie so perfekt wie auf den Zeichnungen in Büchern.

Ich dachte immer bei mir wäre da etwas falsch und wunderte mich, warum mein Frauenarzt das nie angesprochen hatte. Mir war nicht bewusst, wie das wirklich aussieht außer bei mir.
So und jetzt bitte kein Kopfkino, ich bin 53 und ich sollte nicht in euren Köpfen sein.


Also, in diesem Buch wird kein Blatt vor den Mund genommen, leider teilweise in Reimen, okay, ich sehe darüber hinweg.
Die Zeichnungen sind sehr naturgetreu und auch in Übersichtszeichnungen beschriftet und erklärt.

Gut finde ich auch die Erklärungen wie und warum man sich auf der Toilette verhält oder sich wäscht.

Schräg finde ich allerdings als Lina in die Vulva hineingeht, das geht mir dann wieder zu weit und passt nicht zum Realismus des Buchs. Nein, kein Kind kann sein Köfferchen packen und in die Vulva hineinlaufen um mal zu schauen.

Auch Hygieneartikel sind ein kleines Thema und die Monatsblutung, aber eben nur am Rande, da es ja eigentlich für kleinere Kinder ist.

Ob ich das Buch einem Kindergartenkind empfehle? Das muss jeder selbst entscheiden. Wenn das Kind großes Interesse hat ja, sonst, nun ja. Doch für Mädchen wie Jolina, deren  Körper erwachsen wird, das Gemüt aber noch sehr kindlich ist passt es perfekt.

Aufklärung ist ein sensibles Thema und muss immer mit Gesprächen verbunden sein, sofern die Kinder das wollen, ein Buch kann ein guter Grund sein eine Unterhaltung zu führen, nie ein Ersatz.

Gerade bei Kindern mit einer geistigen Behinderung fehlt da ein wichtiger Ankerpunkt, die Gruppe der Gleichaltrigen mit denen man sich austauscht. Bei Jolina fehlt hier überhaupt die Möglichkeit eines Treffens und wenn, dann wäre es sprachlich auch schwierig. Wir Eltern müssen einen Part übernehmen, oder ausgleichen, der nicht für uns gedacht ist, das macht es so schwierig, wir sind nicht auf Augenhöhe.

Das sagt übrigens amazon über das Buch:
"Aufklärerisches Kinderbuch zur Normalisierung und Enttabuisierung von Vulva und Sexualität. Das Bilderbuch Lina, die Entdeckerin erzählt die Forschungsreise der neugierigen Lina, die ihren eigenen Körper entdeckt und bereist. Dabei wird die Vulva ins Rampenlicht gerückt – abseits von Unsicherheiten und Tabus. Lina weiß, dass ihr Geschlechtsorgan Vulva heißt – und nicht „dort unten“ oder „zwischen den Beinen“. Linas unterhaltsame Reise wird ergänzt durch informatives Wissen rund um Körperbehaarung und -hygiene, Nacktheit und Erwachsenwerden. Mit dem Buch möchten die Autor*innen einen Beitrag leisten, um einen selbstverständlichen Umgang mit den Geschlechtsorganen bei heranwachsenden Menschen zu fördern. Der achtsame und präzise Umgang mit Sprache schafft eine Basis für ein positives Körpergefühl; das wertfreie Benennen aller Körperteile ist von großer Bedeutung für die Selbstwahrnehmung und Selbstbestimmung der Kinder."

Bestellen kannst du es im freundlichen Buchhandel um die Ecke, oder hier über Nacht*.





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Das Buch wurde mir vom Autor zur Rezension überlassen, dadurch wurde dieser Bericht nicht beeinflusst und ich schreibe wie gewohnt 100% meine Meinung


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