Dienstag, 6. Oktober 2015

Ihr fragt - Jolinas Welt antwortet #3 "Bergpredigt"

Nach einer kleinen Pause komme ich zur Beantwortung der 3. Frage:

"Ich glaube Ihr seid katholisch. Was geht Dir durch den Kopf, wenn Du Zitate aus der Bergpredigt hörst ( " Jeder Baum der keine guten Früchte.....). Auch wenn ich klein p niemals so sehen würde, heißt es nicht, dass es andere nicht anders sehen. "


Ganz ehrlich? Ich musste es erst googeln, weil bis ich es in der Bibel gefunden hätte die bei uns irgendwo steht ....

Ich versuche ja möglichst wenig zu Religion öffentlich zu sagen, weder im Blog, noch irgendwo in den sozialen Netzwerken.
Zum einen bin ich der Meinung, dass Religion wirklich etwas ist das privat sein sollte und zum anderen ist gerade Religion etwas, das manchen sehr wichtig ist und ich möchte auch keinen verletzen oder etwas das ein wichtiger Teil des Lebens ist irgendwie verunglimpfen. Ich weiß auch nicht wie ich das beschreiben soll.

Okay, wir sind nicht katholisch und waren es auch nie. Gerade die die katholische Form des Christentums ist mir so fern und fremd wie kaum etwas sein könnte.

Wir, sowohl mein Mann als auch ich, waren früher mal evangelisch sind aber beide ausgetreten.
Mein Mann ist eher Agnostiker ich tendiere sehr stark zum Atheismus.

Was nicht heißt, dass ich nicht sehr stark werteorientiert bin. Ich bin da sogar ziemlich strikt in der Einforderung gewisser Werte, wie Rücksichtnahme, oder wenn es ums helfen geht und ich könnte noch vieles aufzählen, was ich finde, dass es auch zu einer aufgeklärten Gesellschaft gehört.
Die Religion, egal welche, ist vor allem das Aufstellen von Regeln um ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen. "Du sollst nicht töten!" finde ich ne tolle Regel, sollte man sich dran halten, ob Christ oder nicht.

"Kein Schweinefleisch essen" hatte bei der Aufstellung der Regel einen ganz wichtigen Hintergrund, denn in heißen Ländern, noch ohne Kühlschrank und Fleischbeschau kann Schweinefleisch sehr schnell krank machen. Was viele gar nicht wissen, schon die alten Ägypter lehnten dieses Fleisch ab.

Zum anderen ist Religion ganz wichtig um ein "Wir-Gefühl" zu schaffen, eine Gemeinschaft ist immer stärker als Einzelne. Da es heute viele Möglichkeiten der Gemeinschaften gibt (jetzt bitte nicht an facebookgruppen, oder die Gemeinschaft der Veganer denken ;-) ) ist Religion auch nicht mehr so wichtig für viele.

Ja, das war mal so mein grundlegender Abriss und jetzt zu der Frage.

Ich habe mir diese Bergpredigt mal durchgelesen und denke, dass ich diesen Widerspruch nicht verstehe. was denn jetzt? Schlechtes bringt Schlechtes hervor und muss im Keim erstickt werden, oder man sieht das Gute in jedem und ist barmherzig und selbst der schlechte Mensch kann zum Guten werden.... Häh? Vielleicht verstehe ich es als Nicht Glaubende auch einfach falsch.

Jedenfalls verletzt es mich nicht. Ich belächle solche biblisch gestützten Aussagen nur, egal in welche Richtung es geht. Vielleicht gibt es ja auch Leute die denken unsere Tochter sei die Strafe Gottes für unsere Ungläubigkeit.

Und einmal sagte jemand zu mir: "Der liebe Gott mach Jolina wieder ganz gesund." Also echt, wenn ich so etwas höre, dann bin ich froh nicht zu diesem Teil der Menschheit zu gehören, die tatsächlich glauben ein LIEBER Gott könne ein zusätzliches Chromosom weg...dingsen, und das in allen Körperzellen!

Zur Strafe kann ich nur sagen, dann hätte sich "Gott" auch ziemlich geirrt, denn nur weil ich jetzt nicht offiziell Kirchenmitglied bin, bekam dieser "Verein" mehr Manpower von mir, durch Hilfe im Spielkreis und ähnlichen Aktionen als von manch "gläubigem" Kirchenmitglied. Ausgetreten bin ich übrigens auch erst sehr spät, somit habe ich gut 20 Jahre brav meine Kirchensteuer abgeliefert und das war nicht wenig.

Da ich ein so streng logisch denkender Mensch bin ist Jolina nichts anderes als die Antwort der Natur darauf, dass eine recht alte Frau Mutter werden musste und da ist das Erbgut eben schon 40 Jahre gut durchgeschüttelt worden (die Eier der Frau werden schon im Uterus angelegt, somit schleppte ich Jolinas Erbinfos schon immer mit mir rum, und da kann ja mal was durcheinander kommen, oder?) das liegt nicht daran, dass ich ein schlechter Mensch bin, oder mal ein Glas Rotwein zuviel getrunken hatte.

Da ich mir so sicher bin, kann mich keine Behauptung aus der Bahn werfen, schon gar keine religiöse.

Und jetzt machen wir schnell das geheime Tagebuch wieder zu, schließen es ab und legen es ganz tief unten in die Schublade. Denn auch ohne Religion bin ich ein guter Mensch, ein barmherziger Mensch, ein unverbesserlicher Träumer, der an das Gute in den Menschen glaubt und Mutter eines Kindes, das eben ein Chromosom zu viel hat, aber deshalb weder besser noch schlechter ist als andere und das kann mir auch keine Religion einreden.