Wenn man den ersten Teil meiner Überschrift liest, dann denkt man: "Die schreibt einen herzzerreißenden Post über Kinder in der dritten Welt, die von Geburt an keine Chancen haben."
Wenn man den zweiten Teil liest wundert man sich vielleicht. Deshalb habe ich diesen Nachsatz dazu gesetzt, denn ich möchte, dass diesen Post viele Menschen lesen, ganz viele, denn es ist wichtig und es geht nicht um Kinder in sozialen Brennpunkten, nicht um Babys, die in die falsche Familie geboren werden und dort kaum Chancen für einen gesellschaftlichen Aufstieg haben.
Es geht hier um mein Kind, es geht um Jolina.
Und es geht um viele andere Menschen, die entweder wie meine Tochter mit einer Behinderung geboren wurden, oder die diese im Laufe ihres Lebens mitbekommen haben.
Eigentlich geht es um uns alle. Denn wer sagt uns, dass wir morgen nicht durch einen Unfall oder Krankheit in einer Situation sind und ab sofort auf Hilfe angewiesen sind?
Jolina hat kein Sparkonto, auch musste ich der Oma leider absagen, die für Jolina wie für ihre große Schwester einen Sparvertrag anlegen wollte.
Jolina darf und wird nach heutiger Gesetzeslage niemals Geld besitzen dürfen und falls sie heiratet ihr Partner auch nicht. Vielleicht ist "kein Geld" übertrieben, immerhin darf sie 2.600 € zusammensparen. (Das ist der Moment wo ihr entsetzt den Kopf schütteln solltet)
Dieser Zustand führt dazu, dass wir Jolina leider enterben müssen, denn würde sie nach unserem Tod erben, würde der Staat dieses Erbe sofort anziehen und Jolina hätte nichts davon, rein gar nichts.
Wir sind nicht reich, nein, aber wir sind auch nicht arm. Ich würde uns als gehobenen Mittelstand bezeichnen, oder wie sagt man so nett "Bildungsbürgertum", wobei, was hat Bildung mit Wohlstand zu tun? Auch mit abgeschlossenen Studium, kann man am Ende Taxi fahren.
Jedenfalls geht es uns nicht schlecht und wir können unseren Töchtern einige Wünsche erfüllen. Ballettstunden, Mitgliedschaft im Turnverein und hier und da ein kleines Extra.
Zusätzlich leisten wir uns einen ganz extremen Luxus, ich gehe nicht arbeiten, dessen bin ich mir durchaus bewusst und dafür fahre ich auch gerne ein 14 Jahre altes Auto und gebe zu, dass wir uns mit 4 Leuten keine Flugreise in den Ferien leisten können, das ist aber auch nicht lebensnotwendig, wenn Holland so schön ist.
Also Jolina hat ein Elternhaus in dem es ihr finanziell nicht schlecht geht und trotzdem sieht ihre Zukunft finanziell besch.....eiden aus.
Schuld daran ist, dass sie durch ihre Behinderung auf Hilfe angewiesen ist und auch den Rest ihres Lebens sein wird. "Zum Glück sind wir ein Sozialstaat", werdet ihr sagen, "bei uns wird keiner im Regen stehen gelassen." Stimmt, doch der Regenschirm, bleiben wir mal bei dem Bild, hat Löcher, sehr große Löcher.
Da die Inanspruchnahme einer persönlichen Assistenz, ohne die die meisten Menschen mit Behinderung nicht (über-)leben könnten, unter die Sozialhilfe fällt, gelten für diese auch die entsprechenden Regelungen.
Jetzt sind diese Sozialhilfegesetze aber für ganz andere Situationen gemacht und ich finde es auch richtig, dass man in einer kurzfristigen Notsituation auch mal an die Rücklagen gehen soll, dafür hat man sie ja.
Nur ist Behinderung eher nicht kurzfristig, auch weniger langfristig, sondern einfach dauerhaft.
Ist bei Jolina mit ihrer geistigen Behinderung die Sache für viele noch klar und auf den ersten Blick wenig dramatisch, denn was soll dieses Kind später mal verdienen? Studieren wird sie nicht und eine Arbeitsstelle auf dem freien Arbeitsmarkt, ein schöner Wunsch, der vielleicht in Erfüllung geht, doch sicher keinen Spitzenverdienst einbringen wird.
Jetzt aber mal der Fall wir sterben, so bald haben wir das nicht vor, doch als Menschen die ihre Lebensmitte überschritten haben ist man sich schon bewusst, dass man nicht mehr ewig da sein kann.
Also wir sterben und würden Jolina etwas hinterlassen, nur dass sie ab und zu mal in Urlaub fahren kann, oder sich mal was Schönes zum anziehen kaufen kann, denn egal was sie verdienen wird, das wird nicht viel sein, doch sie darf dieses Geld nicht behalten und das was wir zu Lebzeiten gespart haben und nicht sinnlos verprasst und verlebt haben, wird der Staat sich nehmen. (Hier gibt es übrigens eine Hintertür, die wir demnächst endlich mal öffnen müssen)
Ein anderer Fall liegt aber vor, wenn jemand zB auf Grund einer körperlichen Behinderung Hilfe benötigt, trotzdem aber einen anspruchsvollen Beruf ausüben kann. Auch dann greift dieses Gesetz.
Diese Menschen verdienen zwar ihr Geld und zahlen auch brav ihre Steuern, nur dürfen sie nicht sparen, also auch ein eigenes Auto wäre Utopie, denn für 2600 Euro angespartes Guthaben bekommt man vielleicht ne Rostlaube, doch blöd, wenn man dann kein Geld für die bald nötigen Reparaturen zurück legen kann.
Haus kaufen? Vergiss es!
Altersvorsorge? Natürlich auch nicht
Heiraten? Da muss die Liebe wirklich groß sein.
Denn natürlich trifft dieses Gesetz auch den Ehepartner. Ich habe ja jetzt nicht wirklich die Illusion, dass irgendwann ein Prinz in goldener Rüstung, auf seinem weißen Ross daher galoppiert und Jolina zu seiner Königin macht, denn sollte sein zukünftiges Königreich innerhalb Deutschlands liegen, wäre er es ganz schnell los inkl. der goldenen Rüstung natürlich.
Wir Eltern von Kindern mit Behinderung machen uns viele Sorgen um die Zukunft unserer Kinder, doch diese Sorge müsste nicht sein, die könnte man uns recht einfach nehmen.
Tatsächlich gibt es sogar einen Gesetzesentwurf aber:
"Der Entwurf liegt nun auf dem Tisch. “Sehr ernüchternd”, “bin entsetzt”, “das Gesetz sei ein Schlag ins Gesicht behinderter Menschen” "
(Zitat
Artikel von Zeit online, sehr lesenswert)
Ich habe in letzter Zeit gefühlt 100 Petitionen zum Thema unterschrieben und man hat wieder das Gefühl es ändert sich nichts.
So lange die meisten gar nicht wissen welch wirklich menschenverachtende Gesetzgebung hier in Deutschland in diesem Fall vorliegt wird sich auch wenig ändern. Es muss ein Aufschrei durch die Bevölkerung gehen. Jedem dem ich die Tatsache erzähle schüttelt erstaunt den Kopf, denn das weiß man in der Regel nicht.
Schaut bitte in die
Petition hier rein und nehmt Euch Zeit für das Video mit Raul Krauthausen, dort wird viel besser erklärt was ich Euch eigentlich sagen möchte mit meinen wirren Sätzen.
Und bitte denkt daran, auch Euer Kind, oder ihr selbst könnt heute oder morgen Hilfe benötigen und dann habt ihr zu der Sorge um Eurer körperliches und geistiges Wohl auch noch die Sorge künftig arm zu sein und ein Besuch in der Pizzeria kann dann schon zum unbezahlbaren Luxus werden.
Down Syndrom kann schon ein Arschloch sein,
es sorgt bei Jolina dafür, dass sie sich so anstrengen muss um etwas zu lernen,
es sorgt bei Jolina dafür, dass sie auf Grund ihrer schlechten Bänder nicht Trampolin springen darf,
es sorgt bei Jolina dafür, dass Menschen sie ansehen und ihr nichts zutrauen,
es sorgt bei Jolina dafür, dass sie niemals ganz alleine leben kann,
es sorgt bei Jolina und allen anderen Menschen mit Behinderung, die auf Assistenz angewiesen sind, dafür, dass sie niemals auch nur einen minimalen Wohlstand erreichen dürfen.
Hahaha!"