Freitag, 9. September 2016

Ich bin NICHT behindert, ich Werde behindert

Dies ist der Name einer Aktion des Sozialverband Deutschland - NRW

Wer sich mehr über die Aktion anschauen möchte schaut einfach mal auf die Seite: klick

Aber Achtung, mein Text ist auch kritisch und ich stehe nicht voll hinter diesem Spruch



Wie ihr seht habe ich auch Jolina zum Botschafter gemacht.

Wobei ich sagen muss, wir wurden bisher wenig behindert, vielleicht weil wir in Rheinland Pfalz mit den Schulen schon etwas weiter sind, weil wir hier sehr bevorzugt wohnen als Vorort einer Kurstadt mit einer riesengroßen Diakonie und Lebenshilfe und dadurch einem sehr großen Behindertenanteil durch Wohnheime, betreutes Wohnen, verschiedene Werkstätten usw.

Der Weg der für uns relativ einfach war, kleine Hürden gibt es immer mal, ist für andere ein Riesenkampf, weil die Bundesländer jetzt erst anfangen behinderte Kinder in Schulen zu integrieren (inkludieren).

Natürlich wurden wir auch schon behindert, klar und manchmal tun wir das auch selbst. Jolina würde sehr gerne auch in einer Tanzgruppe tanzen, doch es muss einfach passen, man macht sich einfach mehr Gedanken, denn Jolina tickt eben anders (natürlich ist sie behindert, da kann ich der Kampagne nicht ganz zustimmen, sorry)
Jolina kann vieles nicht, weil sie auch körperlich eingeschränkt ist und wenn sie es täte es evtl. schlimme Folgen hätte. Ich will gar nicht zu dramatisch werden mit ihrer Halswirbelsäule.
Aber ihre Knie reichen schon. Es liegt nicht an den anderen, dass sie Jolina nicht mit aufs Trampolin lassen, wenn Jolina aufs Trampolin geht, dann springen zu 75% ihre Kniescheiben raus. Dies ist keine Behinderung von außen, sondern es ist einfach ihre eigene Behinderung die sie an diesem Spaß hindert, Punkt, warum sollte ich dann nicht sagen sie ist behindert?

Vielleicht würde mir der Spruch besser schmecken wenn er hieße: "Durch meine Behinderung werde ich noch mehr behindert" aber natürlich ist der lange nicht so ein provokanter Slogan.

Schlimm fand ich bisher nur und das zieht sich jetzt durch Jolinas ganzes soziales Leben, dass uns die Kiga-Leitung unseres Dorfkindergartens durch die Blume sagte, sie möchte Jolina nicht. In dem Satz kam auch vor "Ich weiß wir müssen ja, aber...." Ich möchte mein Kind niemandem anvertrauen, der sich nur gezwungen um es kümmert. Zusätzlich wäre das Chaos und die wenig straff organisierte Struktur auch Gift für Jolina gewesen, hatte ich ja schon ein Kind dort und kannte die Abläufe sehr genau, die absolut nicht auf Eltern- oder Kinderwünsche eingehen und sich als die Weisheit mit Löffeln gefressene Superpädagogin aufführte. (So wurde ich als Rotz und Wasser heulende Hochschwangere abgebürstet, ich wüsste nicht was gut für mein Kind ist und Eltern hätten kein Mitspracherecht, auch wenn wir das immer denken würden - meine Tochter wurde von ihrer besten Freundin getrennt mit der sie schon seit sie 1,5 ist immer zusammen hängt, wir Eltern hatten keine Chance, doch noch heute viele Jahre später hängen die zwei zusammen und sitzen auch jetzt im Gymnasium neben einander, nur die Trennung tat den beiden 2 Jahre lang weh und führte ständig zu Tränen und wird auch heute von den beiden immer noch thematisiert, wie gemein die im Kindergarten waren)

Dadurch dass Jolina nicht in den Dorfkindergarten ging, kennt sie hier keine Kinder, sie geht zwar zum Kinderturnen im Ort, doch da klüngeln die Kinder die sich kennen natürlich zusammen und diese Stunde bringt keine Freundschaften. Die Grundschule hier am Ort hätte Jolina mit offenen Armen empfangen (wir hatten nicht mal gefragt, es wurde uns angeboten), doch da sie hier keine Kinder kennt, wäre die Situation genau wie sie jetzt an der besser aufgestellten Schwerpunktschule ist.
Diese Ausgrenzung, die Jolina im Moment noch, wir hoffen auf Besserung, erfährt, rührt eigentlich daher, dass man sie im Kindergarten eigentlich nicht wollte, hier wurde sie behindert und es wirkt ganz schön lange nach.

Ich habe erst durch Jolina gelernt, dass man keine Scheu haben muss behinderten Menschen gegenüber zu treten, man kann sie tatsächlich ganz "normal" behandeln und bitte nicht wie rohe Eier, was wäre das für ein Gewinn für alle Kinder, wenn sie die Möglichkeit hätten diese Erfahrung schon im Kindergarten und der Schule zu machen.

Ich rufe den Regierungen der Länder zu: "Hört endlich auf nur kleine Einzelfallregelungen zu schaffen, schaut mal auf Rheinland Pfalz und seine Schwerpunktschulen, öffnet euch der Inklusion, stellt Lehrer ein und bildet Lehrer weiter, nur Kinder sind die Zukunft und der Fortschritt, sonst nichts"

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