Dienstag, 24. Mai 2016

Windeln, Wäsche und die unendliche Geschichte "trocken werden"

Ich bin ja mal ehrlich, als Jolina noch so ein ganz kleiner Hüpfer war und ich dann von Eltern mit älteren Kindern mit Down Syndrom hörte, dass deren Kinder noch Windeln tragen war ich mir sicher: "Unsere Tochter ist in dem Alter schon trocken!"

Joahhh, was soll ich sagen?
Das ist ungefähr so, wie die guten Ratschläge die man von kinderlosen Freunden zur Kindererziehung bekommt.
Erst mal hat man die Weisheit mit Löffeln gefressen und in der Theorie ist das alles doch gar kein Problem, aber dann .... kommt eben die blöde Realität ins Spiel.

Insgeheim schäme ich mich ein bisschen über meine Überheblichkeit damals.
Haha, ich bin doch Supermama, auch ohne Umhang und Heldenmaske.

Also letztendlich ist Jolina jetzt 7 Jahre alt und trägt noch Windeln, na ja, meistens, denn wir haben mal wieder mit "Sauberkeitserziehung" begonnen. Ich finde das ist ein schreckliches Wort, aber gut, heißt halt so.


Es ist nicht unser erster Versuch, immer wieder haben wir abgebrochen, weil irgendwas dazwischen kam.
Manchmal denke ich, ich hätte dieses magische Zeitfenster verpasst von dem man immer spricht, doch gibt es das bei Kindern wie Jolina überhaupt?
Ich habe Jolina sobald sie sitzen konnte immer wieder aufs Töpfchen gesetzt, das fand sie auch gar nicht doof und durch loben, okay, ich hab mich immer fast vor Jubel überschlagen, soll man ja, hat sie sehr schnell gelernt die Blase zu entleeren, wenn es gewünscht war.
Das ist schon ganz lange so, Jolina kann einhalten, Jolina kann sogar richtig lange einhalten, was sie aber nicht kann ist sagen, dass sie mal muss.
Vielleicht merkt sie es auch nicht, keine Ahnung. Sie hat ja Probleme mit der eigenen Wahrnehmung, kann auch Schmerzen nicht zuordnen und benennen.

Im Kindergarten warten wir noch, bis es ein bisschen besseres Wetter ist, dann bekommen wir auch von dort wieder Unterstützung.

Wenn man Jolina auffordert, manchmal muss man sie auch zwingen, aufs Klo zu gehen, dann ist alles wunderbar.

Wir hatten auch schon in den unmöglichsten Situationen, dass Louisa mal musste (meist auf langen Autofahrten) und dann sagt Jolina, oft wenn wir wieder losgefahren sind "Wille auch Klo!" aaahhhh, dann müssen wir dann echt sagen "Du hast doch Windeln an, es geht jetzt gerade nicht" echt blöd, ich glaube das kennt jeder.

Es gibt Tage, da klappt es richtig gut und es gibt Tage, wie am Samstag, da nimmt zwar der Windelstapel nicht ab, aber der Wäscheberg zu.
Ständig waren die Hosen nass und dann auch noch das andere Geschäft, was natürlich besonders "Freude" macht.
Sie sagt dann zwar immer "Ohh, Mama/Papa nass!" aber die Einsicht ist noch nicht da.
Wir hoffen einfach, dass wir es diesen Sommer schaffen, denn Windelgröße 6 wird langsam zu klein und danach gibt es so schrecklich großen Dinger, örgs.


am Samstag haben wir mal die alte Hollywoodschaukel zweckentfremdet


Für alle die sich jetzt fragen was das für eine schicke Windel vom ersten Bild ist.
Nein, die bekommen wir nicht von der Krankenkasse*. Die sind von Lillydoo und ich habe die beim Elternbloggertreffen Rhein/Main in meiner Goodiebag gehabt und durfte mir sogar ein Päckchen in Größe 6 zusätzlich mitnehmen. Ich wollte ja austauschen, doch nein, ich sollte sie zusätzlich mitnehmen und deshalb dürft ihr Euch freuen, denn die Windeln in Größe 4 gehen in die große Geburtstagsverlosung am 30.5.



Die Windeln von LILLYDOO sind frei von Stoffen die unsere Haut nicht mag, ohne Tierversuche und vegan, ohne Parfüme, ohne Chlor, ohne Parabene und und und, also eigentlich total öko.
Aber sie sehen gar nicht öko aus, im Gegenteil, sie sind so toll im Design und die Pusteblumen auf Jolinas Windeln sind auch eher tauglich für ein großes Mädchen wie der Tiger der immer von Jolinas Krankenkassenwindel grinst und zwar Vorne und Hinten.
Die Lillydoo Windeln gibt es im Moment in 3 Designs die man wählen kann.
Wir waren beim Jolina-Test sehr zufrieden.
Aber probiert es doch einfach selbst, oder versucht die Windeln Gr. 4 bei mir zu gewinnen.
Ihr könnt ja vorab schon mal den Blog, die facebookseite und Instagram abonnieren, denn dort werdet ihr überall mitmachen können.

Übrigens gibt es nicht nur Windeln, sondern auch Schnittmuster, Bücher, Stoff, Sachen fürs Baby....


*Wir bekommen Windeln von der Krankenkasse bezahlt. Bzw wir bekommen von einem Vertragshaus unserer Krankenkasse Windeln. Hierfür müssen wir pro Quartal ein Rezept vom Kinderarzt einreichen. Anrecht darauf haben Kinder über 3 die eine Pflegestufe haben und es eben ein Grund dafür vorliegt warum sie noch Windeln benötigen. Bei uns die Entwicklungsverzögerung.
Man könnte ja jetzt sagen, na ja es gibt auch "normale" Kinder in dem Alter die noch Windeln tragen, stimmt. Deshalb blocken da auch viele Krankenkassen und wir haben auch nicht gleich so früh beantragt. Jetzt geht die Schere aber richtig auf und wenn wir dann, ich hoffe ja immer noch, die nächste Größe brauchen, kann man dafür richtig Geld auf den Tisch legen. Daher bin ich der Krankenkasse sehr dankbar dafür.
Im Moment bleiben die Windeln eben liegen, juhu und wir verwenden auch noch alte Hochziehwindeln von Louisa, die zahlt die Kasse eben nicht bei uns.

Sonntag, 22. Mai 2016

Sonntagskino: Schönheits OP wegen Down Syndrom?

In meinem ersten Informationswahnsinn nach Jolinas Geburt habe ich unendlich viele Bücher und Broschüren gelesen. Irgendwo stand auch mal etwas, dass Eltern ihre Kinder operativ angleichen lassen, oder, dass sie die Zungen verkleinern lassen.

Ich laß dies, schüttelte innerlich den Kopf und legte es in die Gehirnschublade "Kannste vergessen"

Irgendwann wurde meine Mutter gefragt, ob Jolina schon operiert sei. Sie sagte darauf, dass Jolina keinen Herzfehler hat und keine OP braucht. Da antwortete das Gegenüber, das Jolina übrigens noch nie gesehen hat, nein, es ginge um die Gesichts OP.

Solche Aussagen machen sprachlos.
Klar dieser Mensch (übrigens Arzt) hat ein Bild im Kopf, das muss man erst mal ausradieren.
Wie könnte ich nur auf die Idee kommen meine wunderschöne Tochter einer solchen OP auszusetzen? Warum auch?

Würde ich jetzt in einem anderen Kulturkreis leben in dem der Druck von außen größer wäre, müsste ich jetzt für mich selbst auch Ausreden ausdenken, warum ich mich entschieden habe in Würde zu altern, mit Falten im Gesicht, die mein Leben gezeichnet hat. Einige viele davon gehen auf Jolinas Konto, na und, ich habe mir diese Lebenszeichen mit Mühe erkämpft, warum sollte ich sie tilgen lassen?

Was wir brauchen sind keine neuen Gesichter für Menschen mit Down Syndrom, sondern neue Bilder in den Köpfen der Menschen.

.... und übrigens, ich finde die meisten operierten alten Schachteln sehen schrecklich aus. Jugend kommt von innen und strahlt durch die Haut, da hilft kein bügeln, sondern sich die Jugendlichkeit einfach im Herzen bewahren und sprühen.

Jetzt seht euch aber den Film an und vielleicht schüttelt ihr auch ein bisschen den Kopf wie ich, aber hey, Julio ist schon ziemlich fit und hätte die OP nicht benötigt, aber egal, urteilt bitte selbst:

Samstag, 21. Mai 2016

Lesetipp: "Amandas unsichtbarer Freund" von A.F.Harrold

Da dies ein Familienblog ist, gehören natürlich auch Kinderbücher zu meinen Lesetipps am Samstag.

Heute tauchen wir also ab in die bunte Welt der Fantasie.

Die Fantasie und die Kraft der Gedanken ist meiner Meinung nach eine der größten Gaben die wir Menschen haben. Bei manchen ist sie leider nicht so ausgeprägt, oder ganz weit zurückgedrängt worden. Jede Erfindung war erst ein Gedanke, manchmal unglaublich und doch hat dieser wunderbare Gedanke dazu geführt etwas in der Realität zu schaffen was vorher nur imaginär war.

Das am 9.5.2016  bei Heyne>fliegt erschienene Buch nimmt uns mit in das Reich der Fantasie und einer der Bewohner dieses imaginären Reiches ist Hauptperson in dem Roman

Amandas unsichtbarer Freund



"Als Amanda Rudger in ihrem Kleiderschrank entdeckt, ist ihr sofort klar: Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft! Anders als Amandas Schulfreunde, die nie draußen spielen, um ihre ordentlichen Kleider nicht schmutzig zu machen, weicht Rudger fortan nicht von Amandas Seite. Einen herrlichen Sommer lang bauen sie ein Lager im Garten, jagen die Katze und erleben die wildesten Abenteuer. Rudger ist einfach perfekt – und dass nur Amanda ihn sehen kann, ist erst recht ein Vorteil, findet sie. Bis der geheimnisvolle Mr. Bunting auftaucht: Auch er kann Rugder offenbar sehen – und er führt irgendetwas Schreckliches im Schilde. Rudger hat furchtbare Angst vor ihm. Amanda ahnt, dass sie schnell herausfinden müssen, was Mr. Bunting verbirgt – und dass ihnen nur wenig Zeit dazu bleibt …"

Schon alleine das Cover der gebundenen Ausgabe ist durch und durch gelungen, zeigt es doch worum es geht, bunte erschaffene Welten gegen das Alltagsgrau.

Das Buch ist in kindgerechter Sprache geschrieben, aber auch für Erwachsene wie mich nicht zu simpel gehalten und extrem spannend.
Zur Unterstützung des geschriebenen Wortes kommen noch die Bilder, die immer an passender Stelle im Buch zu finden sind, falls die Fantasie des Lesers mal nicht ausreicht ;-)

Sehr gut hat mir gefallen, dass die Seiten im Moment eines Stromausfalles bei Gewitter schwarz mit weißer Schrift gestaltet sind, dies macht die Situation noch unheimlicher.

Und hier kommen wir schon zu dem Punkt "Unheimlich". Das Buch ist empfohlen für Leser ab 10 Jahre. Louisa ist genau 10 und ich habe im ersten Teil des Buches wirklich daran gezweifelt ob ich es ihr zum lesen gebe, denn auch mein Kind besitzt Fantasie und ich muss sehr darauf achten was sie liest, oder im TV schaut um keine schlaflosen Nächte zu haben.

Die extrem unheimlichen Szenen sind aber nur am Anfang des Buches, dann gibt es sich und ist nur noch spannend.

Wer hat sich auch schon Gedanken darüber gemacht was mit den imaginären Freunden passiert, wenn man nicht mehr an sie denkt, zB Erwachsen wird, oder vielleicht durch einen Unfall im Koma liegt.
Auf diese Fragen, die wir uns noch nie gestellt haben hat das Buch Antworten.

Wird Rudger den Kampf gegen das "Vergessen werden" gewinnen? Wer ist dieser Mr. Bunting? Spannend bleibt es auf jeden Fall und zwar ohne Durststrecke auf allen 270 Seiten. Ich konnte es kaum aus der Hand legen.

Und zu welcher Typ Mensch gehörst Du?
Zu denen die selbst genug Fantasie haben, oder zu denen deren Fantasie nicht ausreicht und sie sich der Fantasie anderer bedienen?

Ich gehöre eindeutig zur 1. Kategorie, wobei ich nie einen imaginären Freund hatte (nein ich habe ihn auch nicht vergessen), ich wollte immer selbst in andere Rollen schlüpfen und träumte mich in mein eigenes Fantasiereich, kann ich übrigens heute mit "hohem" Alter immer noch und vielleicht gibt es auch in dem Buch Erwachsene, die kurz wieder Zugang zu dieser wundervollen Welt erhalten Wer weiß.....




Donnerstag, 19. Mai 2016

Jumpsuits - Auch diesen Sommer ein Mode Must Have für Girls

Wenn man die aktuellen Kollektionen der Modehäuser durch schaut ist er immer noch da

Der Jumpsuit

Nähen kann man den auch schon seit 3 Jahren mit dem genialen Schnittmuster Isabell von Mariele.
Somit erzähle ich Euch eigentlich nichts Neues, nur Louisa brauchte neue Jumpsuits, denn sie ist aus ihren alten raus gewachsen und die sind in Jolinas Schrank gewandert.

Der Schnitt geht bis Größe 140, aber mit ein bisschen mehr Stoff hier und etwas anders da passt er auch dem großen Kind noch, das gerade 146 trägt.


Da hat sich doch glatt die Nachbarskatze mit aufs Bild gemogelt, der "Ildar" ist aber auch zu süß, aber er haart so heftig, dass selbst ich Katzenfreund und so gar nicht Putzteufel rum jammere. "Nein! Du darfst nicht bei uns rein, sonst ist wieder alles vollgehaart!" Und wenn mir das zu viel wird, heißt das was, schließlich hatten wir fast 20 Jahre einen Perserkater. Okay Perser haaren nicht, die fusseln, haha.


Aber jetzt zurück zum Jumpsuit.
Louisa hat mich  gezwungen beauftragt die Hosenbeine ja nicht zu kurz zu nähen.
Komisch, meist haben die Mädchen die es gar nicht nötig hätten die meisten Probleme mit ihrem Körper und andere die vielleicht besser etwas mehr bedecken würden, tragen viel zu knapp.


Natürlich sind die Farben gedeckt und solange schwarz dabei ist, findet Louisa es meist super.
(Allerdings gibt es ja Stimmen die sagen ich würde IMMER bunt nähen.... gar nicht wahr, gerade ich ja eben nicht)


Spring mal! Jump heißt ja springen.
Allerdings bin ich mit dem Hintergrund nicht so glücklich, aber wir wollten/mussten die Bilder schnell im Garten machen.
Blöder Schatten.



Ich denke das Wetter wird bald wieder besser, schließlich ist ja erst Mai und dann kann man auch wieder so ohne Jacke und Schuhe durch den Garten turnen.



Am besten schaut man gar nicht hin, wenn die Mädels auf den Schaukeln rum turnen, vor allem Louisa hat keine Angst und Jolina macht jeden Blödsinn nach, oder versucht es jedenfalls.


Der Jumpsuit wird aus Jersey genäht und ist dadurch schön dehnbar und gemütlich.




Ich habe übrigens auch einen in "bunt" genäht.
Dies war der erste Versuch und da habe ich etwas zu viel vergrößert, das war gar nicht nötig.
Somit wird dieser nicht gleich wieder zu klein und etwas lockerer geht doch auch.






Schnittmuster: Jumpsuit Isabell

(zur Zeit günstiger)
Stoffe: alle Swafing
genähte Größe: 140 + ein bisschen Zugabe
Model: Louisa
Fotos: ©JoLou


bisherige Posts zu Isabell:
Aprill 2013 Model Jolina
Juni 2013 Model Louisa








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Mittwoch, 18. Mai 2016

Kindergartenausflug nach Bingen am Rhein

Kennt Ihr das?
Manchmal möchte man gerne Mäuschen spielen und die lieben Kleinen beobachten in ihrem Alltag ohne uns.

Da Jolina nichts erzählen kann von ihrem Tag im Kindergarten fällt das nochmal schwerer, nicht dass Louisa mir jetzt viel erzählt hätte. "Wie war es heute?" "Gut!" mehr bekam ich da auch nicht zu hören, aber ich war einfach näher dran, beim hinbringen und abholen konnte ich immer ein Blick auf mein Kind werfen, das fehlt bei Jolina komplett.

Jetzt hatte ich aber die großartige Gelegenheit Jolina bei ihrem Kindergartenausflug mit den Vorschulkindern nach Bingen zu begleiten.

Und ich habe wieder viel über mein Kind gelernt und ein weiterer Stein, mit Beschriftung Schulzeit, rollte von meinem Herzen.




Meine erste Angst war schon, dass Jolina den Fußweg vom Kindergarten bis zum Bahnhof nicht schaffen würde. Läuft sie doch mit uns sehr ungerne, auch wenn wir tolle Sachen machen, wie Zoo, oder durch den Wald stromern.

Aber an der Hand eines anderen Mädchen hatte sie Spaß und lief ohne zicken, mucken, oder dem Versuch sich loszureißen.

Also erste Hürde geschafft und ich konnte schon viel entspannter in den Zug steigen.



Gebucht war ein Programm beim "Grünen Klassenzimmer" im Park am Mäuseturm.
Genau 4 Jahre vorher war ich auch als Begleitperson von Louisas Vorschulgruppe mit im Grünen Klassenzimmer und war damals schon total begeistert.

Praktischer als mit dem Zug kann man den 10ha großen Park direkt am Rhein kaum erreichen, der Binger Hauptbahnhof (Ja, Bingen hat tatsächlich 2 Bahnhöfe ;-) ) liegt direkt am Park.

Wer mit dem Zug (auch ICE) zB von Köln nach Frankfurt fährt kann einen Blick auf den Park werfen.



Als erstes war Frühstück angesagt. Ich versuchte mich immer etwas im Hintergrund zu halten. Schließlich war es ein Ausflug mit dem Kiga und nicht mit der Mama.
So konnte ich auch sehen wo Jolina Hilfe braucht.
Wie auch mit uns zusammen braucht sie Hilfe bei der Trinkflasche, obwohl sie Mineralwasserflaschen aufdrehen kann, ist es für sie bei der Siggflasche noch schwierig.
Trotzdem schwöre ich auf diese Flaschen, denn sie sind einfach immer dicht und laufen nicht aus.


Der Park am Mäuseturm zeigt sich schon in voller Blüte. Und ist immer noch so schön wie bei der Gartenschau 2008, wo Bingen sich endlich fein gemacht hat und man sich nicht mehr schämen musste wenn Touristen mit den Schiffen anlegten.




Die Führerin des grünen Klassenzimmers holte uns dann beim Frühstück ab und lud ein den Park mit all unseren Sinnen zu entdecken.

Jolina war natürlich mit den Ausführungen total überfordert und konnte auch nicht mit aufzählen welche Sinne man denn hat, oder was man über Bäume, oder Tiere weiß.

Diesen Anspruch habe ich gar nicht, das wird irgendwann kommen, doch noch nicht jetzt. Jolina klinkte sich dann gedanklich zwar aus, wie ich beobachten konnte, doch trotzdem blieb sie bei der Gruppe und verhielt sich still und störte nicht.

Vielleicht nahm sie ja trotzdem etwas für sich mit, wer kann das sagen.



Das ist Inklusion und genau das ist es was wir uns vorerst für Jolina wünschen.
Viele verstehen den Inklusionsgedanken falsch. Sie denken Jolina müsse mit den anderen mit halten können und sagen dann, dass dieser Ausflug doch gar nichts für sie wäre.
Natürlich hat Jolina diesen Ausflug genossen, vor allem die Zugfahrt hat sie sehr beeindruckt.
Sie stand mit am Rhein und schaute aufs Wasser und fand das toll, auch wenn sie den Ausführungen über bestimmte Vögel nicht folgen konnte, doch wer sagt denn, das alle Vorschulkinder es verstanden haben?


Jolina sucht sich ihre eigenen Herausforderungen und während die anderen nach Kirschkernen am Boden suchen um einen Baum bestimmen zu können findet Jolina einen Stock und stochert auf der Erde herum.



Und sie findet auch Kinder die es ihr dann nach tun.
Ich fand dieses Bild so wunderschön innig.

Wobei ich natürlich ganz viele Bilder des Tages nicht zeigen kann, denn es ist für mich tabu Kinder und Menschen bei nicht öffentlichen Veranstaltungen erkennbar zu zeigen.
Trotzdem versuche ich mit den Bildern zu zeigen, dass Jolina nicht nur nebenher lief sondern mittendrin war. Zwar auf ihre Art und Weise, aber glücklich und zufrieden.



Die erste Situation die typisch Jolina war, war als sie unbedingt zu den Gänsefamilien im Park rennen wollte, was erstens den Kindern untersagt war und zusätzlich auch nicht ungefährlich ist. Ich wollte keinen Streit mit Gänseeltern haben, aaahhhh.

Irgendwann reagierte sie auf die Stop-Rufe, nur eben verzögert.
Das sind Dinge die mich nerven, aber ich müsste es besser wissen, Jolina reagiert viel langsamer. Doch es gibt eben Momente da sollte man sofort auf Stop reagieren, zB im Straßenverkehr, da haben wir noch eine Baustelle. Denn das sind Dinge die können lebenswichtig sein.


Im Hintergrund immer der romantische Rhein mit seinen Burgen und den steilen Weinlagen. Ich kann schon verstehen warum die Dichter sich damals überschlagen haben.
Ich weiß es zu schätzen da zu wohnen wo andere Urlaub machen, ich liebe mein Nahetal und den Rhein.
Die Nahe fließt übrigens genau dort am Park in den Rhein. Nur ca. 10 km von unserem Heimatdorf weg.


Die Strecke durch den Park ist schon ein Stück zu laufen, aber gemeinsam und mit kleinen Pausen schafften die Kinder das gut.
Die Vorschulgruppe trifft sich ja jeden Donnerstag und geht ab und zu in den Stadtwald. Leider ist Jolina dann immer im PEp und bei den Aktionen nicht dabei.


An der Nikolaus Eiche testeten sie, wie viele Kinder nötig sind um den Stamm zu umfassen, meist waren es 4 Kinder.




Natürlich waren wir auch am Mäuseturm, schließlich gibt er ja dem Park den Namen.
Dieser Turm fasziniert mich schon seit frühester Kindheit. Meine Mutter hatte ein altes Sagenbuch und darin stand auch die Sage vom Binger Mäuseturm. Die hat sich bis heute in mein Hirn eingebrannt. Ich erinnere mich an meinen eigenen Kindergartenausflug an den Rhein vor über 40 Jahren *hüstel* und wir machten eine Schifffahrt. Damals wurde der Turm gerade gestrichen und ich fragte meine Mutter, ob wohl die Maler auf die Knochen von dem bösen Mann gestoßen wären, ich war als Kind total verängstigt von dieser Sage und ich bin noch mit Märchen aufgewachsen, die ich aber harmlos fand, da zu unrealistisch. Doch die Geschichte des grausamen Bischof Hatto der von den Mäusen im Turm bei lebendigem Leib abgenagt wurde, hörte sich an als sei sie passiert und möglich. Wie das bei Sagen ja immer so ist, ein Teil Wahrheit, ein teil wahrscheinlich erfunden.


Als dann die Führerin den Kindern die Sage erzählte konnte ich es kaum glauben. Ich bin da ja nicht so zart und erzähle meinen Kindern auch Märchen. Doch jetzt ist das heute ja total out bei den Eltern und dann kommt die Dame mit dieser Sage bei Kindergartenkindern um die Ecke, muss schon sagen mutig.


Zum Abschluss der Führung gab es noch eine Runde in der es erneut um die Sinne ging. Jolina lag auf dem Boden und hatte sich total ausgeklinkt. Das tat natürlich ein bisschen weh das zu sehen, doch sie störte die Runde nicht und man sah, es war an diesem Punkt zu viel für sie und sie wollte gar nicht versuchen Teil dieser Runde zu sein, nur dabei zu sein das war ihr wichtig.

Leider konnte sie bei dem Schulkindlied der Gruppe auch nicht mitsingen, da sie ja nie in der Gruppe dabei ist, doch dies sind Dinge die der Mutter näher gehen als dem Kind, daher eigentlich okay.
Schlucken, durchatmen, weiter geht es.


Wir ließen den Turm hinter uns und machten uns auf den Weg zum Pommes essen. Leider waren die Lokale im Park gerade noch nicht offen, so durften die Kinder im NH-Hotel auf der Terrasse essen, cool.

Da der Spielplatz im Park am Mäuseturm wegen Renovierung gesperrt war, machten wir uns auf den Weg zum "Rheinkahn" ein Spielplatz ein Stück den Rhein hinauf der auch im Rahmen der Gartenschau entstanden ist.

Jolina war weiter mit dabei und hielt durch, zwar musste ihre Partnerin öfter mal ein bisschen ziehen, aber es war wirklich ein Aha-Erlebnis für mich.
Hatte mich die Schulärztin bei der letzten Untersuchung gefragt wie weit könne Jolina laufen. Ich sagte, dass ich das nicht wüsste. Sie bohrte weiter: "1 km? 5km? weniger? mehr?"
Wer misst schon seine strecken ab? Wir nicht. Sie schrieb dann 1 km in ihren Bericht.
Da eine der Erzieherinnen einen Schrittzähler dabei hatte weiß ich jetzt, dass Jolina bis zu diesem punkt schon über 7km hinter sich hatte. Respekt.




Auf dem Spielplatz bekamen die Kinder erklärt, dass sie nicht auf den Teil gehen dürfen, der Wasserspielplatz ist und es hat super geklappt. Tolle Kinder.


Genau gegenüber des Spielplatzes ist das Niederwalddenkmal mit der Germania am anderen Rheinufer. Das Denkmal ist so groß, dass wir es sogar von unserem Küchenfenster in unserer 1. Bretzenheimer Wohnung sehen konnten.

Mit Louisa haben wir einen Ausflug dort hoch gemacht als sie 2 Jahre alt war, Jolina war aber noch nicht oben. Inzwischen traue ich ihr aber die Seilbahnfahrt in der offenen Gondel zu, müssen wir mal unbedingt in Angriff nehmen.






Jolina spielte meist alleine, oder im inneren im Sand.
Bei der Seilbahn fuhr sie zuerst mit und traute sich dann später auch alleine hinein, sie hatte sich abgeschaut wie man an der Kette ziehen muss, schaffte aber nur den ersten halben Meter und kam dann nicht weiter und rief um Hilfe. Trotzdem ist es eine ihrer Stärken, dass sie sich etwas bei anderen abschaut und dafür braucht sie einfach Vorbilder und auch das ist ein Vorteil von Inklusion.
Jeder kann von jedem lernen, denn auch Jolina hat ihre Stärken von denen andere profitieren, man muss es nur zulassen.



Am Ende war Jolina schmutzig, glücklich und sehr müde.
Auch die anderen Kinder sahen sehr geschafft aus nach diesem langen Tag.
Übrigens gestehe ich Euch: "Ich war fertig wie ne rolle Drops!" War wohl viel zu viel frische Luft für mich, haha.



Der weg zurück zum Bahnhof zog sich nochmal ungemütlich in die Länge und ich hatte Jolina an der einen Hand und ihre Gruppenpartnerin an der anderen. Ein bisschen ziehen musste ich die beiden schon und aufmuntern. Die Sonne hat übrigens den ganzen Tag extra für uns geschienen und es war ganz schön warm.


Praktisch wenn die Züge so oft fahren, so konnten wir uns wieder direkt in den zug setzen und es ging schon bald los. Die Kinder waren aufgeregt und glücklich, so ein genialer Tag, alles hatte geklappt bei bestem Wetter und fröhlicher Stimmung.

Mein Auto hatte ich schon morgens am Bahnhof geparkt und so konnte ich gleich mit Jolina heim fahren, die schon fast beim ausparken fest eingeschlafen war.


Dienstag, 17. Mai 2016

Mein Tipp bei Schnupfenkindern

Manche Fragen werden immer wieder in der Down Syndrom Gruppe gestellt.

Obwohl jedes Kind mit Down Syndrom individuell ist, treten doch gewisse Dinge gehäuft auf.
Eine wirklich nervige Geschichte sind die gehäuft auftretenden Schnupfennasen.

Vorallem in den ersten Lebensjahren begann der Schnupfen im Herbst und blieb bis im Mai, ob es ein Infekt war oder viele kleine hintereinander konnte man nicht unterscheiden. Ab und zu wechselte mal die Farbe *hüstel*

Man sagte mir es wird besser, konnte ich kaum glauben, es fühlte sich an, als würde dieses Drama nie enden und leider führte es auch oft dazu, dass Jolina nicht in den Kindergarten durfte, sie war teilweise bis zu 6 Wochen zu Hause.


Inzwischen ist es so, dass Jolina mit ihren 7 Jahren auch noch jeden Schnupfen mit nimmt der sich anbietet, doch es gibt tatsächlich kleine Schnupfenpausen und dadurch merkt man "Aha, es sind immer verschiedene Infekte"

Montag, 16. Mai 2016

Mias Tullelue - Eine Mütze für Menschen mit Down Syndrom

Ich möchte mich nicht auf "Kinder" mit Down Syndrom beschränken, wie es in der Schnittbeschreibung steht, denn der Schnitt geht bis Größe 58 (und die wäre selbst mir um einiges zu groß) und auch für Erwachsene kann man tolle Mützen daraus zaubern.

Ja, wie fange ich an?

Es gibt einige Eigenheiten die, die meisten Menschen mit Down Syndrom gemein haben, zB die Lidfalte, oder der Nasenrücken, oder die etwas tiefer sitzenden Ohren.
Daher gibt es zB spezielle Brillen für Menschen mit Down Syndrom. (davon habe ich Euch ja schon hier erzählt)

Ein zusätzliches recht typisches Merkmal ist der flachere Hinterkopf und genau diese Kopfform macht es sehr schwierig Mützen zu finden die passen, oder (ihr werdet es mir bitte verzeihen) nicht total doof aussehen.

Da Louisa und Jolina nur 3 Jahre auseinander liegen bietet es sich natürlich an die Kleidung der Großen für die Kleine auf zu heben. Doch gerade bei den Mützen hat Jolina nicht eine Einzige der großen Schwester aufgetragen.
Warum? Die Mützen die bei Louisa so mega süß aussahen hatten bei Jolina einen ganz anderen Effekt. Eltern von anderen Kindern mit Down Syndrom werden diese Situation kennen. Du setzt deinem Kind eine tolle Mütze auf und entweder rutscht sie SOFORT über die Augen, oder man könnte dem Kind auch gleich auf die Stirn schreiben "Ich bin behindert!"

Ich konnte diese Mützen Jolina einfach nicht guten Gewissens aufsetzen und so kaufte oder nähte ich ihr eigene, die auch zu ihr passten.



Ihr werdet sagen "praktisch wenn man selbst nähen kann."
Das stimmt schon, aber um ein Schnittmuster so abzuändern, dass es am Ende auch passt ist nicht so ganz einfach, wenn man nicht so oft näht, denn am Anfang hätte ich das auch nicht gekonnt.


Deshalb finde ich es eine Wucht (was eine altmodische Redewendung, hihi), dass es bei der Erstellung des Schnittmusters Tullelue von July von Tullebunt & Lille Snø  auch gleich eine Variante für Kinder/Menschen mit Down Syndrom gibt und zwar Mias Tullelue (ihr verzeiht mir, die Schreibweise Mia´s geht mir nicht über die Tastatur, wer mich kennt weiß wieso, hahaha)



Der Kracher an dieser Mütze ist zum einen, dass sie ganz lange mit wächst und zum anderen, dass man sie ruck zuck aus Stoffresten nähen kann, in ganz bunt, oder Ton in Ton, oder einfarbig.
Und deshalb passt diese Mütze natürlich genau zu farbenmix.



Als ich vor gefühlt 100 Jahren mit dem Nähen angefangen hat, konnte man auf fast jede Frage die zum Nähen gestellt wurde "farbenmix" antworten. Wo es den Schnitt gibt, oder das Webband, oder die Anleitung wie man etwas näht.

Natürlich ist inzwischen der Markt sehr groß und unübersichtlich geworden, zusätzlich tummeln sich viele schwarze Schafe unter den ganzen Pseudofachleuten die Schnittmuster anbieten.

Farbenmix hat sich in diesen wilden Zeiten nicht verbogen und ist auch weiter als Fels in der Brandung eine Größe geblieben.



Deshalb bin ich auch stolz, dass Jolina mit ihren Tullelues dort auf der Seite zu sehen ist. Hammer!!!!
Und es wird nie alltäglich für mich sein, auch wenn wir schon mit im Boot waren bei anderen Schnittmustern, vor allem der Schnitt für den Hoodie speziell für Menschen mit Down Syndrom möchte ich hier herausstellen.



Vielleicht sollte man auf das Schnittmuster noch folgende Warnung drucken.

"Das Nähen von Tullelue kann süchtig machen! Bereits der erste Versuch hat schwerwiegende Auswirkungen auf das Nähverhalten und könnte als Einstiegsdroge auch für andere links auf links Projekte dienen."



Der Effekt dieser genialen Nähte ist wirklich ein Hingucker und natürlich ist ganz genau erklärt wie das geht.

Wenn man das nicht möchte, oder auch bei Jungs die dezentere Variante möchte, näht man einfach "richtig rum"



Und jetzt haltet Euch ein bisschen fest.
Ich darf demnächst ein Schnittmuster verlosen, dauert keine 2 Wochen mehr zur großen Bloggeburtstagsparty.



Jolina liebt es übrigens Mützen zu tragen und als es warm wurde im Frühling war sie schwer davon zu überzeugen, dass sie morgens keine Mütze aufziehen muss bevor sie das Haus verlässt.

Zusätzlich bin ich nicht so die typische Mützenmama. Meine Mutter, also die Oma der Mädels sagt sowieso immer, dass ich meine Kinder immer viel zu dünn anziehen würde. Ja auch solche seltenen Exemplare des Typs Mutter gibt es und ich bin so eine.

Louisa geht den ganzen Winter ohne Unterhemd zur Schule und ich lasse sie, denn war ich doch früher genau so und da das Kind ganz selten krank ist, kann es ja gar nicht so schlimm sein.



Doch was soll ich jetzt tun? So tolle Mützen müssen doch auf die Köpfe (Louisa war noch nicht zu überzeugen, dass sie dringend auch eine braucht, ich wollte ihr eine in schwarz und grau nähen *schnüff*)

Ich freue mich jetzt schon auf den Urlaub im Norden, da braucht Jolina dringend Mützen und yeah, ich werde am besten zu jedem Outfit eine nähen und noch ein paar für mein Tauschpaket, die kommen sicher gut an.

Diagnose: Tulleluesucht




Aber sagt selbst, welche Mütze sieht von hinten so genial aus, oder darf ich GEIL schreiben?

Dies waren nur zwei meiner Designbeispiele, mehr davon findet ihr auf der farbenmixseite, oder auf facebook bei JoLou (auch ohne facebookProfil anzuschauen)


Schnittmuster: Mias Tullelue
Stoffe: Alles was das Stoffregal bietet
genähte Größe: KU51
Model: Jolina
Fotos: ©JoLou