Mittwoch, 7. September 2016

Eine Woche Schulkind

Gibt es schon etwas zu berichten?

Wie zu erwarten kommt das Schulkind schwer aus dem Bett. In 6 Wochen Ferien war dieses Kind jeden Morgen um 6 oder spätestens halb 7 wach, natürlich möchte sie jetzt gar nicht aus dem Bett, da ist sie genau wie ihre große Schwester, vielleicht können wir dann in 4 Jahren auch mal alle bis 10 Uhr ausschlafen.



Nach den ersten Machtkämpfen am Morgen um Zähneputzen, Haare kämmen, aufs Klo gehen bin ich fast erleichtert wenn um 7:25 der Bus abfährt. Waren doch diese ganzen Sachen bisher kein Thema mehr, na ja manchmal hatte sie keine Lust, wie wir alle, doch im Moment wird jede Kleinigkeit zur Machtprobe, wobei ich natürlich weiß, dass sie nie "gewinnen" darf, denn damit öffne ich dem Fehlverhalten ja Tür und Tor.

Ach ja, Bus, das ist ne eigene Geschichte.


14 Tage vor Schulbeginn wurde uns das Taxiunternehmen mitgeteilt, das Jolina zur Schule bringt und auch wieder nach Hause. Bis dahin war alles viel zu rund gelaufen mit den ganzen Anträgen, endlich hatten wir ein Problemchen. Im Schreiben stand sie würde um 13:00h mit dem Bus nach Hause gebracht. Jetzt hat Jolina aber nur bis 12:00h Schule und ihre I-Helferin hat dann auch Schluss.
Der Herr von der Verwaltung meinte, dann müsse Jolina eben wie andere Kinder in die Betreuung gehen, weil ein Bus erst ab 5 Kindern fährt. Ich schilderte unser Problem mit der Weglauftendenz und dass sie jemand zum Bus bringen muss, das eine normale Betreuung aber nicht leisten kann, da die ja nicht alle anderen Kinder alleine lassen kann um Jolina in den Bus zu setzen.
Dafür ist er nicht zuständig und verwies mich wieder ans Sozialamt.
Ich sah mich schon täglich im Auto sitzen und das Kind von der Schule abholen.
Zufällig traf aber Jolinas Papa die Dame von der Lebenshilfe, die uns die I-Kraft stellt und schilderte das neue Problem. Die meinte, sie hätte am Tag darauf eh einen Termin beim Sozialamt, sie würde das regeln.

Juhu, Jolina wird jetzt Mittags ganz alleine in einem DRK-Bus von sehr netten wechselnden Fahrerinnen nach Hause gebracht, sie helfen ihr beim aussteigen, können sogar eine kleine Treppe herausfahren, toll.
Warum ich das erzähle kommt jetzt.


Wir waren mit unserer Frau K. der Fahrerin des Kindergartenbuses wirklich extrem verwöhnt, sie war einfach unbezahlbar und lud Jolina sogar in den Ferien zu sich zum grillen ein.
Das es nicht so weiter geht war mir klar.
Am ersten Tag kam das Taxi und der Fahrer stieg aus legte den Ranzen hinten rein "Sonst wird vorne alles dreckig" und ich setzte Jolina dann auf eine Sitzschale, bisher war sie im Kindersitz, sie sitzt wahrscheinlich brav drauf, aber im ersten Moment musste ich echt schlucken.
Als ich etwas fragen wollte meinte er, der Chef fährt ab Freitag, ich bin nur Vertretung.
An dem Tag kam dann auch die entsetzte Whats App der I-Kraft, dass der Fahrer nicht gewartet hat bis sie am Bus ist, sondern hat Jolina einfach laufen lassen, puhhh.


Der Chef kam dann am Freitag. Dieser Herr bleibt im Auto sitzen und lässt den Motor laufen, ich mache also erst hinten die Tür auf und verstaue den Ranzen, hoffe, dass Jolina in der Zeit nicht um den Bus rennt und dann gerade ein Auto kommt, dann hieve ich das recht schwere Kind hoch in den Bus, quetsche mich dann selbst rein um sie an zu schnallen und alles wie gehetzt, weil der Fahrer vorne hinter dem Lenkrad sitzt als möchte er am liebsten den Motor aufheulen lassen.
Ich weiß, ich tue ihm vielleicht Unrecht, aber am ersten Tag wäre ich doch mal ausgestiegen und hätte mich vorgestellt und gefragt ob etwas zu beachten ist. Die anderen Kinder mögen weniger beeinträchtigt sein als Jolina, aber er ist in dem Moment Dienstleister und ich bin Kunde und da erwarte ich einfach etwas mehr als das.
So läuft es jetzt also, ich hinten auf - rufe Guten Morgen nach vorne durch den Bus usw
Heute Morgen meinte ein Junge, Jolina müsse ganz nach hinten, da wäre die Junsbank, ich blöde Kuh machte das (denn hinten saß ein schweigendes Mädchen und ich hoffe einfach, dass sie Anschluss findet, warum nicht im Bus), doch da hinten ist es noch enger, sie wird künftig wieder hinter dem Fahrer sitzen, soll der kleine Besserwisser doch seine Jungsreihe ganz hinten aufmachen


Hausaufgaben bringt Jolina auch mit nach Hause und hat sie bisher nur mit Druck von mir und überschwänglichem Lob und Anfeuerung erledigt.
Ein Zeichen, dass sie auch nicht mehr wollte/konnte, denn die PEp-Hausaufgaben hat sie immer mit Begeisterung erledigt.
Da denkt man das Kind brennt darauf zu malen was in der Schultüte war und dann sind nach sehr viel gutem Zureden 3 Krakel auf dem Blatt.


Heute war der erste Tag wo es mit weniger Widerstand ging. Natürlich gab es ein "Nein", doch ich konnte sie relativ schnell dazu bewegen eine Banane gelb an zu malen und mir Dinge auf einem Blatt auf zu zählen.
Ich hoffe sie gewöhnt sich an die Schule und ihr wirklich sehr bockiges Verhalten legt sich.
Auch in der Schule scheint sie sich so zu verhalten, puhh, höre ich nicht gerne.
Aber man  hört ja öfter, dass Erstklässer wie erschlagen sind von einem Vormittag in der Schule. Von Louisa und ihren Freunden kenne ich das allerdings gar nicht, die steckten das weg wie nix.
Jolina hat sich heute Mittag sogar zum Schlafen auf die Couch gelegt (wer uns bei Insta verfolgt, hat es vielleicht gesehen)


Aber sie geht gerne in die Schule und ich hoffe das bleibt so.
Auf die Frage ob sie Freunde hat kommt immer E. (das ist ihre Patin aus der 4. Klasse) und dann kam etwas raus, keine Ahnung ob ich das falsch verstanden habe, doch Abends hat sie es wieder so dem Papa erzählt. "E. ist traurig, weil keiner mit mir spielt" (das hat sie natürlich auf jolinisch gesagt)
Das hört man als Mutter gar nicht gerne, doch es ist erst eine Woche, hey, ich kann doch nicht erwarten, dass die Kinder die sich kennen und für die auch alles neu ist, sich für das fremde Mädchen interessieren.
Eigentlich hatte ich gehofft es wären noch mehr Kinder mit Förderbedarf in der Klasse , denn Jolina sucht sich immer in einer Gruppe Kinder, die mit Beeinträchtigung aus. Inklusion hin oder her, sind wir nicht auch so und freunden uns am liebsten mit Menschen an, die etwas mit uns gemeinsam haben?
Das sind aber alles Dinge, die man nach nur einer Woche nicht hoffen kann, dass es perfekt läuft.



Ich habe übrigens Bilder aus der Konserve für Euch, die ich vor den Ferien nicht mehr gezeigt habe.
Jolina trägt hier ein Tulleband von  Tullebunt und Lille Snø, das es bei farbenmix gibt.
Gezeigt hatte ich es Euch ja schon hier.


Jolinas Band: Mias Tulleband
Stoffe: Reste von swafing und Janeas World
Model: Jolina
Fotos: ©JoLou

Kommentare:

  1. Nicht entmutigen lassen. Felix war damals bei der Einschulung die erste Zeit gaaaanz übel gelaunt. Ist aber ja auch nicht verwunderlich. Alles ist neu. Gerade für unsere Kinder enorm. Er braucht immer noch nach den Ferien eine gewisse Eingewöhnung. Hausaufgaben waren anfangs Horror! Sind sie teilweise heute noch. Wenn er keine Lust hat, geht nix.
    Alles spielt sich ein.
    LG Katja

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  2. Ich bin mittlerweile vorsichtig wenn ich sowas lese ... mit unseren sehr schlechten Buserfahrungen kein Wunder, oder?
    Die Eingewöhnungszeit in der Schule ist noch ganz am Anfang. Das wird noch anders, da bin ich mir sicher.
    Alles Gute weiterhin, liebe Grüsse
    Elisabeth

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  3. Ihr seid gerade erst am Anfang und man darf nicht vergessen, das so ein Tag an dem man dann hinsetzen muss und nicht mehr wie im Kindergarten den ganzen Tag spielen kann für die Kinder sehr anstrengend ist. Unser Kleiner kommt jetzt ( er kommt in die 3. Klasse) manchmal Mittags nach Hause und ist total fertig. Sie brauchen einfach Zeit zum sich an die neuen Sachen zu gewöhnen. Ich drück euch die Daumen das alles schnell gut klappt.

    LG Julia

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  4. Du hast vollkommen recht, der Chef des Fahrunternehmens hätte sich vorstellen sollen und auch sonst noch manches ansprechen. Das haben unsere immer gemacht.Auch wenn dann mit dem einen oder anderen Fahrer oder der Begleitperson etwas schief gelaufen, hat sich der Chef immer darum gekümmert.Und es ist manches schief gelaufen! Aber es wurde eben auch rasch korrigiert. Unsere jetzige Fahrerin,die zu einem Familienunternehmen gehört und dieses mit leitet, erstaunt mich immer wieder mit ihrer Kompetenz.Rasch brachte sie meiner Tochter bei, selbstständig einzusteigen(obwohl meine Tochter es liebt, sich zu verweigern!).Auch sonst denkt sie an alles.Da sind wir gerade echt verwöhnt. Früher haben wir auch mal erlebt, dass ein Fahrer unsere Kleine aus dem Bus raus ließ, ohne auf mich zu warten oder sie zu begleiten, sie saß dann hilflos vor der Treppe...Ich wünsche euch, dass sich die Situation echt bessert.

    Cornelia

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  5. Wie meinen Sie das, dass Jolina nie gewinnen darf, da sie sonst dem Fehlverhalten Tür und Tor öffnen!Das hört sich nach Unterdrückung an, so nach dem Motto, wenn es nicht nach mir geht, dann.... Ich habe das ein paar Mal so heraus gelesen: z.b. der Busfahrer, der sitzen geblieben war..Und da haben Sie aufgeklärt, warum, nämlich er sollte Ihnen behilflich sein. Wenn ich mit meinem Kind Bus fahre hilft der Busfahrer mir in dem ich ihn anspreche und um Hilfe bitte (Buggy mit anfassen, da ich alleine Schwierigkeiten habe)aber von demjenigen verlangen, Gedanken zu lesen...
    Trotzdem wünsche ich der kleine Jolina in der Klasse kein Außenseiter zu bleiben und viele Freunde dort zu finden.
    Sissi M.

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    1. Da fehlen eindeutig ein bisschen Hintergrundwissen ;-)
      Jolina fährt natürlich nicht mit dem Linienbus, sondern mit einem Sondertransport der vom Sozialamt für behinderte Kinder organisiert wird, der kommt vor die Haustür und da ist es natürlich üblich und gehört eben zu diesem Service, dass der Fahrer aussteigt und hilft, ich bin 1,56 und mein Rücken ist kaputt, der Einstieg in den Bus ist sicher mind. 50 cm hoch und ich muss ein über 20 kg Kind ohne Körperspannung da hochheben. Wenn man Behinderte fährt, dann muss man helfen, ganz einfach und ich möchte nicht noch darum betteln müssen, wenn er das nicht sieht... na ja.
      Und das mit das Kind darf nicht gewinnen ist bei Menschen mit Down Syndrom so, bei der üblichen Erziehung wäre es wünschenswert, doch ein Fehlverhalten bei behinderten Kindern bekommt man nur schwer raus.
      Sitzt ein Kind im Schulunterricht unter dem Tisch und alle lachen hat es eine positive Verstärkung wenn nicht sofort eingeschritten wird, damit lernt es, oh ich bekomme positives Feedback. Es wird es wahrscheinlich wieder und wieder tun, bis keiner mehr lacht, doch dann ist dieses verhalten sehr schwer wieder raus zu bekommen. Und zusätzlich ja man nennt das Erziehung und wenn ich nicht möchte, dass sie der Schwester die Hefte zerreißt, dann MUSS das nach meinem Kopf gehen. Ich möchte mal keine erwachsene Behinderte, die man in keinen Sack mehr bekommt.

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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♥♥♥ Kommentare sind wie ein guter Nachtisch, sie machen die Sache erst perfekt. Danke dafür ♥♥♥