Sonntag, 16. August 2015

Ihr fragt - Jolinas Welt antwortet #2 - Selbständigkeit von Menschen mit Down Syndrom

Eine sehr spannende Frage dreht sich um Selbständigkeit im Alltag.

So lautete die Frage:

" Von Jolinas aktuellem Alter mal abgesehen: habt ihr Euch schon Gedanken gemacht, ob Jolina irgendwann mal selbstständig unterwegs sein darf/kann/soll? Ich weiß nicht, wie ich es am Besten beschrieben soll.

Vor ein paar Wochen hat sich ein Jugendlicher mit Down Syndrom in der S-Bahn neben mich gesetzt. Und wie jeder andere hatte er die Knöppe in den Ohren. Dann hat er noch mit jemanden eine Uhrzeit per Handy abgesprochen. Warum sieht man sie so wenige alleine im Alltag? Wie schätzt ihr es aktuell mit Jolina in 10 Jahren ein?"




Genau so wünsche ich es mir, dass Jolina mal alleine im Bus fährt und sich wie eine ganz normale Jugendliche benimmt mit allen positiven und negativen Seiten.
Mit Kopfhörern in den Ohren, Handy in der Hand und manchmal Blödsinn im Kopf.

Das ist mein Wunsch, ob dieser in Erfüllung geht werden wir sehen und wir arbeiten daran, denn die Selbständigkeit hängt von 2 wichtigen Dingen ab.

1. wie sich der Mensch mit Down Syndrom entwickelt, bzw auch gefördert wird und Selbständigkeit erlernen kann.
Es gibt nicht das Down Syndrom und nicht die Beeinträchtigung die bei allen gleich ist.

2. wie weit die Eltern oder Betreuer los lassen können.


Ich erinnere mich an eine Situation die ca. 3 Monate zurückliegt.
Ich war in einem Kaufhaus in der Stadt (alleine unterwegs ohne Kinder, juhu) und da kam mir deine etwas ältere Mutter mit einer erwachsenen Tochter mit Down Syndrom an der Hand entgegen.

Und da war es wieder, ein Deja vu, so war früher das Bild von Down Syndrom in den Köpfen und ist es noch heute bei vielen. Zusätzlich war diese Mutter tatsächlich so eine kleine, graue Maus mit gesenktem Blick und hängenden Schultern, die Tochter recht kleinwüchsig, mit grauenhafter Frisur und Klamotten die in den Augen weh taten. Sie lief an der Hand wie ein kleines Mädchen, das noch selten in der großen, weiten Welt war und machte den Eindruck (bitte verzeiht mir diesen Ausdruck) als könne sie nicht bis drei zählen.

Genau das will ich für meine Tochter nicht. 
Natürlich weiß man heute mehr über Förderung und Möglichkeiten für Menschen mit Down Syndrom. Aber auch früher gab es schon Eltern die ihren Kindern etwas zu trauten und welche die überbehüteten.

Es ist oft auch so, dass Eltern ihre Kinder mit geistiger Behinderung nicht wirklich als Erwachsene sehen, auch wenn die dies schon längst sind.
Ich erlebe es immer wieder, dass Mütter Bilder ihrer jugendlichen oder sogar älteren Kinder posten und dann der Text dazu auch zu einem Kleinkind passen würde.
Junge Menschen mit Down Syndrom wollen auch cool und hipp sein und nicht süß oder putzig. Natürlich wird eine Mutter die ein Bild ihres über 18 jährigen, kaum bekleideten, schlafenden Sohnes öffentlich postet und dazu schreibt, er war ja soooo müde, diesen wohl eher nicht alleine im Bus fahren lassen wird.

Ich kenne Kinder in Jolinas Alter, denen traue ich es durchaus zu in einigen Jahren alleine ihren Weg zu gehen und auch welche, da vermute ich, sie werden es nie schaffen.
Jolina liegt so dazwischen und oft steht sie sich selbst im Weg, ich werde abwarten und hoffen.

Ich denke man sieht so wenige, weil es langsam erst anfängt, dass Menschen mit Down Syndrom am "normalen" Leben teilnehmen, sie gehen in ganz normale Kindergärten und zum Teil in die Schule um die Ecke und nicht in die Sonderschule.

Erst seit kurzer Zeit gehen Eltern diesen Weg und diese Kinder werden eher selbständig und wollen wie alle anderen auch ein Teil der Gesellschaft sein.

Noch eine Generation vorher ging auf Sonderschulen und dann in die Behinderten-Werkstatt, wird mit Kleinbussen abgeholt und wieder heim gefahren.

Es wird sich ändern, allerdings wird man trotzdem nicht wirklich viele sehen, denn 95% aller Schwangerschaften mit Kindern mit Down Syndrom werden abgebrochen, diese 95% fehlen natürlich auch auf der Straße.


Eine weitere Frage war warum der Blog Jolina-Noelle heißt. 

Das ist schnell beantwortet, dies war der "Arbeitsname" als ich den Blog eröffnete und unerfahren wie ich war, wusste ich nicht, dass dies die Blog-Adresse auf alle Zeit sein würde, auch wenn ich den Namen ändern kann, die www-Anschrift bleibt bei Blogger


Und jetzt entschuldige ich mich für diese unterlegten Buchstaben heute, ich bekomme es gerade nicht weg, grrrrrr.



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