Montag, 17. Oktober 2016

Unter Müttern

Achtung, dieser Post enthält Ironie und ist bitte nicht bierernst zu nehmen.

Am Samstag waren wir im Opelzoo, ich werde noch davon berichten.
Wie immer am Schluss ist der geniale Spielplatz interessanter als alle Tiere.
Während Louisa irgendwo in luftiger Höhe herum turnte (besser nicht hinsehen) und Jolina den Papa auf Trap hielt saß ich mit einem Cappu im Pappbecher auf einer Bank und schaute Euch zu.

Ich komme ja nur noch selten in Verlegenheit solch geballtes Mamaaufkommen zu beobachten, denn eigentlich sind meine Kinder aus dem Spielplatzalter raus und ich bin bei Jolina eher die "Tür auf, raus in den Garten schick - Mama"

Den Luxus als Mama auf dem Spielplatz rum zu lümmeln habe ich mir bei Louisa gegönnt bis Jolina zur Welt kam, mit ihr war ich eher bei Therapien unterwegs, oder wir machten Dinge die Louisa, damals 3, cool fand und das war nur noch selten Spielplatz.

Heute habe ich Euch beobachtet, mit gewissem Abstand und teilweise einem kleinen Grinsen im Mundwinkel.



So ein großes Gelände zeigt wirklich viele Auswüchse des Mutter seins.

- Direkt vor mir war dieses große Spinnennetz Kletterleinen Dingens (hat bestimmt nen coolen Namen, den ich nicht kenne)

Da waren die Panik-Mamas die ängstlich unten standen und ihr Blick war panisch nach oben gerichtet, wo Junior oder Juniorette unbeirrt auf den Seilen turnte, ab und zu machten sie ihrer Angst Luft indem sie kleine spitze Schreie ausstießen, meist unartikuliert, manchmal auch klar verständlich "Pass auf!" oder  im hohen Falsett geschriene Kindernamen, fast zur Unkenntlichkeit verzerrt.
Liebe Mütter, schaut einfach weg, wenn ihr es nicht aushaltet. Glaubt ihr wirklich Euer Gezeter am Boden trägt zur Sicherheit eures Nachwuchses bei? Nein, es lenkt im schlimmsten Fall noch zusätzlich ab. Ihr könnt da unten nichts tun, das müsst ihr einfach aushalten. Traut Euren Kindern doch etwas zu.

- Direkt daneben konnte ich eine Tussi-Mama erkennen, heute im casual Spielzeugdress und das Töchterlein im neuen Herbstoutfit. Das Töchterlein möchte auch auf dieses Seil-Dingens und Tussi-Mama will sie nicht hochklettern lassen sondern setzt an das Kind auf das Seil zu heben. Jeder, auch mit nur gering ausgeprägtem räumlichen Denken und ohne Kenntnis aller physikalischen Regeln, konnte klar erkennen, das kann nicht funktionieren. Sie führt die Bewegung angedeutet mehrmals aus um dann fest zu stellen, dass ihr Size Zero Körper dieses ca. 7 jährige Kind unmöglich heben kann und schon gar nicht auf 1,50. Das Kind möchte erneut den üblichen Weg nach oben nehmen. warum versuchst du ihr das auszureden, weil die Kinder in den schmutzigen Klamotten den genommen haben? Ich verstehe es nicht, wo ist das Problem? Am Ende beschließen Mutter und Tochter, dass klettern doch nicht das Richtige hier ist und ich überlege ob ich vielleicht den Zucker in meinem Cappu hätte weglassen sollen, ach was, ich schaffe Jolina ja jetzt schon kaum zu bändigen, da sind ein paar Kilo mehr die man in den Ring werfen kann immer gut, sieht halt nur nicht so toll aus.

- Dann waren da die Supermuttis. Sie tummeln sich gerne in Kleingruppen von 2 bis 3 Müttern und den dazugehörigen Sprösslingen. Die Durchschnitts Supermutti scheint 2 Kinder zu besitzen, bevorzugt im Alter von 2 bis 5 Jahren.
Erkennen kann man diese Gattung auch am gerne mitgeführten klappbaren Bollerwagen, darin können sowohl die Kinder als auch der halbe Hausstand mitgeführt werden.
"Ich habe Äpfelchen dabei, extra geschält" flötet die eine. "Ich habe heute Träubchen dabei", "Ich habe hier noch ein Rest Banane und Mango, extra für xy" Das haben die Supermuttis in bunten Dosen die sie ihrem Nachwuchs unter die Nase halten, aber nicht ohne diese vorher in einer kreisenden Bewegung den anderen Müttern zu zeigen um deren Wohlwollen zu ernten. Am Ende essen die lieben Kleinen nichts von diesen ganzen Köstlichkeiten und fallen über die Tüte Butterkekse von Alete her. Ich wundere mich zum einen, dass es jetzt sogar Kekse von Alete gibt und warum diese in einer Plastiktüte eingepackt sind. Klar da können die kleinen, schmutzigen Finger besser reinfassen und ich komme mir schrecklich von gestern vor, weil wir Kekse noch in diesen typischen Papierkeksstapelverpackungen dabei hatten und uns das Obst in den Tupperdosen gespart haben, weil es die Kinder sowieso nicht gegessen haben. Natürlich waren wir deshalb auch nicht Supermutti.
Ich habe heute gelernt, dass es nicht darauf ankommt, dass du einen Snack dabei hast der den Kindern schmeckt, sondern einen, mit dem du evtl. besser bist als deine Mitmutti und als Backup für das schlechte Gewissen. "Wir hatten ja was gesundes dabei", ganz wichtig ist, dass du aber auch Snacks dabei hast, die den Kindern schmecken und hole die schnell genug heraus, damit die Kinder gar nicht erst motzen können gegen das Obst in der Dose, denn dann könnten die anderen denken, dein Kind sei schlecht erzogen.

- Schlecht erzogen ist das Stichwort für die Episode die sich unweit des Trampolins abspielte.
Das leichte keifen in der Stimme lies mich aufhorchen und die Szene näher betrachten.
Hinter mir auf der Bank sitzt eine Frau, ich will jetzt echt nicht lästern, aber... nein ich sag jetzt nichts.
Die andere war vielleicht eine Supermutti ohne ihr Rudel, oder doch die von der ersten Panik-Sorte?
"Sind das ihre Kinder auf dem Trampolin?"
"Ja, warum?"
"Die sind schon die ganze Zeit dort und immer springen sie bei meinem Kind mit dazu. Das steht da extra, dass es hier verboten ist."
"Die können ja noch nicht lesen."
"Das geht jetzt schon 10 Minuten so"
"...Schweigen..."
"Es ist ja wohl ihre Aufgabe denen das zu sagen, sie können ja wohl lesen, sie sitzen nur hier."
keifende Mutter geht ab
sitzende Mutter bleibt sitzen
Es liegt Spannung in der Luft
sitzende Mutter schaut Richtung Trampolin, ich auch, zwei Mädchen hüpfen zusammen auf einem Trampolin, scheinen Spaß zu haben.
keifende Mutter schaut so als letzte Warnung zu sitzender Mutter dann dreht sie sich zum Trampolin und gestikuliert mit den Kindern sie sollen kommen, wohl nicht sehr freundlich, denn die Kinder erstarren und schauen total verzweifelt.
sitzende Mutter steht auf und stampft Richtung Trampolin, ich befürchte schon sie zieht jetzt die keifende Mutter an den blondierten Haaren, geht aber zu dem Kind, das ihr weinend in die Arme fällt.
Ich wende mich ab weil ich dieses Schauspiel nicht weiter ertragen kann, ich will gar nicht wissen wie es weiter geht.
Was bilden sich diese Mütter eigentlich ein?
Zum einen achte ich wirklich darauf, dass mein Kind sich an Regeln hält und andere nicht gefährdet, zum anderen bringe ich fremde Kinder nicht zum weinen, nur weil ich ihre Mutter Scheiße finde.
Ich gehe mal davon aus, dass der Ton zum Kind nicht erheblich freundlicher war als zur Mutter.
Wenn mich so etwas stört hole ich entweder mein Kind weg, oder ich spreche das fremde Kind freundlich an, wenn das den Eltern nicht passt, sollen sie eben selbst auf Regeln achten.
So geht das aber schon mal gar nicht, erst 10 Minuten Wut anstauen, dann Warnschuss gegen die Eltern feuern und dann mal los poltern.

Dann gab es noch einige Handy-Knips-Mamas die ihre Kinder ständig an andere Positionen zerrten um dann ein Bild zu knipsen.

Und was war ich jetzt für eine Mama?
Ich passe da einfach nicht rein, liegt es daran, dass ich zu alt bin, dass meine Kinder zu alt sind, oder dass ich einfach sowieso in keine Schublade passe?

Jeder von uns kennt andere Mütter über die man nur den Kopf schütteln kann, oder die eben total anders sind als man selbst. Sollen sie doch, ich muss es ja nicht genau so machen, solange man mich mein Ding durchziehen lässt, so lange sollen die anderen ihr Model leben.

Allerdings brauche ich das nicht jeden Tag. Ich hatte jetzt mal wieder genug geballte Mumpower in real. Bei Blogs klicke ich einfach weg wenn es mir zu blöd wird, obwohl, bei dem Mütter-Kampf habe ich ja dann so zu sagen räumlich weggeklickt.

Wann hat sich Mutter sein so verändert?
Zum Glück wusste ich das nicht bevor ich Kinder hatte, da waren Mütter für mich Frauen die Kinder haben, dass man sich da zu einem bestimmten Lager schlagen muss wusste ich gar nicht.

Tragemutter, Stillmutter, Helikoptermutter, Familienbettverteidigerin, Fördermama, Rabenmutter, ...... ich wollte immer nur Mama sein und mich nicht für eine Überzeugung entscheiden müssen, ich höre auf meinen Bauch und möchte nichts aufgedrückt bekommen, was bei anderen vielleicht passt, bei uns aber eben nicht.

Ich glaube es waren auch noch ganz viele "normale" Mamas auf dem Spielplatz, diese Unmengen von Kindern waren doch nicht alleine hier, doch sie sind einfach nicht aufgefallen und das gibt Hoffnung.



Kommentare:

  1. Ich bin ja noch einen Tacken länger raus als du und war damals irgendwie immer die einzige Mama auf dem Spielplatz - zu der Zeit galten Spielplätze anscheinend als dreckig, krankmachend und war nur für Kinder geeignet, deren Eltern es egal war, wo ihre Kinder sind... - hat sich so angefühlt - naja, meine Kids haben im Dreck gespielt ;)
    Ich kann mir dein Erlebnis aber sehr bildlich vorstellen, bin ich doch ab und an mal mit Freundinnen unterwegs, die jetzt erst Kinder bekommen habe und bin auch jedes mal bar erstaunt, das es echt Spartenmamas gibt wie auf den diversen Buchtiteln der Erziehungsbestsellerlisten... irgendwie wir RTL2 live oder?! :D

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  2. Kicher - dein Unterhaltungswert ist genial liebe Martina - hab auch was zum schmunzeln - ich - Tante von Lea 14 Jahre war Begleitung beim Teeny Kindergeburtstag - mein jüngster Neffe gerade 4 Wochen und meine Schwester samt 10 Kindern im alter von 12-14 Jahren - wir fahren als mit der S - Bahn zur Glasbläserei - auf dem Rückweg setzte ich mich mit meinem Neffen auf dem Arm neben eine ältere Dame - die Mädels verteilten sich nach hinten - die ältere Dame fand meinen Neffen ja Zucker und unterhielt sich angeregt mit mir - nebenbei erklärte sie sicher 4x das diese ungezogenen Kinder weiter hinten ja solch einen Lärm veranstalten würden - ( die Mädels unterhielten sich und zwar wirklich angemessen ) als wir dann an der Haltestelle ankamen an der wir aussteigen mussten kamen alle Mädels nach vorne ich saß noch - keifte sie nicht in Richtung der Mädels " Euer Geschrei werden wir hier sicher nicht vermissen" drehte sich zu mir um - ich stand auf und erklärte "ja, ich nehme jetzt alle wieder mit nach Hause " ich dachte sie fällt tot um - hihihi - man sollte immer vorsichtig sein dachte ich neben wem man sitzt.

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    1. Hahaha, sehr köstlich. Da hast Du cool reagiert

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  3. Ach das hast du schön geschrieben. Von Helikopter-Mamas im Freundeskreis kann ich ein Lied singen. Und von Mamas wo ihre Kinder immer alles früher und besser können... Ach was solls, denke ich dann immer...
    Bleib so wie du bist und ich freu mich, dass du meinen Blog besucht hast. Deinen werde ich wohl jetzt öfter lesen, denn deine direkte Art gefällt mir :)

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  4. Ich dachte ne Zeit lang auf den Spielplatz geht man zum Spielen und nicht zum Snacken. Wenn die andere Mütter dann immer ihre Snacks ausgepackt und meine Kinder das mitgekriegt haben, musste ich immer das Feld räumen oder ich war die Mutter von Schnorrer-Kinder. Das können die nämlich ganz gut das "Bei Fremden Leuten Essen schnorren" :D Habe mich mal wieder sehr amüsiert über deinen Text besonders über die "flötenden und fuchtelnden Muttis".

    Liebe Grüße
    Ella

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♥♥♥ Kommentare sind wie ein guter Nachtisch, sie machen die Sache erst perfekt. Danke dafür ♥♥♥