Sonntag, 29. Mai 2016

Jolina fährt (endlich) Fahrrad, mit Video

An dieser Stelle erwartet Ihr ja sicher das Sonntagskino.
Keine Angst, auch heute gibt es ein kleines Video, doch zusätzlich auch viele Bilder und ein paar Worte zu dem Ganzen, denn heute ist das Sonntagsvideo ein neues "Jolina-Video"



Ich bin ja ein absoluter Stützrädergegner. Als mein Mann, gegen meinen ausdrücklichen Wunsch, aber auf "guten" Rat seines Vaters die Stützräder an Louisas Rad (übrigens das auf den Bildern) schraubte, bekam ich mal wieder einen meiner Anfälle.
Es war ja nicht so, dass ich ihm nicht schon gefühlt 100 Mal erzählt hatte, dass Laufräder so gut fürs Gleichgewicht sind und der Übergang zum Fahrrad dadurch so einfach ist. Die Kinder können schon lenken und Gleichgewicht halten, jetzt kommt nur noch treten und bremsen dazu.
Stützräder verhindern das Erlernen des Gleichgewichts auf dem Rad und so bleiben die Kinder auch mal stehen ohne zu kippen und lernen nicht, dass sie das Rad in Bewegung halten müssen....blablabla.
Damals schraubte er also die Stützräder wieder ab, bevor ich explodiert wäre und Louisa setzte sich aufs Rad, man hielt ein paar Meter fest und schwupps sie konnte es sofort, ohne Üben. (Zum Glück, sonst hätte ich ja nicht Recht gehabt ;-) )


Bei Jolina wollte ich es ganz genau so machen, doch wenn Louisa mit unter 2 schon auf ihrem Laufrad rum sauste, konnte Jolina mit 2 noch nicht laufen und es dauerte lange, bis sie überhaupt die Größe hatte das Rad zu benutzen und dann fehlte es an Mut/Wille das Teil wirklich endlich zu benutzen. Das fing jetzt erst so langsam an, aber immer noch mit Füßen ununterbrochen am Boden, also nix mit Gleichgewicht lernen und so.


Jetzt hat Jolina aber immer noch Krankengymnastik, weil ihre Muskulatur so schwach ist und die soll dringend gestärkt werden um die schwachen Bänder etwas zu unterstützen.
Die Therapeutin meinte Rad fahren wäre sehr gut für sie, wegen der Tretbewegung und ich müsse überlegen was Priorität hätte, Gleichgewicht oder Muskulatur.
Innerlich grummelnd warf ich also meine Pläne über den Haufen und wir holten das kleine Fahrrad, das sicher schon 20 Jahre auf dem Buckel hat, von meinen Schwiegereltern wieder ab und suchten die Stützräder dazu und mein Mann durfte sie anschrauben *seufz*



Wer jetzt denkt Jolina wäre das Kind das sich da begeistert drauf setzt und probiert irrt sich. Dieses Kind haben wir auch, doch das heißt Louisa.
Jolina weigerte sich erst, denn Nein! ist eigentlich die Standardantwort für alles und jeden.
Wir probierten es auf unserer Terrasse, denn das Geschrei und der Affentanz wie wir uns zum Hansel machten, muss ja nicht auch noch auf der Straße statt finden.
Irgendwann saß Jolina auf dem Rad, wusste mit den Füßen aber nicht recht was anzufangen.
Um ihr die Bewegung zu verinnerlichen nahm ich ihre Füße und bewegte sie auf den Pedalen, au mein Rücken, zusätzlich fehlte die dritte Hand zum lenken.




Irgendwann hatte sie das Prinzip verstanden, doch es fehlte die Kraft und der Schwung um über diesen einen Punkt zu kommen, wenn eine Pedale oben und die andere unten ist.
Oft wollte sie rückwärts treten und fing wütend an zu schreien, wenn "es" dann bremste.


Noch letzte Woche machte der Papa einen Versuch auf der Straße, doch so richtig klappte es nicht.


Am Donnerstag (Fronleichnam und bei uns Feiertag) beschloss ich bei schönstem Wetter, während der Papa bei Kollegen zum Grillen war mit den Mädels mal den fast fertigen Deichrückbau zu begutachten, dort läuft nämlich ein schöner ebener und breiter Radweg durch.


Ich parkte das Auto also im angrenzenden Gewerbegebiet und nicht wie viele Fußfaule direkt neben dem Radweg im Überschwemmungsgebiet und kaum hatte ich Jolinas Rad aus dem Kofferraum geholt war sie nicht zu bremsen, setzte sich drauf, obwohl ich "Warte doch!" rief und fuhr los.
Einfach so, als hätte sie das schon immer gekonnt.


Es ist fast immer das Gleiche bei Jolina. Man übt und übt und übt und .... (das mit den vielen Wiederholungen hab ich ja schon oft erklärt), aber nichts, wirklich gar nichts tut sich. Keine winzigen Verbesserungen, nichts was einem schon einen kleinen Erfolg feiern lässt und zum Durchhalten animiert, nein, Üben ohne erkennbaren Erfolg.
Und dann, eines schönen Tages kann das Kind das was geübt wurde als hätte sie es schon seit Monaten so gemacht.
Leider kann man nie abschätzen wie lange die Durststrecke noch dauert, das macht das ganze so zermürbend und unberechenbar.
Das mit dem Fahrrad fahren war jetzt ein schneller Erfolg, aber ich wette das ohne Stützräder fahren wird ein hartes Stück Arbeit und vielleicht klappt es auch nie, denn Jolinas Gleichgewichtsgefühl ist sehr schlecht.


Zusätzlich zu dem Erfolgserlebnis konnten wir auch gleichzeitig noch den neu geschaffenen Polder genießen. Ein bisschen Arbeit ist noch, denn bevor das Ganze fertig war kam schon ein "ungeplantes" Hochwasser und der Nahedeich war schon weg. Da stand die Baustelle erst mal unter Wasser.


Gewichen sind ein Hühnerhof und Pferdeunterstände und Felder, geblieben ist dieser wunderschöne alte Baum, der Radweg und ein kleines Stück vom alten Deich.
Den flitze Jolina dann mal hoch und war eigentlich auch schon recht müde vom strampeln.
Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass sie so weit kommt.


Das folgende Bild mag ich besonders und wenn ihr genau schaut seht ihr im rechten Bilddrittel die brave Nahe, doch das täuscht, denn nicht umsonst kann man den ursprünglich keltischen Namen mit "wilder Fluß" übersetzen.
Dieses Überschwemmungsgebiet soll die Orte am Rhein schützen, denn das ist nicht wenig was dieser kleine Fluss bei Hochwasser zum Rheinpegel beiträgt. Hat übrigens, bitte festhalten 13,5 Mio Euro gekostet, doch natürlich steht diese Zahl gegen die Kosten der Schäden die ein Hochwaser am Rhein verursacht.


Zurück wollte sie dann nicht und musste mit Eis gelockt werden, das ich dann aber ständig androhte zu entziehen, wenn sie bockig wurde, klar sie war müde, kann ich verstehen, doch diese Wutanfälle gehen einfach nicht, vor allem bin ich ihr körperlich nicht mehr gewachsen, ich kann sie vielleicht 20 Meter weit tragen, mehr geht nicht mehr.




Louisa bereute an dem Punkt mit den Inlinern hinterher gelaufen zu sein, doch sie schaffte dann den Weg zurück zum Teerweg.





Das Wetter war so, ach, einfach so zum ins Gras legen, in den Himmel schauen und denken "Das Leben ist schön", leider ist das mit Jolina im Schlepptau nicht möglich, der Blick sollte besser immer und ständig am Kind sein, denn all zu schnell kommt sie auf Ideen ohne Gefahren einschätzen zu können, so wie einen Fluß, oder Autos auf dem Radweg, oder E-Bikes.




Eine kurze Pause bevor es wieder aufs Rad ging und dann musste ich Jolina extrem mit Eis überreden die Strecke auch wieder zurück zu fahren.


Dahinten die Berge sind schon das andere Rheinufer und man sieht auch die Germania
ziemlich in der Bildmitte


Es war schwierig Jolina am rechten Rand des Radweges zu halten, sieht auf den Bildern auch aus als wäre das doch kein Thema. War es aber doch, denn durch den Feiertag und das schöne Wetter war der Weg, der ein Teil des Nahe-Rad-Weges ist, stark besucht und von beiden Richtungen kamen viele Radler und davon manche sehr schnell, weil sie eben sportlich sind und andere auf ihren E-Bikes.

Und da geht mir ja echt der Hut hoch.
Leute, es ist sau gefährlich geworden durch diese Dinger.
Da kaufen sich Leute, die ihr Lebtag zu unsportlich oder zu faul waren sich aufs Rad zu setzen ein E-Bike und brausen dann mit einem Affenzahn, auch noch nebeneinander und ohne Helm, über die Straßen. Sie sind, das konnte ich beobachten, nicht in der Lage aus zu weichen, weil sie gar nicht gewöhnt sind zu radeln und klingeln können sie auch nicht und leider hört man sie auch nicht, früher hörte man solche Leute ja vielleicht durch asthmatisches Röcheln, doch heute sind sie plötzlich hinter dir und streifen dich auch schon mal.
Ich sage ja nichts sich am Berg unterstützen zu lassen, aber hier dieser Weg ist bretteben, da braucht man keinen Motor.


So war es eine große Herausforderung Jolina immer von der Mitte zu verdrängen, auch wenn mal wieder ein blöder Autofahrer unbedingt diesen Radweg benutzen musste um dann an der Nahe mit dem Hund Gassi zu gehen.
Ich hasse dieses "nicht an Regeln halten", das sich immer mehr verbreitet. Die Leute denken immer "Ist ja nicht schlimm"
"Ist ja nicht schlimm, wenn ich mal schnell über den Radweg fahre" - Schlimm ist aber gewesen, dass das in der Stunde 10 Leute dachten
"Ist ja nicht schlimm, mal eine Brötchentüte auf die Straße zu werfen." - Schlimm ist aber, dass das viele machen und es am Wegesrand aussieht wie auf einer Müllhalde. Pfui, schämt Euch
"Ist ja nicht schlimm, mal schnell auf dem Behindertenparkplatz zu stehen, ist doch immer leer." - Doch ist schlimm, denn die Mutter eines Jungen mit Down Syndrom, der noch schwerer ist als jolina, aber genau so alt braucht diesen Platz und ständig ist er zu geparkt von "Ist doch nicht schlimm-Menschen"
Musste ich jetzt mal sagen und ich hoffe es ist nicht schlimm ;-), dass ich mal kurz vom Thema abgewichen bin.


Am Ende war Jolina aber total kaputt und wollte laufen, also half Louisa aus und schob das Rad gebückt, mit den Inlinern an den Füßen vor sich her.

Ganz zum Schluß gab es dann doch noch ein kleines Unglück, denn über die Deichkuppe brause ein "ist nicht schlimm-Auto" und Louisa wollte ganz an den Rand und fiel mit dem Rad hin. Jolina merkte, dass Louisa sich weh getan hatte und rannte los um zu ihr zu kommen, das Auto verminderte die Geschwindigkeit nicht, dachte, die kann ja auf die Seite, sieht mich doch. Ich schrie "Stopp" und rannte mit Zwischenzehenbirkis (tolle Laufschuhe) hinter Jolina her, die auf Stopp schreien, inzwischen leicht panisch und schrill, nicht reagierte. Irgendwann erreichte ich sie und zog sie an den Rand, das Auto, bzw die Fahrerin glotze blöd aus dem Seitenfenster und hatte die Geschwindigkeit immer noch nicht reduziert. "Waren wohl nur "ist ja nicht schlimme 30 km/h)
Mein Kind wäre aber in das Auto gerannt, ohne es nur zu registrieren, denn das was sie als einziges sah war ihre Schwester die mit blutenden Knien und Händen auf der Straße lag.
Jolina kann wie viele Menschen mit Down Syndrom nicht viele Reize gleichzeitig verarbeiten, somit wird das Auto ausgeblendet und es ist einfach total gefährlich.
Liebe Autofahrerin, die du das jetzt eh nicht lesen wirst, wenn man schon unerlaubt auf einem Radweg fährt, dann hält man in so einer Situation an. 1. weil das Kind offensichtlich nicht reagiert und 2. weil das andere Kind sich auch offensichtlich verletzt hat.
Du blöde Sumpfkuh!

Den Rest des Weges legte ich mit schniefender Jolina an der Hand und Fahrad mit der anderen Hand hinter mir her ziehend zurück. Ist aber nicht schlimm, denn das zähle ich als zusätzliches Workout.

Zu Hause sollte Jolina dann wirklich kein Eis bekommen, weil sie nicht gehört hat, doch während sie fassungslos ihr Eis einforderte, während Louisa ihr Kaktuseis schleckte, konnte ich dann doch nicht so hart sein, denn sie hatte ihre Sache ja wirklich ganz toll gemacht auf dem Rad.
Allerdings gab es nur ein kleines Minieis und ich erklärte ihr auch wieso.

Davon könnt Ihr Euch jetzt endlich auch in bewegten Bildern überzeugen.
Warum Jolina immer "Tooor" ruft wenn sie an mir vorbei fährt weiß ich nicht und das "Du nicht" am Ende bezieht sich darauf, dass sie Eis bekommt, aber Louisa nicht. Jedenfalls wenn es nach ihr ginge.


Kommentare:

  1. Oh wie schön dass das Radfahren geklappt hat und ich hoffe sie hat in Zukunft viel Freude daran und du auch! Zum Thema gegenseitige Rücksichtnahme kann ich dich nur ermutigen deine Kinder trotzdem so zu erziehen ... das ist eines der Themen, die mich in meinem Alltag zunehmend besorgen - privat und in der Schule - leider werden die meisten Erwachsenen den Kindern hier immer schlechtere Vorbilder. Denen kann man Verbote und Gebote viel schneller einsichtig machen. LG Ingrid und einen schönen Sonntag!

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  2. Klasse :-)

    Ich bin ganz erstaunt, dass sie so gut gerade aus fährt. Felix guckt nämlich auch immer nach unten und landet dann im Seitenstreifen. ;-)

    Der hat gar keine Lust zum Radfahren. Er will immer üben und wenn er dann 3 m gefahren ist, hat er keine Lust mehr.

    LG Katja

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  3. Richtig richtig toll, genial dass sie das nun auch kann. Ein super schönes Video hast du gemacht, danke dir. Warte nur, wenn sie noch schneller wird ist dann nichts mehr mit gemütlich nebenher gehen :D.

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  4. Bravo Zaubermaus,wieder ein Meilenstein geschafft,so toll!! Ich freue mich so mit!!

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  5. Super! Wenn sie dieses komplizierte Bewegungsmuster jetzt beherrscht, klappt.das mit windelfrei auch bald.......beides sind ja komlexe Koordinationen......Louisas neuen Jumpsuit hab ich ja gleich erkannt, aber was traegt Jolina denn da schickes????

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  6. Das ist leider schon fast zu eng und genäht hat das die Nadelzauberin von Sonea Sonnenschein :-)

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♥♥♥ Kommentare sind wie ein guter Nachtisch, sie machen die Sache erst perfekt. Danke dafür ♥♥♥